16.01.2018, 11:02 Uhr

Das Laufen gibt dem Schleusenwärter Berge

"Zu 95 Prozent schaffe ich es, mit einem Lächeln über die Ziellinie zu gehen", sagt Markus Kirschner.

Markus Kirschner ist Trailläufer aus Leidenschaft.

ST. MARTIN (gawe). Ein Blick auf die Waage: Der Zeiger schien defekt, blieb erst bei 108,5 Kilogramm stehen. So reifte bei „Kirschi“ vor zehn Jahren der Entschluss: „In meinem Leben muss sich von Grund auf etwas ändern.“ Gesagt – getan. „Ich habe mir ein Rad gekauft und bin Rennen gefahren.“ Allerdings wurde dem gelernten Werkzeugmacher dann „vor lauter Radfahren etwas langweilig“. Der Pesenbachlauf 2009 brachte die Wende: „He, das wäre was für mich, meine Sportart“. Gleich darauf versuchte er sich beim ersten Marathon. In einer Zeit von 3:07 Stunden verlief diese Premiere noch etwas holprig, weil er sich falsch ernährt hatte. Zwei Monate drauf: Thermenlauf (D) 2:52 Stunden. Noch einmal zwei Monate drauf blieb die Uhr beim Linz-Marathon bereits nach 2:46 Stunden stehen. Der Zeiger auf der Waage hatte ebenfalls seine Position geändert: 68 Kilogramm war die neue Botschaft. 40 Kilogramm weniger waren geschafft.

Laufen quer durchs Gelände

Irgendwann genügte es ihm nicht mehr, einfach in der Ebene zu laufen. Abseits befestigter Wege, einfach durchs Gelände, war die neue Herausforderung. Die neue Sportart: Trailrunning. „Du kannst die Ruhe genießen, die Veränderungen in der Natur in den verschiedenen Jahreszeiten beobachten, befreist dich von stressigen Gedanken, lernst deine körperlichen Grenzen kennen und vergisst einfach einmal den Alltag“, beschreibt Markus seine Gefühle beim Laufen. Mittlerweile genügen Distanzen von 42 Kilometer wie beim Marathon nicht mehr – Ultratrail ist angesagt.

Stockerlplätze bei vielen Rennen

Als größten Erfolg seiner Karriere sieht der 34-Jährige seinen Top 20-Platz beim Madeira Ultratrail. 115 Kilometer geht es quer über die Insel. 6.800 Höhenmeter geben der Strecke die richtige Würze, 20:58 Stunden verbrachte er in den Laufschuhen. Erfrischend war heuer die Teilnahme am Engadiner Swim Run in der Schweiz. Die insgesamt 53 Kilometer lange Strecke teilt sich in 47,5 Kilometer Laufen und 5,5 Kilometer Schwimmen auf. Bei Wassertemperaturen von zwölf Grad eine recht kühle Angelegenheit. Heuer war der Ausnahmesportler auch einer von etwa 1.000 Startern beim Eiger Ultra Trail (102 km, verschärft mit 7.000 Höhenmetern): Nach 16:14 Stunden sah er das Zielband. Seine längste Distanz überhaupt legte der schnelle Mühlviertler beim Benfizlauf in Irdning zurück: 190 Kilometer. Dagegen war der Transalpinlauf von Deutschland nach Italien (320 Kilometer in sieben Etappen) eher „eine Art Wellnessurlaub.“ In Italien, beim Lavaredo Ultratrail gab es auch einen Rückschlag: „Beim Bergablaufen habe ich die Muskeln überdehnt“ – die Folgen: Ein Muskelbündeleinriss.

„Durchhänger gibt es bei jedem Rennen“

„Ich kenne das Höhenprofil der Strecke. Kann mir die Kraft einteilen und schaue auch darauf, nicht auf das Essen zu vergessen“, schildert der Extremsportler diese Momente der Schwäche: „Sie kommen immer, bei jedem Rennen, meist eher zum Schluss.“ Seine Strategie dagegen: „Du redest dir alles schön. Sind es noch 20 Kilometer, sagst du dir: dass sind nur noch viermal fünf Kilometer.“ Schließlich, kurz vor dem Ziel: „Glückshormone rauschen durch den Körper. Du hast es geschafft. Wahrscheinlich ähnelt das dem Zustand, als hättest du Rauschgift genommen. Du willst es immer wieder erleben.“ Noch schöner: Freundin Marina wartet im Ziel auf ihn.

Training – Weg in die Arbeit ohne Auto

Sein Vorteil: Er ist Schleusenwärter im Kraftwerk Ottensheim und läuft täglich in die Arbeit und nach Hause (= zweimal 25 Kilometer).
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