19.03.2017, 13:24 Uhr

Warum die Stadt die Horte als Auslaufmodell sieht

Wollen sukzessive die Horte auf Stätten für schulische Tagesbetreuung umstellen: Vizebgm. Anja Hagenauer und Jutta Kodat.

An den städtischen Pflichtschulen soll es bis 2022 nur mehr eine Form der Nachmittagsbetreuung geben.

SALZBURG (lg). Die Horte in der Stadt Salzburg sollen bald der Vergangenheit angehören. Stattdessen soll in den nächsten Jahren sukzessive die schulische Tagesbetreuung ausgebaut werden. "Wir werden in den nächsten Jahren unsere 15 Horte in Stätten für schulische Tagesbetreuung umwandeln. Damit soll auch die bisherige Zweigleisigkeit unterschiedlicher Systeme ein Ende haben", betonte Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer, die darauf verweist, dass das auch im Parteienübereinkommen aus dem Jahr 2014 so vereinbart wurde. Derzeit werden beide Systeme angeboten. In der schulischen Tagesbetreuung sind rund 2.300 Kinder an 30 Standorten, in den 15 Horten sind es 650 Kinder. Für die Horte gibt die Stadt pro Jahr 2,3 Millionen Euro aus, für die schulische Tagesbetreuung sind es 2,7 Millionen Euro.

Eigene Küche im Hort

Während Horte die Aufgabe haben, die familiäre und schulische Erziehung zu ergänzen, ist die schulische Tagesbetreuung viel enger auf den Lehrplan und Lernmotivation ausgerichtet. Die Kinder sollen bis 16 Uhr anwesend sein. "Natürlich gibt es immer Gründe, warum ein Kind früher abgeholt wird, aber das sollte nicht die Regel sein. Schließlich leidet dann die pädagogische Qualität darunter", ergänzt Jutta Kodat, Amtsleiterin für Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Anders als in den Hortküchen, wo täglich frisch gekocht wird, kommt das Essen in der schulischen Tagesbetreuung tiefgekühlt. Grund für das "Auslaufmodell Horte" ist laut Kodat auch die schwierige Personalsituation. "Das Fehlen von Hortnerinnen führt zu einer Verlagerung Richtung Lehrer. Diese nutzen den Hort häufig nur als Zwischenstopp zum Warten auf eine entsprechende Stelle. Allein von Jahresbeginn 2016 bis 2017 mussten in den städtischen Horten 18 Kündigungen verkraftet werden."

Vier Millionen Euro investieren

In einem ersten Schritt wird die Stadt vier Millionen Euro in bauliche und haustechnische Adaptierungen für schulische Tagesbetreuung investieren, wie etwa Speisesäle, Aufbereitungsküchen und Freizeiträume. So können etwa beim Hort Aiglhof zwar die Räumlichkeiten später für Elementarpädagogik genutzt werden, ein Speisesaal, eine Aufbereitungsküche sowie Freizeiträumlichkeiten müssen aber erst geschaffen werden. Kostenpunkt: rund 864.000 Euro. Ähnlich sieht es bei den Horten Parsch und Itzling aus.

Flexibilität beibehalten

Die ÖVP betont, dass "weniger das Etikett als der Inhalt zählt. Es bedarf einer Investitionsoffensive in die Schulen. Zudem muss ein unbürokratisches Fernbleiben wie im Hort weiterhin möglich sein", betont ÖVP-Bildungssprecherin Delfa Kosic. Kritik kommt von der Bürgerliste: "Im Gegensatz zur schulischen Tagesbetreuung haben die Horte auch in den Ferien geöffnet und haben flexiblere Öffnungszeiten. Außerdem wird hier frisch gekocht. Es muss einfach weiterhin die Wahlmöglichkeit für Eltern geben; wenn man Horte auflässt, ist das ein Rückschritt", so Bürgerliste-GR Ulrike Saghi. Auch die Neos fordern „die Beibehaltung der Flexibilität des Hort-Systems."

Lesen Sie dazu auch den aktuellen Wochenkommentar

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