02.02.2012, 00:00 Uhr

Keine Stadtentwicklung rund um Johannes Kepler Universität

Die Stadt Linz wird als Universitätsstandort auch in Oberösterreich kaum wahrgenommen. Universität, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung mahnen stärkeres Marketing durch die Stadt ein.

Linz lockt kaum junge Forscher und Talente an. „Der Brain Gain nach Linz ist nicht stark genug“, sagt Joachim ­Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Ober­österreich. Er kritisiert die Linzer Politik, viel zu wenig für den Universitätsstandort zu tun. „Viele Oberösterreicher, die studieren wollen gehen nach Wien, Salzburg, Graz oder Innsbruck.“

Das schmerze, da die Johannes Kepler Universität (JKU) eine hohe Qualität anbiete. Zudem seien die Karrieremöglichkeiten im Zentralraum groß. „Wir müssen gute Leute in die Region bringen. In Graz geschieht das. Graz ist in den vergangenen Jahren um 30.000 Personen gewachsen, Linz nur um etwa 7000. Man kann Linz und Graz längst nicht mehr vergleichen.“ Weiterer Kritikpunkt von Haindl-Grutsch: die nicht existierende Stadtentwicklung rund um die Universität. „Dort passiert leider so gut wie nichts.“ Er kritisiert auch eine fehlende Donauraumstrategie. „Linz an der Donau wird auch international viel zu wenig vermarktet.“

Auch JKU-Rektor Richard Hagelauer ortet Handlungsbedarf. „Zwei Drittel der oberösterreichischen Maturanten studieren nicht in Linz. Um diese in Ober­österreich halten zu können, müssen wir den Universitätsstandort bekannter machen. Da kann die Stadt eindeutig mehr tun.“ Durch die Campuslage sei die JKU kaum in das Stadtleben integriert. Hagelauer setzt daher große Hoffnung in ein Informationsbüro. Dieses kommt ab Sommer in die ehemalige Linz09-Info am Hauptplatz.

Hagelauer ortet ebenfalls fehlende Stadtentwicklung rund um die Universität. „Ich würde mir mehr Büroflächen statt neue Hofer- oder Lidl-Filialen rund um die Universität wünschen. Auch mehr Restaurants und Bars, um das Studentenleben zu attraktivieren, wären begrüßenswert.“

Für den Linzer Stadtentwickler Karl Schörghuber fehlt ein Konzept seitens der Stadt rund um die JKU: „Ich weiß nicht, wo es dort einen Treffpunktplatz oder dergleichen gibt. Wo sind denn die Tausenden Studenten? Man trifft sie nicht an. Hier fehlt es eindeutig an nachhaltigen Konzepten zur Attraktivierung.“
Für Klaus Schobesberger, Obmann der Wirtschaftskammer Linz, steht das Ziel fest: „Die JKU muss dringend als technische Volluniversität ausgebaut werden.“ Das Fehlen eines Campusflairs liege ihm zufolge an vielen Tagespendlern unter den Studenten. Auch er mahnt die Politik ein: „Hinweisschilder etwa auf die Universitätsstadt Linz sind absolut notwendig. Die Stadt muss viel mehr Marketing für den Universitätsstandort machen.“

Georg Steiner, Direktor des Linzer Tourismusverbandes, weist auf Akzente zur Bewerbung des Unistandortes Linz hin: „Im Tagungsbereich sprechen wir die JKU immer an. Außerdem positionieren wir Linz als Universitätsstandort dort, wo wir Exzellenzfelder haben.“ ­Diese gebe es beispielsweise in der Mechatronik oder auch im technischen Bereich.

Bürgermeister Franz Dobusch versteht die Kritik nicht: „Die JKU wird gerade durch den Science Park gestärkt. Außerdem ergeben sich durch die Campuslage andere Entwicklungen als Unistandort, als wenn ich eine Uni im Zentrum habe.“ Linz und Graz könne man sowieso nicht vergleichen. „Linz hat viel bessere Arbeitsmarktwerte als Graz und die Umlandgemeinden rund um Linz wachsen viel stärker.“ Linz werde im Jahr 2025 etwa 205.000 Einwohner haben. „Es geht mir nicht um ein Wachstum der Stadt, das dann keiner versteht.“ Vielmehr wolle man als soziale Mus­terstadt von sich reden machen.

Zudem werde immer wieder auf die Kunstuniversität vergessen. Diese sei mitten im Zentrum situiert und trage definitiv zu einem studentischen Flair in der Linzer Innenstadt bei. Dobusch sieht beim Bau von Studentenheimen Handlungsbedarf. Doch: „Derzeit gibt es aber keine Subventionen des Bundes dafür.“ Konkrete Projekte gebe es beispielsweise in Urfahr in der Nähe der jetzigen Anton Bruckner Privat­universität. Dobusch: „Wenn Linz eine Medizinuniversität bekommt, wird sie auf jeden Fall im Zentrum der Stadt etabliert.“
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