04.04.2017, 10:22 Uhr

"Laufen zu können, ist ein Privileg", sagt Philipp Grill

Eindrücke der Weltreise (Foto: Foto: www.liana.at)

Seit drei Jahren läuft Philipp Grill jeden Tag mindestens acht Kilometer – egal, ob in Europa oder Afrika.

ROHRBACH-BERG (anh). 5.21 Uhr. Der Wecker läutet. Philipp Grill schüttelt die Müdigkeit ab, greift nach seinen Laufschuhen und läuft kurze Zeit später mit der aufgehenden Sonne um die Wette. Laufen, das ist für ihn längst vom "Müssen" zum "Dürfen" geworden, vom Fitnessstimulator zum Privileg. Seit drei Jahren schlüpft der Rohrbach-Berger jeden Tag in seine Turnschuhe und macht täglich mindestens acht Kilometer gut.

Event verlieh ihm Flügel

Den Stein ins Rollen bzw. Laufen brachte seine Mutter. "Du warst auch schon einmal fitter", warf sie ihm vor. Das ließ der Web Projektmanager nicht lange auf sich sitzen und nahm den Kampf mit seinem inneren Schweinehund auf. "Das Sich-Zeit-Nehmen für den Sport war am Anfang eines der schwierigsten Dinge", stellt er rückblickend fest. Doch ein besonderer Event verlieh ihm sprichwörtlich Flügel: "Im Jänner meldete ich mich mit Arbeitskollegen für den 'Wings for Life World Run' an und um vorbereitet zu sein, lief ich bis dahin jeden Tag." Bei diesem weltweiten Lauf zugunsten der Rückenmarksforschung, an dem auch Rollstuhlfahrer teilnehmen, gibt es für die Athleten keine vorgegebene Distanz, sondern 30 Minuten nach dem Start fährt ein Auto die Strecke ab. Überholte Teilnehmer sind aus dem Rennen, bis nur noch ein Sieger übrig bleibt. Grill schaffte 40 Kilometer – so weit war er noch nie zuvor gelaufen. Eigentlich wäre damit sein Ziel erreicht gewesen. Doch es kam anders: "Dieser Event hat mir vor Augen geführt, was für ein Privileg es ist, laufen zu können. Andere würden alles dafür geben, um laufen oder einen Berg besteigen zu können und wir tun es einfach nicht, weil es anstrengend und mit Aufwand verbunden ist", stellte der 29-Jährige fest.

Laufen wie Forrest

Daher war auch dann nicht Schluss – nein, der Motivierte war tags darauf erneut gemütlich in der Botanik unterwegs – trotz Muskelkater – und erhielt so seine Laufroutine aufrecht. Beim nächsten "Wings For Life World Run" ein Jahr später knackte der Rohrbach-Berger sogar die 44-Kilometer-Marke. "Das hätte dann wirklich mein letzter Lauf-Tag sein sollen", erinnert er sich, denn dann brachen er und seine Begleiterin Elisabeth zu einer Weltreise auf. Doch auch in Afrika, Amerika, Australien und auf den Fijis konnte Grill die Finger nicht von seinen Laufschuhen lassen. Zwei der größten Herausforderungen waren für ihn dabei die Hitze Hawaiis und die Höhenmeter Perus, einer der schönsten Momente, als Kinder in einem Ort an der Grenze zwischen Botswana und Südafrika mit ihm mitliefen. So kam es, dass sich der Mühlviertler den Spitznamen "Forrest Gump" einhandelte – nach dem cineastischen Antihelden, der eines Tages ebenfalls einfach losgelaufen ist. Die Frage, wann er denn mit der Lauferei aufhören würde, wurde indes in seinem Bekanntenkreis immer lauter. "Deswegen fand ich heraus, wie lange Forrest Gump eigentlich gelaufen ist." Die Antwort: 1172 Tage. Dies wurde zugleich auch Grills Antwort. Nach 17 Ländern, in denen er gelaufen ist, und 16 Paar Laufschuhen, hat er dieses Ziel im März erreicht. Doch wie könnte es auch anders sein: Grill ist nicht wie Forrest Gump stehen geblieben, sondern läuft noch immer. Mittlerweile stellt der Sport für ihn keine allzu große Challenge mehr dar, eine andere gibt es aber noch: "Die eine Frau zu finden und sie bis an ihr Lebensende glücklich zu machen."

Zur Sache

Mehr über Philipp Grills Weltreise: http://www.liana.at

0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.