"Musik als Lebenselixier"
Vollblutmusiker Wolfgang Grünzweig und Karl Takats im Interview
- MeinBezirk traf Wolfgang Grünzweig und Karl Takats zum Interview im Kulturverein "Die Bühne" in Purkersdorf.
- Foto: Lauren Fahrenberger / MeinBezirk
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Als Einstimmung auf das große Open-Air in Purkersdorf am 20. Juni sprach MeinBezirk mit den Mitgliedern der Vorband "gruen2g". Wolfgang Grünzweig und Karl Takats über ihre Leidenschaft, die Musikbranche und Künstliche Intelligenz.
PURKERSDORF. Seit 30 Jahren besteht die Band "gruen2g" schon. Zwar mit unterschiedlichen Besetzungen, aber immer mit Frontman und Namensgeber Wolfgang Grünzweig. In einer der Formationen stehen neben den vier fixen Bandmitgliedern auch Saxophonist Karl Takats und Sängerin Uschi Hollauf mit auf der Bühne – so auch am 20. Juni beim Open-Air in Purkersdorf.
MeinBezirk: Was erwartet uns beim Open-Air?
Karl Takats: Eine Melange aus "guen2g"-Nummern und bekannten Cover-Versionen. Damit die Leute in Stimmung kommen. Es wird funky, bluesig und rockig.
MeinBezirk: Wie würdet ihr euren Stil beschreiben?
Wolfgang Grünzweig: Wir spielen deutschsprachiger Rock mit Blues-Einflüssen. Unsere Musik ist zeitloser, entwickelt sich aber ständig weiter, ohne uns für Trends zu verbiegen.
Karl Takats: Nur bei der Bühnenshow vielleicht ein bisschen. (lacht)
MeinBezirk: Seit 30 Jahren gibt es "gruen2g". Was bedeutet euch die Musik?
Wolfgang Grünzweig: Für mich ist Musik mein Lebenselixier. Ich habe zwar als Arzt gearbeitet, aber die Musik nie vernachlässigt. Als kleiner Bub habe ich Ziehharmonika und Notenlesen gelernt. Mit 16 Jahren griff ich zur Gitarre und habe mir vieles selbst beigebracht. In der Schule gründete ich meine erste Band „Auflauf“. Später spielte ich fünf Jahre bei "Ostbahn-Kurti". Ich habe auch immer selbst komponiert und musiziert, "gruen2g" war dann die logische Konsequenz daraus.
MeinBezirk: Es ziehen sich viele bekannte Namen (von Karl Christian Rabitsch bis Klaus Pérez Salado) durch die Bandgeschichte. Wie seid ihr zur aktuellen Besetzung gekommen?
Wolfgang Grünzweig: Das ist jetzt schon sieben Jahre her. Mein Sohn, Jakob Grünzweig, hat Schlagzeug bei Salado gelernt und wurde so gut, dass er zu uns in die Band kam. Es folgte Georg Berner am Bass. Zuletzt entdeckte ich Roland Bohunovsk. Er überzeugte am Keyboard beim zehnjährigen Jubiläum in der "Bühne".
- Die Band "gruen2g" in seiner aktuellen Besetzung.
- Foto: Gregor Hartmann
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MeinBezirk: Karl, du warst schon mit Ludwig Hirsch und Minisex auf Tournee. Bist ein Urgestein im Musikbusiness. Was macht für dich "gruen2g" besonders?
Karl Takats: Die Band ist menschlich super und die Qualität der Musiker überzeugt. Dazu ist die Musik einfach lässig. Ich habe in vielen Bands gespielt. Wenn man von der Musik lebt, muss man oft Kompromisse eingehen. Aber hier fühlt man sich sofort als Teil der Gruppe.
MeinBezirk: Ihr komponiert beide eigene Songs. Worauf kommt es dabei an?
