120 Sekunden
Landesrat Jochen Danninger: Krisenzeit ist Gründerzeit

Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Gespräch mit RegionalMedien Niederösterreich Chefredakteur Christian Trinkl | Foto: RegionalMedien Niederösterreich/Daniela Matejschek
35Bilder
  • Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger im Gespräch mit RegionalMedien Niederösterreich Chefredakteur Christian Trinkl
  • Foto: RegionalMedien Niederösterreich/Daniela Matejschek
  • hochgeladen von Christian Trinkl

Niederösterreichs Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger über Start-ups, Energiepreise und die Herbstferien. Das Gespräch führte RegionalMedien Niederösterreich Chefredakteur Christian Trinkl.

Wie ist die Gründerszene Niederösterreichs aus der Pandemie-Krise herausgekommen?
Aktuell entsteht österreichweit jedes fünfte neu gegründete Unternehmen in unserem Bundesland. Diese extrem lebendigen Gründer-Szene ist Teil der DNA und Erfolgsgeschichte unseres Wirtschaftsstandortes. Wir merken das anhaltend hohe Interesse an Unternehmensgründungen. Hier zeigt sich: Krisenzeiten sind Gründerzeiten. Viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher sehen in der Krise die Chance sich beruflich neu zu orientieren und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

Wer macht sich in Niederösterreich am liebsten selbstständig, kann man das irgendwie einkreisen?
Die Stärke unseres Wirtschaftsstandortes ist seine Vielfalt. Das zeigt sich auch bei den Gründungen. Wir sind keiner Branche verpflichtet, sondern extrem breit aufgestellt. Wir haben jetzt aber eine neue Initiative gestartet, um Frauen, die eher in Branchen gründen, wo die Möglichkeiten, Umsätze zu erwirtschaften, begrenzt sind, in männer-lastigen Wirtschaftszweigen als Unternehmerin Fuß zu fassen. Denn in diesen Branchen lässt sich deutlich mehr Wertschöpfung erwirtschaften. Das erreichen wir unter anderem mit Mentorinnen, die Frauen ermutigen und coachen.

Aktuell schwebt die Wirtschaft ja irgendwo zwischen "es läuft super und wir haben zu wenig Arbeitskräfte" und "die Energiepreise brechen uns das Genick". Wo stehen unsere Unternehmen da?
Die Wirtschaft war in den letzten Monaten einer wilden Berg- und Talfahrt unterworfen. Während die Konjunktur in der Corona-Krise eingebrochen ist, so ist sie im Vorjahr um fünf Prozent und wird heuer um rund vier Prozent wachsen. Im kommenden Jahr soll sich die Wirtschaft stabil entwickelt, Teuerung und Energiekosten bleiben für viele unserer Betriebe extrem herausfordernd. Daher setzte ich mich seit Monaten dafür ein, dass sie vom Bund rasch und unbürokratisch einen Energiekostenzuschuss erhalten. Ob die 1,3 Milliarden Euro, die der Bund hier zur Verfügung gestellt hat, ausreichen, bezweifle ich. Wenn diese Instrument den Unternehmen endlich zur Verfügung steht, werden wir ganz genau darauf achten, ob es auch ausreichend stark entlastet oder ob das Bund hier nachschärfen muss.

Foto: RegionalMedien Niederösterreich/Daniela Matejschek
  • Foto: RegionalMedien Niederösterreich/Daniela Matejschek
  • hochgeladen von Christian Trinkl

Mit was rechnen Sie? Einer Rezession oder kommen wir irgendwie durch?
Ganz klar: Wir kommen durch. Und auch wenn dieser Spruch schon abgedroschen ist: Wir sehen Licht am Ende des Tunnels. Alles hängt von der Frage ab, wie schnell können wir uns aus der Abhängigkeit vom russischen Gas befreien? Und hier helfen unter anderem die ersten Flüssiggasterminals in Deutschland, die Anfang kommenden Jahres in Betrieb gehen werden. Aber auch Niederösterreich setzt massiv auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien. All das hilft, die Energiepreise mittelfristig zu senken und damit auch den Druck auf die Betriebe zu lindern.

