Scharfe Kritik an Asbest-Analysen
Steinbruchbetreiber stellen Messmethoden infrage
Nach der behördlichen Schließung von vier Steinbrüchen im Burgenland haben sich die betroffenen Betriebe zur „ARGE Naturgestein“ zusammengeschlossen und internationale Experten beigezogen. Ziel sei eine Rückkehr zu einer „wissenschaftlichen“ und „sachlichen“ Grundlage. Bei einem Pressegespräch kritisierten sie gemeinsam mit dem Experten Martin Kirschbaum die bisherige Probenahme und Analyse.
PILGERSDORF. Im Zentrum der Kritik der Betreiber der vier burgenländischen Steinbrüche steht die Methodik der bisherigen Untersuchungen von Greenpeace. Der deutsche Sachverständige für Steine und Erden, Martin Kirschbaum, der laut eigenen Angaben seit Jahrzehnten zu Asbest und Naturgesteinen arbeitet, kommt nach Auswertung der veröffentlichten Unterlagen zu einem klaren Schluss: „Ich habe also festgestellt, dass die komplette Probenahme nicht fachgerecht, nicht professionell und nicht wissenschaftlich gemacht worden ist.“
Konkret kritisiert Kirschbaum die Anwendung der Richtlinie VDI 3866. Diese sei „nur für Minerale, Asbestminerale, die technisch absichtlich zugegeben worden sind“, etwa in klassischen Baustoffen. Für natürliche Gesteine seien hingegen andere Verfahren vorgesehen, insbesondere die TRGS 517. Dass diese nicht angewandt worden sei, macht die Ergebnisse aus seiner Sicht nicht belastbar: „Ich kann nicht mit falschen Methoden etwas messen und dann Messwerte veröffentlichen, die so nicht validierbar sind.“
- Experte Martin Kirschbaum kritisiert die bisherigen Asbest-Untersuchungen als „nicht fachgerecht, nicht professionell und nicht wissenschaftlich gemacht“.
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Zweifel an Probenahme und Repräsentativität
Auch die Probenahme selbst wird infrage gestellt. Laut Kirschbaum seien neben dem Steinbruch auch Proben „an unterschiedlichsten Stellen im öffentlichen Raum“ entnommen worden, etwa auf Parkplätzen oder Gehwegen, ohne dokumentierten Plan. „Es gibt keine nachvollziehbare Begründung, warum gerade diese Stellen ausgewählt wurden“, sagte er.
Zudem seien häufig einzelne auffällige Steine gezielt entnommen worden, statt repräsentative Mischproben zu bilden. Eine solche Vorgehensweise könne dazu führen, dass untypische Partikel überbewertet werden. Kirschbaum formulierte es zugespitzt: „Ich kann nicht mit einer Pinzette über einen großen streuselbedeckten Platz laufen und einzelne Steinchen daraus holen“ – eine solche Methode liefere „statistisch null, nichts wert“.
Die ARGE Naturgestein betont, dass Asbest in vielen Hartgesteinen natürlich vorkomme, jedoch in gebundener Form „vollkommen unbedenklich“ sei. Entscheidend sei die Unterscheidung zwischen dem bloßen Vorhandensein von Asbestmineralen und einer tatsächlichen Gesundheitsgefährdung.
- Die Betreiber der vier geschlossenen Steinbrüche: vl. Frank Eichhorn, Zöchlinger Betriebe- Steinbruch Pilgersdorf, Gerhard Horn, Klöcher Baugesellschaft- Steinbrüche Badersdorf und Rumpersdorf und Frank Iszovics, Hermann Mayer GmbH- Steinbruch Bernstein)
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Kritikpunkt Messgrundlage
In den Steinbrüchen Badersdorf und Rumpersdorf wurden laut Betreiber Gerhard Horn regelmäßig behördliche Überprüfungen durchgeführt. Diese seien über Jahre hinweg ohne Beanstandungen verlaufen. Auch im vergangenen Jahr habe es Luftmessungen gegeben, „in Badersdorf als auch in Rumpersdorf“, die überwiegend unter den maßgeblichen Grenzwerten lagen.
