Nationalratswahl 2017: So hat Salzburg gewählt

Nach der Nationalratswahl: Diskussion der Parteispitzen in ORF Landesstudio Salzburg: Wilfried Haslauer, Walter Steidl, Rudi Hemetsberger, Karl Schnell, Marlene Svazek und Barbara Unterkofler
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In diesem Beitrag ersichtlich ist der aktuelle Auszählungsgrad der Stimmen im Bundesland Salzburg – es handelt sich um KEINE Hochrechnung.

Vorläufiges Ergebnis aus den 119 Salzburger Gemeinden

(Ohne Auszählung der Briefwahl- und Wahlkartenstimmen)

Mit Plus 11,0 Prozent und einem Stimmenanteil von 37,6 Prozent ist die ÖVP im Bundesland Salzburg der große Wahlsieger. Die Partei kann erstmals nach drei verlustreichen Nationalratswahlen in Folge wieder punkten, und das gleich kräftig. In 15 Salzburger Gemeinden (Filzmoos, Hüttschlag, Untertauern, St. Koloman, Göming, Kleinarl, Großarl, Saalbach-Hinterglemm, Fuschl am See, Fusch an der Glocknerstraße, Scheffau, Krispl, Annaberg-Lungötz, Weißbach bei Lofer und Forstau) kam die ÖVP sogar auf mehr als 50 Prozent und erreichte damit eine absolute Mehrheit.
Wahlsieger Nummer zwei ist die FPÖ, die mit 25,8 Prozent (plus 4,6 Prozent) ebenfalls deutlich dazugewinnt. Ihr bestes Ergebnis erzielte die FPÖ in Thomatal (43,3 Prozent), ihr schlechtestes in Göming (17,8 Prozent).
Auf Platz drei folgt die SPÖ, die aus 22,1 Prozent der Stimmen (minus 0,9 Prozent) kommt. Für die SPÖ ist dies das schlechteste Ergebnis aller Zeiten bei einer Nationalratswahl im Bundesland Salzburg. Ihre besten Ergebnisse erzielte die SPÖ in Gemeinden mit SPÖ-Bürgermeistern, allen voran in Schwarzach (45,5 Prozent) und Bürmoos (36,0 Prozent), Mühlbach am Hochkönig (35,7 Prozent) und Bischofshofen (34,2 Prozent), Lend (31,9 Prozent), Uttendorf (29,0 Prozent) und Kaprun (28,9 Prozent).
Platz vier geht an NEOS, die Partei schneidet bei ihrem zweiten Antreten bei einer Nationalratswahl mit einem leichten Plus (plus 0,8 Prozent) bei 5,4 Prozent der Stimmen ab.
Die GRÜNEN müssen ein Minus von 11,3 Prozent einstecken und landen bei nur mehr 3,5 Prozent der Stimmen – knapp vor der Liste PILZ auf dem fünften Platz. Die meisten Stimmen erhielten die GRÜNEN noch in der Landeshauptstadt, woe sie auf 6,0 Prozent der Stimmen kamen. PILZ kommt im Bundesland Salzburg auf 3,3 Prozent.
Für FPS-Landesparteiobmann Karl Schnell ist die Nationalratswahl eine Schlappe: Seine bundesweite Liste FLÖ erreicht im Bundesland Salzburg nur 0,7 Prozent der Stimmen – und damit in etwa gleich viel wie Roland Düringers GILT (0,8 Prozent). Detail am Rande: Am besten schnitt Karl Schnells Partei in seiner Heimatgemeinde Saalbach-Hinterglemm ab, dort erreichte die FLÖ immerhin 9,6 Prozent.
Die KPÖ kommt auf 0,6 Prozent, die Weißen auf 0,2 Prozent.

Die Wahlbeteiligung lag bei 68,9 Prozent.

