Bezirksjägertag 2019
Josef Brandmayr: "Dort, wo es möglich ist, zu überschießen, ja, da schießt's halt drüber"

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Bezirksjägermeister Martin Eisschiel wurde einstimmig wiedergewählt, der Abschussplan wurde mehr als erfüllt. 

BEZIRK (anh). Weil die Bezirkssporthalle derzeit renoviert wird und später ausschließlich für sportliche Veranstaltung genutzt werden soll, wichen die Jäger heuer für den Bezirksjägertag erstmals ins Centro aus und werden dies künftig wohl noch öfter tun. Bezirksjägermeister Martin Eisschiel, der das Amt seit zwei Jahren ausübt, wurde bei den Wahlen einstimmig für die nächste Periode wiedergewählt. "Ich habe diese Funktion die letzten zwei Jahre sehr gern gemacht und in allen Belangen dazugelernt", sagt er. Sein Stellvertreter bleibt weiterhin Johannes Wohlmacher. Delegierter im Landesjagdausschuss wird auch in den nächsten sechs Jahren Johann Peter bleiben. 

Feldhasenstrecke angestiegen 

Eisschiel ist hinsichtlich des Abschussplanes und der generellen Stimmung im Bezirk positiv gestimmt und griff in seinem Bericht ein paar spezielle Themen auf. So steige beispielsweise der Bestand des Rotwildes im Böhmerwald massiv an, was sich auch in der Abschussstatistik zeige. Beim Schwarzwild hatte man im Vorjahr eine Rekordstrecke mit 316 Stück zu verzeichnen gehabt. Das heurige Jahr – mit 112 geschossenen Tieren – dürfe man getrost wieder als "normales Jahr" bezeichnen. So ein Streckenhoch gebe es alle paar Jahre einmal – aus mehreren Gründen wie zum Beispiel auch durch sehr strenge Winter mit großen Schneemengen. Beim Rehwild, der Hauptwildart, hätte man den Abschussplan sogar zu 102 Prozent erfüllt, um gut 150 mehr Tiere als im vorigen Jagdjahr wurden geschossen. "Das zeigt ein wirkliches, ehrliches Bemühen seitens der Jägerschaft", ist sich Eisschiel sicher, "ich hoffe, Behörden, Politik und Grundbesitzer nehmen dies wohlwollend zur Kenntnis."
An zwei Tagen wurden heuer 1.812 Trophäen bewertet – davon alleine 224 1er-Böcke und 536 2er-Böcke. Es sei aber auch keine Schande, sich über einen mehrjährigen Bock zu freuen. "Das ist die Ernte oder der Lohn für die ganzjährige Mühe im Revier", so Eisschiel. Das durchschnittliche Wildbret-Gewicht betrug mit 14,8 Kilogramm etwas weniger als im Vorjahr (15,2 Kilogramm). Auch das durchschnittliche Geweih wog im letzten Jahr nur 253 Kilogramm im Vergleich zu 268 im Jahr davor. Die Feldhasenstrecke ist hingegen angestiegen. 1.131 Hasen wurden heuer geschossen. Im Jahr zuvor waren es nur 970. Mehr als 20 Prozent davon können jedoch Unfällen im Straßenverkehr oder in der Landwirtschaft zugerechnet werden. "Es gilt hier zu überlegen, wie wir den Bestand nachhaltig steigern können", sagt Eisschiel. Die Krähen- und Elsterbejagung, bei der man landesweit führe, dürfe nicht nachlassen. 

Weniger Jäger im Bezirk 

Die Anzahl der Jahresjagdkartenbesitzer ist etwas rückläufig. "Der aktuelle Kurs ist aber mit 34 Teilnehmern überbesetzt, das heißt, diese Entwicklung wird wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein", ist Eisschiel überzeugt. Jagdhornbläsergruppen gibt es im Bezirk nach wie vor drei – die Gruppen Böhmerwald, Pfarrkirchen und Ulrichsberg. Sie seien offen für Nachwuchs.
Ein "unverzichtbarer Teil der Jagd" seien auch die Jagdhunde. 2018 wurde das Wissen darüber an sechs Kurstagen vermittelt, neun Hundegespanne nahmen daran teil. Aber auch hier sei noch "Luft nach oben". 

