Mehr Grün, weniger Hitze
Mistelbach macht den Boden fit fürs Klima
- Mehr Grün statt Beton: Mistelbach macht sich fit gegen die Hitze.
- hochgeladen von Ivonne Thiem
36 Grad und mehr, eine Herausforderung in Städten und Ortschaften. Der Bezirk Mistelbach setzt daher auf Grün statt Grau.
NÖ/BEZIRK MISTELBACH/STADT. Wasserdurchlässige Rasensteine am Parkplatz vor dem Gemeindeamt, neue Bäume für den Hauptplatz oder begrünte Straßenzüge – mit dem NÖ Bodenbonus werden Gemeinden bei der Entsiegelung von öffentlichen Flächen unterstützt. Rund 40 Projekte wurden in Niederösterreich bereits umgesetzt, über 100 Gemeinden beraten. Auch im Bezirk Mistelbach sagt man den Hitzeinseln den Kampf an.
Wasser halten, Hitze bremsen
Bürgermeister (ÖVP)Erich Stubenvoll nimmt das Thema Entsiegelung und den nachhaltigen Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser sehr ernst. Die Stadtgemeinde Mistelbach arbeitet bereits seit Jahren daran, Projekte zur nachhaltigen Wassernutzung und Klimawandelanpassung umzusetzen.
- Bäume und Grüninseln sorgen für natürliche Abkühlung.
- hochgeladen von Ivonne Thiem
Entsiegelung und Begrünung spielen dabei eine zentrale Rolle. Wo Asphalt und Beton weichen, kann Regenwasser wieder besser im Boden versickern. Das verbessert das Mikroklima und entlastet bei Starkregen gleichzeitig die Kanalisation. Bäume, Grünflächen und klimaangepasste Bepflanzungen sorgen zudem durch Schatten und Verdunstung für Abkühlung.
„Die aktuelle Trockenperiode zeigt: Wasser wird die größte Herausforderung unseres Handelns sein und sollte noch mehr als bisher ins Bewusstsein aller vordringen. Für das Gemeindegebiet Mistelbachs wurde ein Regenwasserfahrplan erstellt. Er zeigt auf, wie Regenwasser künftig möglichst dort zurückgehalten und versickert werden kann, wo es anfällt“, erklärt Bürgermeister Erich Stubenvoll.
Aus Asphaltflächen werden Grüninseln
Bei Straßen- und Infrastrukturprojekten wird daher bereits bei der Planung darauf geachtet, Entsiegelung und Begrünung mitzudenken. Wo es technisch und wirtschaftlich möglich ist, entstehen zusätzliche Baumstandorte, Grüninseln oder entsiegelte Flächen.
Ein Beispiel ist das Projekt Kirchenberg IV 2025–2026 in der Straße Am Schlossberg. Im Zuge der Generalsanierung wurden Kanal, Wasserleitung, Gasleitung, Verkabelung und Straße erneuert. Gleichzeitig wurden asphaltierte Gehsteigbereiche gepflastert, Parkplätze mit TTE-Steinen ausgeführt und entlang des gesamten Straßenzugs Grünflächen geschaffen. Das Projekt wurde für eine Förderung im Rahmen des NÖ Bodenbonus eingereicht.
- Wo Asphalt weicht, gewinnt die Natur wieder Platz.
- hochgeladen von Ivonne Thiem
Auch in der Dr.-Kettenbach-Gasse in Kettlasbrunn sowie in der Kitty-Buchhammer-Gasse bei Kindergarten und Siedlung Zaya-Mühlbach wurden Parkflächen entsiegelt. Das Regenwasser kann dadurch wieder besser aufgenommen werden – bei Starkregen wird gleichzeitig die Kanalisation entlastet. Bereits 2020 wurden beim neu errichteten Busbahnhof am Bahnhof Mistelbach Bäume nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt.
Mehr Grün für ein klimafittes Mistelbach
Auch die Bebauungsvorschriften wurden angepasst: Parkplätze müssen künftig offen gestaltet werden, damit Regenwasser versickern kann. Gleichzeitig werden mehr Freiflächen vorgesehen.
Für Umweltstadträtin Monika Mayer ist die Begrünung ein wichtiger Baustein für die Zukunft: „Mit der geplanten Verlängerung der Liebesallee nach Norden schafft die Stadtgemeinde Mistelbach ein wichtiges Zukunftsprojekt für ein attraktives und klimafittes Ortsbild. Durch zusätzliche Bäume und Grünflächen entstehen neue Bereiche zum Spazieren, Begegnen und Verweilen.“ Entlang der Liebesallee sollen daher zusätzliche Bäume Richtung Norden gepflanzt werden.
Pflanzen gegen die Hitze
Einen ungewöhnlichen Weg geht Mistelbach seit Juni 2026 mit dem wissenschaftlichen Pilotprojekt „Plants4Cooling“ im Rahmen des EU-Programms INTERREG VI-A Österreich-Tschechien 2023–2027 und „Natur im Garten“. Die Bahnstraße wurde dafür als Versuchsstandort ausgewählt.
- Mehr Grün statt Beton: Mistelbach macht sich fit gegen die Hitze.
- hochgeladen von Ivonne Thiem
Vier freistehende, arkadenförmige Rankgerüste wurden für Kletterpflanzen errichtet. Sie sollen künftig für natürliche Beschattung sorgen und die Hitzebelastung entlang der stark frequentierten Straße reduzieren. Bis 2027 wird das Projekt wissenschaftlich evaluiert.
Mit Entsiegelung, neuen Grünflächen, zusätzlichen Bäumen und einem eigenen Regenwasserfahrplan setzt Mistelbach damit auf mehrere Hebel gleichzeitig: Regenwasser soll dort bleiben, wo es anfällt, Hitze soll draußen bleiben – und die Lebensqualität im öffentlichen Raum steigen.
Das könnte dich auch interessieren:
Aktuelle Nachrichten aus Niederösterreich auf
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.