Lesen Sie auch:KOMMENTAR: Nach der Wahl ist vor der Wahl

Was die vorläufigen Ergebnisse für die Anzahl der Mandate bedeutet
Für die ÖVP werden künftig sechs anstelle von vier Salzburger Abgeordneten im Parlament sitzen. Die SPÖ wird weiterhin mit zwei Abgeordneten aus Salzburg vertreten sein, die FPÖ bekommt zwei Salzburger Mandate (neu) und die GRÜNEN verlieren ihren Salzburger Abgeordnetensitz.

Jubel bei der FPÖ und Spitzenkandidatin Marlene Svazek in Salzburg

Für Marlene Svazek, Salzburger FPÖ-Spitzenkandidatin, ist das Wahlergebnis erfreulich. Zweitstärkste Kraft zu werden sei eine wunderbare Sache. Für sie steht aber dennoch fest: Mit der Landtagswahl 2018 will sie dem Nationalrat den Rücken kehren und in die Salzburger Landespoltitik wechseln.

"Als ich heute in Großgmain wählen war, bin ich von vielen angesprochen worden, dass sie mir heute gerne ihre Stimme geben, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ich mit der Landtagswahl wieder zurück nach Salzburg komme", so Svazek.

Mit Genugtuung beobachtete man bei der FPÖ das Abschneiden von Karl Schnells FPS/FLÖ. "Dise Schlappe überrascht mich nicht wirklich, aber man darf nicht vergessen: Vor allem medial ist das sehr hoch gespielt worden."

ÖVP-Obmann Wilfried Haslauer: "Jetzt müssen wir die Gräben zuschütten"

Sehr zufrieden ist Salzburgs LH Wilfried Haslauer mit dem vorläufigen Ergebnis. "Der Sieg gebhört Sebastian Kurz, in Salzburg hat die ÖVP aber vielleicht auch deshalb besonders gut abgeschnitten, weil es eine hohe Erwartungshaltung an die Politik gibt", so der Landeshauptmann. Und: "Wir haben von der höheren Wahlbeteiligung überproportional profitiert und bürgerliche Grün-Wähler sind zu uns gewechselt." Koalitionsansagen wolle er nicht tätigen, nur so viel: "Alles ist möglich." In Richtung SPÖ meinte der Salzburger ÖVP-Chef: "Jetzt müssen wir einmal die Gräben zuschütten, die im Wahlkampf aufgerissen wurden. Wir brauchen einen "Code ode Behaviour" (also einen Benimm-Code)." Eine Regierung könne man nur mit einem Partner bilden, mit ein eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich sei. Wenn man schon vorher wisse, dass das nicht funktioniere, "dann muss man die Finger davon lassen".

SPÖ ist enttäuscht, aber nicht fassungslos

„Obwohl wir mit Christian Kern den besten Spitzenkandidaten hatten und als einzige Partei einen Plan für eine gerechte Zukunft vorweisen können, sind wir uns in diesem Wahlkampf zeitweise selbst im Weg gestanden", so der Salzburger SPÖ-Chef Walter Steidl in einer ersten Stellungnahme. Kleines Trostpfalster: Cornelia Ecker und Walter Bacher werden weiterhin als SPÖ-Abgeordnete im Nationalrat vertreten sein.

Salzburgs GRÜNEN-Spitzenkandidatin schafft es nicht in den Nationalrat

Fassungslosigkeit herrschte bei den GRÜNEN – auch wenn das GRÜNEN-Landesgeschäftsführer Rudi Hemetsberger so nicht formulieren will. Der Einzug in den Nationalrat gestaltete sich am Sonntagaben als Zitterpartie mit offenem Ausgang. "Sofern es sich überhaupt ausgeht, werden wir das vielleicht erst am Donnerstag erfahren (nach der Auszählung der Wahlkartenwähler in fremden Regionalwahlrkreisen, Anm.)", so Rudi Hemetsberger. Doch selbst wenn die GRÜNEN tatächlich noch den Einzug schaffen sollten, steht bereits fest: Salzburgs Spitzenkandidatin Christine Steger wird nicht einziehen.