Ohne Regeln keine Naturnutzung

Ein Dorn im Auge ist dem Bezirksjägermeister hingegen die steigende, unkontrollierbare Freizeitgestaltung der Menschen speziell in Wäldern. "Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass man Erholung in der Natur sucht, aber diese darf nur fußläufig erfolgen. Alle anderen Aktivitäten, mit oder ohne Motorisierung, sind untersagt", betont er. Man solle wieder mehr daran erinnern, dass der Wald das einzige noch verbliebene Rückzugsgebiet der Wildtiere sei. Laut Eisschiel müsse man den Unterschied zwischen "Mein" und "Dein" wieder mehr schärfen. "Natürlich dürfen alle die Natur nutzen, aber ohne Regeln wird das in Zukunft nicht mehr gehen", sagt der Bezirksjägermeister. 

Wolf, Luchs & Co.

Auch neue Tierarten werden im Bezirk heimisch. "Im Böhmerwald tappen immer wieder Elche in Fotofallen", informiert Eisschiel. Diese Tierart wäre gerade dabei, den Böhmerwald für sich zu entdecken.
Der Bestand des Luchses sei im Gegensatz dazu bereits wieder gesichert und steige stetig. "Man braucht hierfür keinen zusätzlichen Aufwand mehr betreiben", meint der Rohrbach-Berger. In anderen Regionen seien auch Luchsrisse keine Seltenheit mehr. Man müsse sich überlegen, ob es hier nicht sinnvoll wäre, die Abschusspläne entsprechend anzupassen.
Mit dem Wolf hätte man im Bezirk kein Problem. Laut Eisschiel wären jedoch die zahlreichen Umfragen nicht objektiv genug. "Wenn man Umfragen in Städten macht, wo die Bevölkerung vielleicht einmal in der Woche zur Erholung in die Natur fährt, ist es nicht verwunderlich, dass 70 Prozent für den Wolf sind. Würde man dieselbe Umfrage jedoch am Land machen, wo Menschen auch von der Natur leben müssen und sie sie täglich umgibt, würde der Wolf sicher zu annähernd 100 Prozent abgelehnt werden", lautet sein Urteil. Jedenfalls müssten sich Bauern und Grundbesitzer gemeinsam Gedanken über die künftige Vorgehensweise machen. Landesjägermeister Josef Brandmayr, der in dieser Funktion zum letzten Mal auftrat, sagt: "Niemand spricht dem Wolf die Lebensberechtigung ab, wenn er den gewünschten Lebensraum hat. Aber bei uns hat er diesen nicht. Wir sind ein Agrar-, Kultur- und Almenland, dieser Lebensraum ist für ihn ungeeignet." In Europa sei er ohnehin weit weg vom Aussterben und generell gehöre dieses Thema ausschließlich auf europäischer Ebene diskutiert und nicht auf Bezirksebene. Man müsse an die Menschen denken, die die Natur nicht nur nutzen, sondern von und mit ihr leben. "Kommt der Wolf, geht der Almbauer", ist er sich sicher. Und: "Wer das anders diskutiert, der ist entweder ein Romantiker oder ein Träumer."
In anderen Revieren wäre auch der Goldschakal bereits hin und wieder Gast. Auch dieser könnte in Zukunft dort und da zum Problem werden. 
Hinsichtlich der afrikanischen Schweinepest stellt Eisschiel fest: "Es ist klar, dass dieser Anstieg nur durch die menschliche Verbreitung möglich war, wobei hier Transit- und Reiseaktivitäten die größten Verbreiter sind." Die Jagd müsse hier Vorbild sein und die Regeln genauestens befolgen, damit es nicht zu einer noch stärkeren Ausbreitung komme. 

Besser als der Landesdurchschnitt 

16 Jagden kommen heuer zur Neuvergabe. Eisschiels Appell dafür lautet: "Mit viel Fingerspitzengefühl und Hausverstand handeln. Grundbesitzer und Jäger müssen sich als Partner sehen." Komplizierte Pachtverträge wären beispielsweise nicht dienlich.
Bei den 35 Begehungen wurden 28 Jagden der Kategorie "Stufe I" zugeordnet, sieben der Stufe II. "2011/12 wurde zum letzten Mal die Stufe III vergeben. Der Bezirk Rohrbach ist diesbezüglich daher weit besser aufgestellt als der Landesdurchschnitt", berichtet der Bezirksjägermeister. 
Auch hinsichtlich der großen Schadflächen im Bezirk – 1,6 Millionen Festmeter Schadholz alleine durch den Borkenkäfer – plädiert Eisschiel für den Dialog zwischen den Verantwortlichen. Und: "Es muss nicht immer eine neue, nicht heimische Baumart sein." Laut dem Landtagsabgeordneten Georg Ecker (VP) seien Zäune hierbei keine Lösung. Die Abschusspläne kurzfristig zu erhöhen und auf andere Baumarten als die Fichte zu setzen schon eher, um "langfristig in stabile, junge Wälder zu investieren." Auch Landesjägermeister Brandmayr meint: "Nur nicht zimperlich sein bei der Aufforstung und ruhig eine Zeit lang dort scharf jagen." Bei der Erstellung des Abschussplanes mahnt er davor, den Bogen nicht zu überspannen: "Die Pläne müssen erfüllbar sein, sonst nimmt man den Jägern die Freude am Handwerk. Dort, wo es möglich ist sie zu überschießen, ja, da schießt's halt drüber. Das geht sowieso nicht immer." 
Disziplin wünscht sich der Bezirksjägermeister auch bei der Winterfütterung, die ebenfalls ein Teil der Hege sei und zu der man sich verpflichtet hätte.

