14.03.2017, 00:30 Uhr

Bezirksimkerei Wien: Jedem Bezirk sein eigener Honig

Höhenluft schnuppern: Auch auf dem Dach der Technischen Universität erntet Matthias Kopetzky Honig. (Foto: Max Spitzauer)

Liesing schmeckt herb, Neubau nach Rosen: Wir haben die Bezirksimkerei Wien besucht.

WIEN. Als Matthias Kopetzky seinen ersten Bienenstock in Meidling aufbaute, stand er bis zu den Knöcheln im Schnee. Das war vor fünf Jahren, damals im Februar. "Verrückt, vom heutigen Standpunkt aus betrachtet", sagt der Chef der Bezirksimkerei. "Bei dieser Kälte zu starten. Aber ich konnte es halt nicht mehr erwarten."

Übernommen hatte er den Stock vom Vater seiner Schwägerin, Ahnung hatte Kopetzky damals nicht viel. "Ein Theoriekurs und das war’s. Da hat man schon Respekt, wenn man zum ersten Mal vor dem offenen Stock steht." Stiche hagelte es damals trotz Schutzkleidung noch: "Man ist halt anfangs noch viel patscherter im Umgang mit den Tieren. Zu wehleidig sollte man nicht sein."

"Terroir" für Honig

Mittlerweile besucht Kopetzky seine Stöcke nur mehr im T-Shirt. Vom sprichwörtlichen blutigen Anfänger ist nichts mehr übrig: Kopetzky ist Vizepräsident im Landesverband für Bienenzucht und hat seine Leidenschaft auf alle 23 Bezirke Wiens ausgeweitet – nämlich mit Lagenhonigen aus Wien, einen für jeden Bezirk.

Die Idee dazu entstand aus "einer kleinen Verrücktheit meinerseits", so Kopetzky. Was man wissen muss: Kopetzky liebt nicht nur seine 100 Bienenvölker, sondern auch guten Wein. Ähnlich dem Terroir, auf das Winzer besonders stolz sind, wollte er sich mit Honig auf die Lage spezialisieren. Vom Margaretner Hotel Falkensteiner über die Gärtnerei Auer in Simmering bis zur Technischen Universität und den Hörndlwald in Hietzing: In mittlerweile allen 23 Bezirken produzieren jeweils bis zu fünf Bienenvölker Honig. Unterschiede merkt man sowohl bei der Farbe als auch beim Geruch und Geschmack: Honig aus Neubau etwa ist goldgelb und duftet mild nach Rosen, während die Leopoldstadt-Variante herb-intensiv riecht und karamellig schmeckt.

Bienen lieben die Stadt

Wie man das alles hinbekommt? Nein, an Bezirksgrenzen würden sich die Bienen nicht halten. "Aber die meisten Bienen fliegen Pflanzen im Umkreis von drei Kilometern an. So kann man das schon ganz gut eingrenzen." Überhaupt sei Wien als Bienen-Standort perfekt: "So viele verschiedene Pflanzen, die noch dazu bis November blühen, gibt es in ganz Österreich nicht. Den Bienen geht’s bei uns in der Stadt besser als am Land."

Zur Sache: Bezirksimkerei

Und so schmeckt’s: Die Leopoldstadt herb-karamellig, die Wieden nach Kräutern und Blumen. Mariahilf süß und leicht harzig, Favoriten fruchtig-leicht und die Donaustadt süß nach Blüten. Ein kleines Glas Lagenhonig mit 120 Gramm kostet 3 Euro, eines mit 220 Gramm 5,90 Euro. Zu kaufen auf www.bee-coop.at sowie etwa bei "Das G’schäft" (7., Neubaugasse 71), "Anna Putz" (12., Meidlinger Markt 25–27) oder bei der Fleischerei Ringl (6., Gumpendorfer Straße 105).

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