07.09.2014, 09:30 Uhr

Immunsystem in Ausbildung

Prim. Dr. Jörg Franke, Leiter der Abteilung für Kinderheilkunde, Jugendmedizin und Neonatologie, klärt über die Häufigkeit von leichten Erkrankungen bei Kindern auf. (Foto: BKH Reutte)

Gesund und mit Power durch das Kindergarten- und Schuljahr

REUTTE. Nach dem Ende der langen Ferien kehren kleine und große Kinder nun im Frühherbst wieder zurück in Kinderbetreuungsstätten oder Schulen. Beinahe zeitgleich beginnt jedes Jahr aufs Neue der Anstieg von Infektionskrankheiten. Eltern erscheint es oftmals so, als würde sich der eigene Sprössling im Kindergarten, der Spielgruppe oder in der Schule mit jedem noch so kleinen Infekt anstecken, der gerade im Umlauf ist. Eine herausfordernde Situation für Eltern und Betreuungspersonen – für die Entwicklung des Immunsystems aber ein notwendiges Übel.

Tatsächlich sind kleine Kinder in der Regel häufiger krank als Erwachse. Das liegt vor allem daran, dass der Mensch nicht mit einem voll ausgeprägten Immunsystem zur Welt kommt und gegen die meisten noch unbekannten Krankheitserreger erst Antikörper bilden muss. „Das kindliche Immunsystem befindet sich sozusagen im Training und baut im Laufe der Jahre eine immer effektivere Abwehr gegen leichte Erkrankungen auf“, weiß Prim. Dr. Jörg Franke, Leiter der Abteilung für Kinderheilkunde, Jugendmedizin und Neonatologie am BKH Reutte.

Unter den Kinderkrankheiten sind grippale Infekte die klare Nummer eins. Eltern können davon ausgehen, dass ihr Kind bis zum 10. Geburtstag durchschnittlich drei bis acht Mal pro Jahr an einem solchen Infekt erkrankt. Manchmal kommt es in den ersten Lebensjahren sogar bis zu 15 solcher Infekte, ohne dass Grund zur Sorge bestünde. Es ist nicht nötig und auch nicht ratsam, in so einem Fall übervorsichtig zu werden und das Kind möglichst steril aufwachsen zu lassen. Im Gegenteil – Kinder benötigen für eine optimale Gesundheitsgrundlage im Erwachsenenalter den Kontakt zu unterschiedlichen Erregern um ein abwehrstarkes Immunsystem zu entwickeln. „Problematisch wird es erst, wenn die kleinen PatientInnen häufig zusätzlich eine Bronchitis bekommen oder sich jeder Infekt sofort auf die Ohren schlägt“, so der Experte, „dann handelt es sich häufig nämlich nicht um einenormale Körperabwehrschwäche, sondern um lokale Problembereiche, die ärztlich abgeklärt werden sollten.“

Immunsystem stärken

Auch wenn Infekte also zum Kind-Sein dazu gehören, können Eltern einiges dafür tun, um das Immunsystem ihres Kindes zu stärken. Gute Abwehrkräfte können den nächsten Schnupfen zwar nicht verhindern, aber dafür sorgen, dass nicht mehr daraus wird. „Die Erfolgsformel für ein gesundes Immunsystem lautet: gesunde Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf“, betont Prim. Franke.

Tipps für eine powervolle Abwehr

• Regelmäßige Händewaschen verringert Infektionsgefahr. Vor allem nach Kontakt von Gegenständen, die von einer großen Menschenmenge berührt werden – z.B. Einkaufswagen – und vor jedem Essen gilt: Gründlich Hände waschen!
• Auch die Psyche spielt in diesem Zusammenhang eine sehr große Rolle, denn Stress und Anspannung schwächen nachweislich das Immunsystem
• Viele Vitamine in Form von Obst und Gemüse essen und ausreichend trinken! Die warme Heizungsluft in den Räumen und die kalte Luft draußen entzieht dem Körper Flüssigkeit. Trockene Schleimhäute sind anfälliger und bieten Viren einen guten Nährboden
• Täglich und bei jedem Wetter raus an die frische Luft! Achtung: Eltern sollten dabei vermeiden, das Kind zu warm einzumummen, da sie aufgrund ihres Bewegungsdranges schnell schwitzen. Besser dünner und mehrlagig anziehen (Zwiebelschalenprinzip)
• Füße immer warm halten! Besonders wichtig sind warme Socken und festes Schuhwerk, das Kälte und Nässe abweist. Hat das Kind erst einmal kalte und nasse Füße, steigt die Erkältungsgefahr rapide an, denn bei kalten Füßen werden Nasen und Rachenschleimhaut schlechter durchblutet – dadurch kühlt die Schleimhaut aus und Erkältungen haben leichtes Spiel
• Schnell aufwärmen, wenn Ihr Kind durchgefroren ist! Dazu eignen sich am besten ein heißer Tee oder heiße Honigmilch und ein warmes Fußbad
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