Wolfgang Grünzweig: Ich probiere mit meinen Liedern, Dinge auf den Punkt zu bringen, ob Gesellschaftskritik oder eigene Erfahrungen. Dabei entstehen oft Gedichte in Rockmusik verpackt. Sobald ein Song aufgenommen ist, lasse ich ihn ein paar Tage liegen. Danach höre ich ihn mir gerne in verschiedenen Lautstärken im Auto und auf mehreren Soundanlagen an. Feile im Studio noch einmal nach. Und wenn der Song für mich passt, ist er fertig. Egal, was andere dann sagen.
- Karl Takats bekam im Oktober 2025 von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner das "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich" überreicht.
- Foto: NLK Pfeiffer
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Karl Takats: Komponieren ist wie kochen, man kann ewig herumrühren und mehr Zutaten dazugeben. Aber irgendwann ist alles zerkocht. So kann man auch ein Stück zu Tode komponieren.
MeinBezirk: Mittlerweile kann man mithilfe Künstlicher Intelligenz mit einem Knopfdruck ein Lied komponieren. Was sagt ihr zu der technischen Entwicklung?
Karl Takats: Das ist Schwindel. Man muss die KI sparsam einsetzen, sonst wird es peinlich. Musik darf nicht nur noch aus Tools bestehen.
Wolfgang Grünzweig: Ja, früher ist Musik noch rein durch Musikinstrumente entstanden. Heute spielt viel Technik mit. Aber hinter jedem Knopf muss nach wie vor das Wissen stehen, warum der jetzt gedrückt wird.
MeinBezirk: Wie seht ihr die Entwicklung mit den Streaming-Portalen?
Karl Takats: Das ist das neue Medium. Reich wird man halt nicht, außer man ist ein Superstar.
Wolfgang Grünzweig: Ja, für junge Musiker wird es schwieriger, davon zu leben. Die müssen schauen, dass sie viele Konzerte spielen. Aber für Menschen gemachte Musik ist es nicht zuträglich, wenn nur der wirtschaftliche Gedanke der großen Betreiber dahintersteht.
Karl Takats: Das System muss sich neu entwickeln. Als AKM und LSG entstanden sind, hat es auch gedauert, bis die Tantiemen ausgeschüttet wurden. Und jetzt leben viele davon.
Wolfgang Grünzweig: Es gibt keinen Weg zurück. Das ist Gegenwart und Zukunft. Und die Zukunft muss man gestalten, indem man in der Gegenwart gescheite Verträge macht.
MeinBezirk: Produziert ihr noch CDs?
Wolfgang Grünzweig: Wir setzen aktuell auf einzelne Singles statt auf CD-Alben. Denn die Songs sind schnell auf den Streaming-Plattformen hochgeladen. Und lassen sich gut verbreiten. Lieber regelmäßig einen Song veröffentlichen, als einen physischen Pressling aufwendig produzieren, den niemand mehr abspielen kann.
MeinBezirk: Wann wird es wieder neue Songs von "gruen2g" zu hören geben?
Wolfgang Grünzweig: Am 25. September werden wir neue Nummern in der "Bühne" präsentieren. Etwa das Lied "Insolvent", das wir gemeinsam mit der Sängerin Mandana Nikou aufgenommen haben.
- Uschi Hollauf (Mitte), Karl Takats und "gruen2g" beim besinnlichen Abschlusskonzert vergangenes Jahr in der "Bühne".
- Foto: Franziska Führer / MeinBezirk
- hochgeladen von Franziska Führer
Karl Takats: Der krönende Jahresabschluss werden die drei Konzerte mit Uschi Hollauf sein, bei denen "gruen2g" und ich begleiten. Das ist schon eine liebgewonnene Tradition in der "Bühne". Und da kann man als Musiker mitschweben, wie auf einer Wolke. Weil wir uns alle so lange kennen, musikalisch erfahren sind und eine gemeinsame Sprache sprechen.
Vielen Dank für das Interview!
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