30.09.2014, 15:31 Uhr

perspektive mauthausen feiert 10. Geburtstag: "So etwas stellst du nicht mit Law & Order ab"

Walter Hofstätter, Bgm. Thomas Punkenhofer und Elisabeth Orth bei der Gedenkveranstaltung zur Mühlviertler Hasenjagd.

Zum 10. Geburtstag der antifaschistischen Initiative kommt Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky mit seinem neuen Film "Das radikal Böse".

MAUTHAUSEN. Antifaschismus ist aktueller denn je. Vor den Gedenkfeiern im Mai wurde heuer die KZ-Gedenkstätte beschmiert, ein türkisches Kindergrab in Mauthausen geschändet. Die Täter sind nach wie vor nicht ausgeforscht. "Rechtsextreme Aktivitäten und Straftaten nehmen zu", sagt Walter Hofstätter, Vorsitzender der perspektive Mauthausen. "So etwas stellst du nicht mit Law & Order ab". Es gehe vielmehr um Bewusstseinsbildung. Und dem verschreibt sich die perspektive mauthausen seit 10 Jahren. Am Freitag, 10. Oktober, feiert die antifaschistische Gruppe ihren zehnten Geburtstag. Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky kommt an einen historischen Ort, in dem die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg Wochenschau-Berichte ausgestrahlt hat: Im Alten Kino Mauthausen. Mit im Gepäck hat er seinen Film "Das radikal Böse".

"Antifaschistisch engagiert"
Hofstätter: "Ich war immer schon antifaschistisch engagiert, habe mit der Vorgängerorganisation des Mauthausen Komitees zusammengearbeitet. Irgendwann habe ich mir gesagt, es wäre gut, wenn es eine lokale Gruppe in Mauthausen geben würde. Und zum Telefonhörer gegriffen. Heute umfasst das Kernteam rund 20 Personen." In zehn Jahren ist viel geschehen. Seit 2005 findet jährlich die Gedenkveranstaltung zur "Mühlviertler Hasenjagd" in Mauthausen statt. Festredner waren Größen wie Erwin Steinhauer, Mercedes Echerer, Alfons Haider, Harald Krassnitzer oder heuer Elisabeth Orth.

Immer wieder werden Bildungsfahrten zu NS-Gedenkorten veranstaltet. Mit Jugendlichen ging es unter anderem nach Ebensee, Dachau oder Redl-Zipf. Dazu arbeitet die perspektive mauthausen mit dem Mauthausen Komitee zusammen, hat gute Kontakte nach Florenz, Bologna, Barcelona oder Dachau. "Wir wollen vor allem aufzeigen, was sich außerhalb der KZ-Gedenkstätte getan hat", sagt Hofstätter.

Anknüpfungspunkt für die Gegenwart
Stets wird ein Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart hergestellt. "Wir haben uns ganz bewusst des Themas der Mühlviertler Hasenjagd angenommen. Weil es ein Ereignis war, dass sich außerhalb des KZ abgespielt hat. Es hat sichtbar gemacht, wie sich die Menschen verhalten und was die Gesellschaft leisten kann. Es gibt zwei Pole: Einen Kaufmann in Schwertberg, der selbst Leute erschossen hat oder die Familie Langthaler, die den Flüchtenden das Leben gerettet hat." Dazwischen gebe es viele Grautöne. "Es gab Leute, die haben Wäsche oder Milch für Häftlinge rausgestellt. Andere sind ihnen mit der Mistgabel nachgelaufen. Wenn in der Straßenbahn ein paar schreien 'scheiß Neger, schleich dich', kannst du mitschreien oder sagen 'es ist nicht in Ordnung', mit dem Sitznachbar reden oder zum Fahrer gehen. Du hast viele Handlungsmöglichkeiten, mit damals ist das natürlich nicht vergleichbar. Wir wollen daraus lernen."

Zuversicht macht Hofstätter die Zusammenarbeit mit der NMS Mauthausen.

Stefan Ruzowitzky kommt zum 10. Geburtstag der perspektive mauthausen

Zur Veranstaltung der perspektive mauthausen mit Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky:

http://www.meinbezirk.at/mauthausen/chronik/mauthausen-kinoabend-mit-oscar-preistraeger-d1091220.html
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