Lediglich einzelne Messwerte hätten darüber gelegen, wobei Horn dies auf konkrete betriebliche Situationen zurückführt. „Das waren also zwei Werte. Alle anderen waren unter 10.000“, sagte er. Für diese Fälle sei bereits ein Maßnahmenkonzept vorgelegt worden, um die Werte weiter zu senken. „Wir haben dann ein Konzept vorgelegt, wie wir […] diese 10.000 erreichen würden“, so Horn. Vorgesehen gewesen seien unter anderem Anpassungen an der Bewässerung sowie technische Verbesserungen an der Brecheranlage.
Zu einer Umsetzung dieser Maßnahmen sei es jedoch nicht mehr gekommen. „Aber dazu ist es nie gekommen. Es hat auch nie eine Stellungnahme dazu gegeben seitens der Behörde“, sagte Horn.
Für die Bewertung einer Gesundheitsgefährdung ist nicht der Massegehalt im Gestein entscheidend, sondern die Zahl lungengängiger Fasern in der Atemluft. Aussagekräftige Messungen seien vor allem im laufenden Betrieb möglich, wenn durch mechanische Bearbeitung überhaupt Fasern freigesetzt werden. „Für uns relevant ist das, was in die Atemluft kommt. Also sprich, die WHO-Faser ist für uns wichtig“, sagte Eichhorn.
„Eine bloße Feststellung‚ Asbestmineral vorhanden, ersetzt daher keine Bewertung des Expositionsrisikos“, so Kirschbaum. Maßgeblich sei die tatsächliche Belastung der Atemluft, diese wurde aber nicht getestet. Solche Messungen seien durch die sofortige Schließung nicht mehr möglich gewesen, obwohl alle Betriebe einen Antrag auf Probebetrieb gestellt hatten.
„Wir konnten die Grenzwerte nie messen, weil der Betrieb geschlossen ist. Weil das geht ja nur im laufenden Betrieb,“ so Frank Eichhorn.
- Steinbruch Pilgersdorf. Steinbruchbetreiber sehen keine belegte Gefährdung durch die bisherigen Daten.
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Erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen
Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Schließungen seien erheblich. Rohstoffe müssten nun über weite Strecken angeliefert werden, wodurch laut Gerhard Horn, Geschäftsleiter der Steinbrüche Badersdorf und Rumpersdorf „mehr als 3 Millionen LKW-Kilometer pro Jahr zusätzlich“ anfielen.
Frank Eichhorn widerspricht den veröffentlichten Ergebnissen deutlich: „Wir empfinden die Schließung der Betriebe als nicht gerechtfertigt.“
Die Schließungen haben bereits spürbare Auswirkungen auf die Beschäftigten. Laut Geschäftsleiter Gerhard Horn wurden in Rumpersdorf „sämtliche Mitarbeiter entlassen, bis auf den Betriebsleiter“, in Badersdorf seien „bis auf drei Mitarbeiter, die momentan noch in Kurzarbeit sind, […] auch alle anderen entlassen“. Insgesamt betreffe dies rund 22 Mitarbeiter im Bezirk Oberwart. Auch in Pilgersdorf mussten laut Frank Eichhorn fünf Mitarbeiter entlassen werden. Für den Steinbruch in Bernstein sprach Betriebsleiter Frank Iszovics von „ca. 15 Mitarbeitern, die betroffen sind“.
Darüber hinaus verweisen die Betreiber auf weitreichende Folgewirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Eichhorn betonte: „Wir haben eine Kundschaft mit bestimmt 50, 60 kleinen Unternehmen, die davon leben“ – viele davon stünden nun ebenfalls vor erheblichen Problemen.
Existenzdruck
Für Martin Kirschbaum ist entscheidend, dass die Bewertung auf korrekten Methoden basiert: „Wenn sie es messen, müssen sie es auch sauber und richtig messen.“ Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sieht er keine belegte Gefährdungslage, die die gesetzten Maßnahmen rechtfertigen würde.
Die Betreiber warnen, dass ihre wirtschaftliche Lage zunehmend kritisch werde und sie „nur mehr bis zu zwei Monaten überleben“ könnten, bevor erste Betriebe Konkurs anmelden müssten.
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