17.04.2018, 00:00 Uhr

Digitalisierung kontrolliert einsetzen

Ob Spiele oder soziale Netzwerke: für viele vergeht dabei die Zeit unkontrolliert.

Kinder und Jugendliche, Erwachsene und Betriebe, stehen unter den Druck der digitalen Medienwelt

ROHRBACH-BERG (alho). Für viele scheint die ständige Erreichbarkeit ein oberstes Prinzip zu sein und geraten unter Druck, wenn sie nicht sofort auf E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten antworten können. „Bei 40 Prozent der Menschen ist in der Früh und am Abend der erste bzw. letzte Blick und Tätigkeit: aufs Handy zu schauen! Die Klienten werden immer jünger, da sie mit PC-Spielen nicht mehr zurechtkommen. Betriebe stehen unter enormem Zeitdruck, eingelangte Mails zu bearbeiten“, erklärt Psychotherapeutin Maria Mittermaier. Sie hat durch ihre Tätigkeit bei pro mente Oberösterreich bei der Ambulanz für Spielsucht im Neuromed Campus des Kepler-Universitätsklinikums Einblick in Probleme vieler Menschen und meint: „Bei Kindern und Jugendlichen ist es ganz wichtig, Regeln einzuführen und eine Vorbildwirkung zu geben. Dies darf nicht mit Autorität verwechselt werden, das ist Erziehung. Der Medienkonsum sollte in der Volksschule nicht mehr als eine Stunde betragen. Die Kinder sind reizüberflutet und es gilt dies immer wieder auszugleichen durch Bewegung, durch Spiele mit anderen Kindern. Denn es geht nicht um die Zeit, die ich vorm Computer sitze, sondern um jene Zeit, die anders wo fehlt: etwa zum Freundschaften-Pflegen, zum Streiten mit Freunden, für Bewegung. Arm ist ein Kind, das nicht mehr auf den Baum klettern darf!“

Handyfreie Zeiten

Die Rohrbach-Bergerin weiß aus Erfahrung mit Klienten, dass die Steuerung der Willensbildung und kognitiven Leistungen ein jahrelanger Prozess ist: „Die Eltern müssen Orientierung geben: Es sollte handyfreie Zeiten geben, zum Beispiel beim Essen oder das Verbot, Handy und Tablets mit ins Bett zu nehmen. Ein Fernseher hat im Kinderzimmer nichts verloren, sonst fehlt die Kontrolle. Der Umgang mit digitalen Medien erfordert eine gewisse Reife.“ Mittermaier betont, sehr auf Erholung und Ausgleich zu achten, indem man Kontakte pflegt, sich viel in der Natur aufhält und Hobbys ausübt.

Soziale Netzwerke machen vielen Druck

Über Whats-App, Facebook und andere soziale Netzwerke werden grundsätzlich urmenschliche Bedürfnisse befriedigt: „Informationsaustausch und Bewertungen sowie der damit verbundene Aufbau eines guten Rufes sind für viele ganz wichtig. Gerade für Jugendliche ist das Dazugehören zu einer Gruppe bedeutsam und sie wollen sich gegenseitig bewerten. Im Gegensatz dazu steht der Ausschluss aus einer sozialen Gruppe und führt zur Außenseiterrolle“, so Mittermaier. Auch Betriebe stehen enorm unter Zeitdruck in der Bearbeitung: „Wenn du heute eine Mail drei Tage lang nicht beantwortest, glaubt der andere, sie ist im Spam-Ordner gelandet. Betriebe können sich hier durch automatisch generierte Antworten abhelfen, damit der Kunde weiß, seine Mail wurde gelesen und sein Anliegen wird bearbeitet oder geben auch auf der Homepage Auskunft, wenn Betriebsurlaub ist oder andere technische Umstellungen erfolgen. 

Hilfe für Internetsüchtige und Angehörige

Mit 22. März wurde erstmals in Oberösterreich eine ambulante Therapiegruppe für Internetsüchtige in Linz gegründet, die Beratung und Behandlung von Internetsucht bietet und ein Angebot für Betroffene und Angehörige darstellt (www.promenteooe.at/spielsucht; Tel.: 05768087-39571)
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