Interview mit Jakub Kavin und Manami Okazaki
"Ab und zu sind wir coronavoll!"

Jakub Kavin und Manami Okazaki steuern die TheaterArche sicher durch die Coronakrise.
  • Jakub Kavin und Manami Okazaki steuern die TheaterArche sicher durch die Coronakrise.
  • Foto: Bernhardt Jammernegg
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

Jakub Kavin leitet mit Manami Okazaki die TheaterArche in der Münzwardeingasse 2a. Ein Doppelinterview.

Welche Aufgabe hat Theater in Zeiten der Krise?
JAKUB KAVIN: Kunst ist gerade jetzt wesentlicher Teil der Gesellschaft, weil sie Nachdenkprozesse auslöst. Theater verhilft uns im Alltag zu Momenten des Loslassens. Das Publikum will sich gern ablenken lassen, als weiter Probleme zu wälzen - Boulevardtheater zu machen, hat aber für uns auch jetzt keinen Sinn. In der TheaterArche sind gerade gesellschaftskritische Stücke ausverkauft - der Markt dafür ist also trotz Corona da. Als wir mitten im Lockdown weiter Theater gemacht haben – im Rahmen von geschlossenen Veranstaltungen für Medienvertreter -, waren allerdings einige irritiert und haben gemeint "Was spielts ihr euch jetzt auf?"
MANAMI OKAZAKI: Mit "Hikikomori" ist uns aber mitten im Lockdown eine thematische Punktlandung gelungen: Das ursprünglich japanische Phänomen - Menschen ziehen sich zurück und reduzieren den Kontakt zur Gesellschaft aufs Minimum - ist plötzlich erschütternd aktuell geworden.

Vielen Kulturbetrieben brechen durch die Coronaregeln die Einnahmen weg.
KAVIN: Natürlich ist der Einnahmenentgang vor allem für Häuser wie unseres, die bis zur Pandemie ausschließlich durch Ticketeinnahmen finanziert waren existenzbedrohend. Wir haben das Haus vergangenes Jahr ganz ohne Geld eröffnet, der Verein TheaterArche hat dann allein 2019 unbezahlte Arbeit für rund 450.000 Euro geleistet. Seit März 2020 bekommen wir 50.000 Euro Basisförderung für ein Jahr von der Stadt. Vom Bezirk bekommen wir gar nichts, weil die Förderkriterien sehr restriktiv sind, deshalb reichen wir da auch gar nicht ein. Das Kulturbudget Mariahilfs ist mit 100.000 Euro dotiert, im Nachbarbezirk Neubau beträgt es 350.000 Euro, es ist also kaum Geld für die Kunst da, aber dennoch fühle ich mich hier sehr wohl, weil im 6. Bezirk ein gutes soziales Miteinander spürbar ist.
OKAZAKI: Zur Zeit heißt "ausverkauft" auch wegen der Coronaregeln eigentlich "halb ausverkauft": Seit Corona haben wir im Schnitt 30 Leute im Publikum. Ab und zu sind wir aber auch mit 49 Zuschauern "coronavoll". Es sind uns aber weit mehr als die Hälfte der Einnahmen weggebrochen und unsere Theaterbar muss jetzt auch geschlossen bleiben.

Ist Theater systemrelevant?
KAVIN: Auch wenn wir Künstler von der Politik fast täglich gezeigt bekommen, dass wir eben nicht systemrelevant sind, machen wir hier in der kleinen, verwunschenen Münzwardeingasse weiterhin jeden Tag Theater von Wienern für Wiener - damit sind wohlgemerkt alle gemeint, die hier leben.
OKAZAKI: Die Seele einer Stadt sind jene Orte, an denen man sich trifft, lacht und austauscht - dazu gehören eben auch die Theater. Das war immer so und wird immer so sein. Die Sehnsucht der Menschen ist stärker als Corona.

Wie geht es in der TheaterArche weiter?
KAVIN: Am 9. November haben wir Premiere von "Wie ist es möglich, da zu sein?" - einer Collage aus Texten von Rainer Maria Rilke (den Bernhardt Jammernegg spielen wird, Anm.) und Lou Andreas-Salomé.
OKAZAKI: Am 25. November ist die Premiere der Wiederaufnahme von "Hikikomori". Und am 1. Dezember liest Marlene Streeruwitz bei uns auf der Bühne aus ihrem Covid19-Roman "So ist die Welt geworden".

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