Auswirkung auf Salzburger Landtagswahl 2018?

"Es ist eine Debakel, eine Desaster, eine schwere Niederlage", fasst es Rudi Hemetsberger zusammen. "Wenn dir zwei Drittel deiner Wähler davonlaufen, dann hast du etwas falsch gemacht." Den Verlust der GRÜNEN alleine der Kandidatu r vonPeter Pilz zuschreiben, das will er nicht. "Damit würden wir es uns zu einfach machen. Es ist eine Summe an Dingen, die diesen riesigen Vertrauensverlust gebracht hat. Und der hat sich ja in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet." Was das für die Landtagswahl im Frühjahr 2018 bedeutet, bei der die GRÜNEN ja um eine erneute Regierungsbeteiligung kämpfen? "Ich glaube, die Zusammensetzung der künftigen Bundesregierung wird sich stärker auf die Landtagswahl auswirken als das heutige Ergebnis", so Rudi Hemetsberger.

Karl Schnell überlegt Absage seiner Kandidatur bei der Landtagswahl 2018

Folgen für die Salzburger Landatsgwahl könnte auch das schlechte Abschneiden von Karl Schnells (FPS) FLÖ-Liste haben. "Für mich ist es eine persönliche Enttäuschung, dass wir nicht wenigstens in meiner Heimat Salzburg reüssieren konnten", so Karl Schnell. Man habe "Großartiges" geleistet, innerhalb eines Monats genauso viele und gute Kandidaten aufgestellt wie die drei großen Parteien – aber "wenn man in den Medien nicht vorkommt, dann hat man keine Chance." Er, Schnell, werde sich nun genau überlegen müssen, was das Nationalratswahlergebnis für sein Antreten bei der Landtagswahl im Frühjahr 2018 bedeutet. "Wir (die FPS, Anm.) werden sicher antreten, aber ob ich der Spitzenkandidat sein werde, muss ich mir überlegen."

NEOS mit leichtem Plus

Sepp Schellhorn (NEOS): "Für uns ist das Ergebnis ein positives, und dafür bin ich durchaus dankbar. Vor allem auch was unser Abschneiden in Salzburg angeht, denn wir haben unseren Wahlkampf ja durchaus bundesweit angelegt und nicht nur auf Salzburg."

Welche Rolle Wahlkarten- und Briefwähler spielen

Interessant zu wissen: 13,2 Prozent der Wahlberechtigten (52.282 Wahlberechtigte) im Bundesland Salzburg haben sich eine Wahlkarte ausstellen lassen. Damit kann sowohl in einem anderen als dem eigenen Sprengel-Wahllokal gewählt werden als auch per Briefwahl. Die 52.282 Wahlkarten entsprechen umgerechnet knapp zwei Mandaten, da nach Berechnungen der Landesstatistik in Salzburg rund 26.000 Stimmen für ein Mandat erforderlich sein werden. Die Wahlkarten der Briefwähler werden erst am Montag ausgezählt – jene von Wahlkartenwählern aus fremden Regionalwahlkreisen erst am Donnerstag.

Wann werden die Wahlkarten ausgezählt?

Für das Wahlergebnis bedeutet das: Erst am Donnerstag wird das endgültige Ergebnis der Nationalratswahl 2017 feststehen. Weil aber davon auszugehen ist, dass die meisten Wahlkartenwähler per Briefwahl wählen, dürfte das vorläufige Ergebnis am Montagabend (inklusive Briefwähler) denn einen aussagekräftigen Charakter haben. Die Stimmen jener Wahlkartenwähler, die ihre Stimme in fremden Regionalwahlkreisen abgeben, dürften das vorläufige Ergebnis vom Montagabend deshalb nicht mehr gravierend verändern.

* So hat Österreich gewählt: Das Ergebnis der Nationalratswahl
* Live-Ticker zur Nationalratswahl aus Wien
* Informationen und Ergebnisse zur Nationalratswahl aus Salzburg und den Bundesländern

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