Wie kann die Politik das abfedern, was brauchen die Unternehmen?
Wir brauchen Wirtschaftshilfen, die die Energiekostenexplosion rasch und unbürokratisch abfedern. Die von der Bundesregierung angekündigten Hilfen decken nur den Zeitraum bis Ende September ab. Wir brauchen aber einen Schutzschirm bis Ende 2023, damit die Betriebe Planungssicherheit erhalten, ihre Kosten kalkulieren können und auch wieder gegenüber den USA, Indien oder China konkurrenzfähig sein können, wo Firmen mit deutlich niedrigen Energiekosten produzieren können. Darauf werden wir mit Nachdruck pochen. Den Betrieben in Niederösterreich wäre es viel lieber, sie würden gar keine Hilfen brauchen, aber bei dieser Vervielfachung der Energiekosten sind Zuschüsse absolut notwendig.

Digitalisierung als Medizin gegen die Krise?
Die Digitalisierung bietet nahezu unbegrenzt viele Möglichkeiten, um besser, effizienter und wettbewerbsfähiger zu werden. Daher haben wir vom Bäcker über den Schuhmacher bis zum Industriebetrieb in den letzten zwei Jahren 1.300 Digitalisierungsprojekte mit 28 Mio. Euro unterstützt. Zudem schaffen wir mit dem Leitprojekt „Haus der Digitalisierung“ einen Ort, wo sich jede oder jeder Anregung holen kann, wie die Digitalisierung im unternehmerischen und beruflichen Leben gewinnbringend genutzt kann. Wir werden das Haus Anfang 2023 eröffnen.

Foto: RegionalMedien Niederösterreich/Daniela Matejschek
  • Foto: RegionalMedien Niederösterreich/Daniela Matejschek
  • hochgeladen von Christian Trinkl

Gut gelaufen ist es in diesem Sommer ja im Tourismus. Und jetzt stehen die Herbstferien an. Ihre Einschätzung: Wird gut oder sparen die Leute sich den Herbsturlaub wegen der hohen Inflation?
Die Unterkünfte in Niederösterreich sind in den Herbstferien schon gut gebucht, es gibt aber noch freie Kapazitäten. Der Herbst in Niederösterreich ist ein perfekter Anlass für einen Urlaub zum Genießen, Wandern oder Erholen, alleine, zu zweit oder mit der Familie. Unsere Destinationen geben mir die Rückmeldung, dass sich die Teuerung derzeit nicht auf die Buchungen für die Herbstferien auswirken. Mache Urlauber werden sich wohl auch denken: Jetzt fahre ich erst recht auf Urlaub - am besten mit dem Zug, dann spare ich mir das Tanken.

Das Gespräch findet im Rahmen von "120 Sekunden – die NÖ Start-up Show statt".
Mehr Informationen dazu:

Das war das Casting in Mödling
Anzeige
Die Geschäftsidee steht, aber es fehlt am Kapital für die Umsetzung. Traditionelle Bankkredite scheitern an Sicherheiten.  | Foto:  iStock
Video 5

Gute Geschäftsidee, fehlendes Kapital
Ob Gründung oder Expansion – der Mikrokredit des Sozialministeriums hilft bei der Finanzierung

Sie möchten sich selbstständig machen, Ihr Kleinstunternehmen erweitern oder aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen? Die dafür nötige Finanzierung scheitert am fehlenden Eigenkapital oder an Sicherheiten für herkömmliche Bankkredite? Der Mikrokredit in Österreich ist genau für diese Situationen gemacht. Die österreichweite Initiative des Sozialministeriums ermöglicht Kleinkredite für tragfähige Geschäftsideen, wenn Eigenkapital und Sicherheiten fehlen. Der Weg in die Selbstständigkeit beginnt...

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

UP TO DATE BLEIBEN

Aktuelle Nachrichten aus Niederösterreich auf MeinBezirk.at/Niederösterreich

Neuigkeiten aus Niederösterreich als Push-Nachricht direkt aufs Handy

Bezirksblätter auf Facebook: MeinBezirk.at/Niederösterreich

ePaper jetzt gleich digital durchblättern

Storys aus Niederösterreich und coole Gewinnspiele im wöchentlichen MeinBezirk.at-Newsletter


Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.