Natalie Hangöbl im Interview
Die Ärmsten zahlen die Zeche
- Natalie Hangöbl will sich auch in Zukunft für die Salzburger Bevölkerung einsetzen und jenen eine Lobby geben, die im Landtag nicht immer gehört werden.
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Für Natalie Hangöbl, Klubobfrau der KPÖ PLUS im Salzburger Landtag, war 2025 ein Jahr, das vor allem eines gezeigt hat: Gespart wird dort, wo es für viele Menschen besonders weh tut. Im Gespräch mit MeinBezirk zieht sie eine klare Bilanz – und formuliert ebenso klare politische Schwerpunkte für 2026.
SALZBURG. Das beherrschende Thema des Jahres sind für Hangöbl die aktuellen und angekündigten Einschnitte im Landesbudget. Betroffen seien Pflegegeld, Elternbeiträge in der Kinderbetreuung, der Heizkostenzuschuss, Sozialvereine sowie die Kinder- und Jugendhilfe. „Die schwarz-blaue Landesregierung streicht vor allem bei denjenigen, die ohnehin nicht viel haben“, kritisiert sie. Für zehntausende Menschen in Salzburg seien diese Entscheidungen im Alltag unmittelbar spürbar.
„Privilegien bleiben unangetastet“
Die wichtigste politische Lehre aus 2025 ist für Hangöbl eindeutig: Wenn es um die breite Mehrheit der Bevölkerung gehe, werde rasch der Rotstift angesetzt, während andere verschont bleiben.
„Die Privilegien der eigenen Klientel bleiben unangetastet“, sagt sie. Eine zentrale Aufgabe für 2026 sieht sie darin, diese Schieflage noch deutlicher sichtbar zu machen und öffentlich zu thematisieren.
Wohnen als Schlüsselfrage
Einen klaren Schwerpunkt setzt die KPÖ PLUS weiterhin in der Wohnpolitik. Hangöbl fordert einen eindeutigen Vorrang für den geförderten Mietwohnbau. Selbst viele ÖVP-Bürgermeister würden inzwischen erkennen, dass ohne leistbare Mieten nichts gehe. Umso unverständlicher sei es für sie, dass im Mietwohnbau 13 Millionen Euro gekürzt würden, während Eigentumsförderungen für Wohlhabende ausgebaut werden. „Wer die Wohnpolitik der letzten 15 Jahre einfach fortführt, darf sich nicht wundern, wenn Wohnen immer teurer wird“, warnt sie.
- Landtag Salzburg, Natalie Hangöbl, KPÖ plus
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Auch bundespolitisch sieht Hangöbl Nachholbedarf. Der von der Bundesregierung präsentierte Mietendeckel sei „eine Mogelpackung“. Ein wirksamer Deckel müsse alle Bereiche umfassen, sonst lasse sich die Wohnungskrise nicht entschärfen.
Pflegekürzungen als falsches Signal
Besonders scharf kritisiert die Klubobfrau die Einschnitte im Pflegebereich. Dass Pflegerinnen und Pflegern ein Teil ihres Lohns gestrichen werden soll, sei „inakzeptabel jetzt und auch im Sommer“. Wer einen Pflegenotstand verhindern wolle, müsse diese Entscheidung zurücknehmen. Gleichzeitig fordert Hangöbl eine gerechtere Finanzierung öffentlicher Aufgaben: Während Gemeinden, Länder und Bund sparen, blieben Vermögens- und Erbschaftssteuern tabu.
„Es kann nicht sein, dass nur die arbeitenden Menschen für die Krise zahlen. Alle müssen einen Beitrag leisten.“ Natalie Hangöbl
Hohe Mieten schaden auch dem Wirtschaftsstandort
Die Wohnkosten seien längst auch ein wirtschaftliches Problem, betont Hangöbl. Eine von der Arbeiterkammer beauftragte WIFO-Studie zeigt klar, dass explodierende Mieten dem Standort Salzburg schaden.
„Wenn mehr als die Hälfte des Einkommens fürs Wohnen draufgeht, ist es kein Wunder, dass niemand hier leben und arbeiten will.“ Natalie Hangöbl
Wer dem Arbeitskräftemangel begegnen wolle, müsse daher zuerst die Wohnkosten senken.
Lebensqualität als Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit
Bei Themen wie Digitalisierung, Mobilität und Energie verweist Hangöbl auf einen ganzheitlichen Ansatz. Wettbewerbsfähigkeit entstehe nicht allein durch Förderungen, sondern durch gute Lebensbedingungen: leistbares Wohnen, verlässliche Infrastruktur, ausreichende Kinderbetreuung und Schulen sowie ein vielfältiges kulturelles Angebot. Einen wichtigen Hebel sieht sie bei der Salzburg AG. Statt hohe Dividenden ins Landesbudget abzuführen, sollte das Unternehmen in eine gemeinnützige Struktur überführt werden, um die Bevölkerung direkt zu entlasten.
Politik mit direktem Kontakt zu den Menschen
Um Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen, setzt die KPÖ PLUS auf einen bewusst anderen Zugang. Ihre Mandatar:innen behalten von ihren Politikergehältern nur einen durchschnittlichen Facharbeiterlohn, der Rest wird weitergegeben.
„Allein heuer waren es über 180.000 Euro, mit denen wir hunderte Salzburgerinnen und Salzburger unterstützen konnten“, berichtet Hangöbl. Die zahlreichen persönlichen Kontakte aus den Sprechstunden seien eine wichtige Grundlage für ihre politische Arbeit.
Klare Linie für 2026
Für das kommende Jahr kündigt Natalie Hangöbl an, diesen Kurs konsequent fortzusetzen: laut gegen soziale Kürzungen, klar für leistbares Wohnen und entschieden für eine stärkere Beteiligung großer Vermögen an der Finanzierung des Gemeinwesens. Politik müsse sich an jenen orientieren, „die es sich nicht richten können und sonst keine Lobby im Chiemseehof haben“.
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