Gute Impfung, schlechte Impfung
Serie Teil 6: Windpocken sind die letzte Kinderkrankheit

Kinderkrankheit Windpocken: Die Pusteln sind lästig – doch schwere Verläufe sehr selten.
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  • Foto: Ehgartner
  • hochgeladen von Christian Trinkl

Die Windpocken-Impfung sollte Pflegetage einsparen. Doch dieser Versuch ist grandios gescheitert.

Im Vorschulalter verlaufen die Windpocken meist so mild, dass es schon schwierig ist, die Kinder überhaupt im Bett zu halten. Ähnlich wie bei Masern steigt das Komplikationsrisiko jedoch mit dem Alter kräftig an. Bei Jugendlichen und Erwachsenen drohen neben hohem Fieber und starkem Hautausschlag auch rheumatische Beschwerden sowie Lungen- und Gehirnentzündung. Dazu kommt bei Schwangeren das Risiko von Fehlbildungen beim ungeborenen Baby, ähnlich wie bei Röteln.

Die Windpocken-Viren gänzlich auszurotten, ist im Gegensatz zu Masern jedoch nicht möglich.

Denn jeder Mensch, ob auf natürlichem Wege erkrankt oder geimpft, trägt die Viren ein Leben lang in seinem Körper. Dort schlafen sie am Ende der Nervenbahnen. Und wenn wir Glück haben, wachen sie nie wieder auf.

Kranke Jugendliche

Die ersten großen Impfkampagnen wurden 1995 in den USA gestartet. Als wichtigstes Argument für die Impfung nannten die Behörden nicht die Gefährlichkeit der Krankheit, sondern die Chance, Pflegetage der Eltern einzusparen. Weil die Windpocken-Impfung deutlich schlechter wirkt als z. B. die Masern- oder Röteln-Impfung, kommt es jedoch nach wie vor regelmäßig zu Windpocken-Ausbrüchen. Das Durchschnittsalter der Erkrankten ist von viereinhalb auf mittlerweile zwölf Jahre geklettert.

Kurzfristiger Schutz

Weil Mütter, die selbst geimpft wurden, ihren Babys weniger Nestschutz weitergeben, werden die Windpocken demnächst auch vermehrt im ersten Lebensjahr auftreten – wieder mit höherem Risiko für Komplikationen. Dennoch wurde der eingeschlagene Weg unbeirrt fortgeführt. Bald musste auch noch eine zweite Impfdosis vorgeschrieben werden. Ob dies nun ausreicht, um einen ähnlichen Schutz zu bieten, wie die natürlich durchgemachte Krankheit, ist zweifelhaft. Zumal ein wichtiger Faktor wegfällt: Die Kinder, die gerade Windpocken hatten, haben früher nämlich ihrer ganzen Umgebung eine Auffrischungsimpfung verpasst. "Wir nehmen an, dass ohne diesen Effekt die Wirksamkeit der Impfung nach 20 Jahren stark einbricht", sagt dazu der deutsche Mediziner und Impfexperte Klaus Hartmann.

Trotz dieser negativen Erfahrungen aus den US-amerikanischen Impfexperimenten, übernahm Deutschland – getrieben von einer sehr Pharma-freundlichen Impfkommission – als erstes europäisches Land im Jahr 2004 die Windpocken-Impfung. Da sie gratis angeboten und auch von den Behörden stark gepusht wurde, stieg die Impfrate kontinuierlich an. Heute sind bereits mehr als 80 Prozent der deutschen Kinder geimpft.
Und wenn in der "Kita" die Windpocken umgehen, bekommen ungeimpfte Kinder sofort Hausarrest.

Gürtelrose-Epidemie

Seit vielen Jahren verzeichnen die USA nun eine Zunahme der Fälle von Gürtelrose.
Diese oft extrem schmerzhafte Krankheit tritt auf, wenn die schlafenden Windpocken-Viren erwachen und sich entlang der Nervenbahnen ausbreiten. Offenbar hat es die Windpocken-kranken Kinder gebraucht, damit das Immunsystem der Erwachsenen die schlafenden Viren in Schach hält. Ökonomen errechneten, dass die Therapie der Gürtelrose nunmehr viel aufwendiger ist und die Kosten der einstigen Windpocken um ein Vielfaches übersteigt. "Die Windpocken-Impfung hat sich als vollständiges Debakel erwiesen", schimpft der deutsche Mediziner Klaus Hartmann.
Die Frage ist nun, ob Österreich aus den Erfahrungen lernt.

Lesen Sie hier den Kommentar von Bert Ehgartner: Seuchenalarm inklusive Hausarrest

Alle Folgen der Serie finden Sie unter #impfen2019

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