Statistisches

Die Jagdfläche im Bezirk Rohrbach beträgt 81.755 Hektar. Es gibt 53 Jagdgebiete, davon 13 Eigenjagden. Jahresjagdkartenbesitzer waren 2018/19 938 zu verzeichnen, davon 65 Frauen. Dies bedeutet eine Abnahme um 13 Personen im Vergleich zum Jagdjahr 2017/18. Jagdschutzorgane gibt es 137, gemeldete Jagdhunde 145. Zur Jagdprüfung sind 2018 28 Personen angetreten, alle haben die Prüfung bestanden. Im vergangenen Jagdjahr wurden 5.721 Tiere, die zur Kategorie Rehwild gehören, geschossen, davon 1.715 Böcke, 1.957 Geißen und 2.049 Kitze. Damit wurde der Abschuss-Plan zu 101 Prozent erfüllt, genauso wie im Vorjahr. An Unfall- bzw. Fallwild waren im vergangenen Jahr 480 Stück zu verzeichnen – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 89 Tiere. Abgeschossen wurden zudem 138 Tiere, die der Kategorie Rotwild angehören, sieben, die zum Dam- bzw. Sikawild gehören und 112, die zum Schwarzwild zählen. Niederwald, das heißt, Hasen, Fasane, Rebhühner, Waldschnepfen, Wildenten, Wildtauben und Haselwild, wurden im Gesamten 2.082 geschossen. Im Jahr zuvor waren es 2.133. Raubwild, das heißt, Fuchs, Marder, Iltis, Dachs, Hermelin, Marderhund und Waschbären wurden im Gesamten 1.137 geschossen. Im Vorjahr waren es mit 1.489 um einiges mehr. 

Ehrungen

Folgende langjährig ausgeschiedene Jagdleiter wurden geehrt: Josef Mittermaier (GJ Schlägl, 2000-2018, kürzlich verstorben), Johann Peter (GJ Aigen, 2003-2018), Friedrich Ransmayr (GJ Rohrbach, 1981-2018) und Stefan Schütz (GJ Haslach, 2006-2018). Den Goldenen Bruch für 50 Jahre Jagd erhielten: Ernst Fischer (GJ Pfarrkirchen), Albin Kitzberger (GJ Altenfelden), Erwin Lichtenauer (GJ Julbach), August Pühringer (GJ Nebelberg), Johann Reininger (EJ Stift Schlägl), Karl Reiter (GJ Oepping), Norber Turner (GJ Neustift) und Hermann Zeller (GJ Altenfelden). Die Anstecknadel für 60 Jahre Jagdausübung bekamen: Richard Neubauer (GJ Rohrbach-Berg), Alois Priglinger (GJ Niederwaldkirchen), Friedrich Ransmayr (GJ Rohrbach-Berg), Siegfried Saller (GJ Haslach), Georg Salburg (EJ Altenfhof) und Erwin Wallinger (GJ Kirchberg). Die Raubwildnadel erging an Konrad Andexlinger (GJ Kleinzell), Franz Binder (GJ Klaffer), Josef Grimps (GJ Julbach) Kurt Hölzl (GJ Hörbich), Alfred Kneidinger (GJ St. Peter), Adolf Natschläger (GJ Oepping) und August Stöbich (GJ Sarleinsbach). Die Rebhuhnnadel wurde Alfred Wiltschko (GJ Ulrichsberg) überreicht. Mit dem Jagdhornbläserabzeichen wurden Wolfgang Falkner (JHBG Pfarrkirchen, 35 Jahre) und Ewald Eckerstorfer (JHBG Pfarrkirchen, 30 Jahre) ausgezeichnet.

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