SOKO Ohlsdorf hat erste Spur

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Wasserkrimi Ohlsdorf:
Erhebungsstand aus Sicht der Behörde
OHLSDORF. Im Jänner des heurigen Jahres wurde in der Gemeinde Ohlsdorf über ein Geruchs- und Geschmacksproblem geklagt, worauf die Wasserversorgung der Gemeinde umgestellt wurde. Die Umweltbehörde hat sich damit aber nicht zufrieden gegeben: Es wurde von den Landesbehörden in einem aufwändigen wissenschaftlichen Erhebungsprogramm in Zusammenarbeit mit der TU Graz die Ursache erforscht – ein Schadstoff in sehr geringer Konzentration wurde festgestellt. Dieser Geruchsstoff ist mittlerweile massiv zurück gegangen. Da dieser jedoch auch im Zusammenhang mit seltener gemessenen Pestiziden auftreten kann, wurde eine Großanalyse des Grundwassers der Region gestartet. Diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Denn als deren Ergebnis wurden hohe Pestizidkonzentrationen, vor allem von Clopyralid von den Landesbehörden im Grundwasser (nicht im Trinkwasser) aufgedeckt. Wäre dieser Auftrag nicht erteilt worden, ist nicht auszuschließen, dass die Konzentrationen jahrelang nicht entdeckt worden wären.
Da sich nach weiteren Messungen die Ergebnisse bestätigten und ein Verursachen durch eine geordnete Landwirtschaft nahezu ausgeschlossen werden konnte, wurde von der Landesbehörde im September eine Anzeige eingebracht. Seither ermitteln Landesbehörde, Umweltbehörde und Umweltkripo in enger und erfolgreicher Zusammenarbeit. In den letzten Wochen sind zentrale Aufklärungsschritte gelungen: Die Belastung wurde soweit eingegrenzt, dass der Ausgang der schweren Belastung festgestellt werden konnte. Weitere Ursachen können aber derzeit nicht völlig ausgeschlossen werden. Erste Sicherungsmaßnahmen wurden umgesetzt, um weitere Versickerungen in das Grundwasser zu unterbinden. Sanierungsmaßnahmen sind in Vorbereitung, die strafrechtlich relevanten Erhebungsschritte sind in Arbeit.

Positive Nachricht: Stand des aktuellen Trinkwasserproblems (Verkeimung) in Ohlsdorf

Die ursprünglich im Brunnen Föding nachgewiesenen mikrobiologischen Kontaminationen sind derzeit nicht mehr nachweisbar. Aktuell wird Ersatzwasser aus der WVA Laakirchen in das Leitungsnetz eingespeist. Untersuchungen an den Übergabestellen haben hier einwandfreie Trinkwasserqualität bestätigt.

Aktueller Stand mikrobiologischen Verunreinigung (Stand 3.11.2014)

Die im durch den Brunnen Föding versorgten Netzbereich nachgewiesene Verunreinigung hat auf das Leitungsnetz und den Hochbehälter durchgeschlagen – daher wurden folgende Schritte und Informationen veranlasst:
Die Abnehmer wurden über Verwendungseinschränkungen informiert
Es wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, das Wasser zu Trinkzwecken durch Abkochen brauchbar zu machen (Abkochen ist eine gängige Notmaßnahme bei mikrobiologischen Verunreinigungen).
Am Freitag (31.10.2014) wurde eine Chlordioxid – Anlage zur Chlorung des Trinkwassers installiert und in Betrieb genommen, um die mikrobiologischen Verunreinigungen im Leitungsnetz zu bekämpfen. (Dies ist eine nach lebensmittelrechtlichen Bestimmungen und der Trinkwasserverordnung zulässige Methode).
Das Untersuchungsprogramm wurde von der Trinkwasseraufsicht adaptiert, um den Verlauf beobachten zu können und Aussagen darüber erlangen zu können, wann die Notmaßnahmen wieder abgestellt werden können.
Die beiden geruchsstoffbelasteten Brunnen (Brunnen Aupointen und Sandhäuslberg) sind schon länger ausgeleitet.

Derzeit werden die Verkeimungen im Leitungsnetz und Hochbehälter mit einer Chlorung des Leitungswassers bekämpft, die Ursachenerhebungen für die mikrobiologischen Kontaminationen sind im Laufen. Sämtliche gesetzte Maßnahmen erfolgten nach den einschlägigen Bestimmungen der Trinkwasserverordnung. Die Freigabe (zur Einstellung der Notmaßnahmen) erfolgt je nach Entwicklung der Untersuchungsergebnisse, den Ergebnissen der Ursachenerhebungen bzw. deren Möglichkeiten zur Beseitigung.

Teil 2: Pestizide im Grundwasser - Aktuelle Messergebnisse:

Letzter Beprobungsdurchgang: 6.10. – 9.10.2014
Verifizierung der Messerergebnisse der Messstellen Sonden 15,16,17 am 20.10.2014 – siehe Beilagen:
Karte Asamer Ohlsdorf-Süd
Übersichtskarte der Clopyralid-Belastungen

Die letzte und damit aktuellste Beprobungsreihe vom 6.10. – 9.10.2014 zeigte keine wesentlichen Unterschiede zu der Beprobungsreihe vom September:
Das Grundwasser entlang der Traun beginnend mit der Deponie Asamer zeigt über mehrere Kilometer eine erhebliche Belastung mit Pestiziden.
Die Pestizide mit den höchsten Funden sind Clopyralid, Metribuzin und Clomazon, wobei bei diesen drei Stoffen Clopyralid die höchsten Konzentrationen aufweist und deshalb bei kartografischen Darstellungen als „Leitpestizid“ verwendet wird.
Südlich der Deponie Asamer, also im Zustrom zur Deponie, weist das Grundwasser keine Belastung mit Pestiziden auf.
Die Belastung des Grundwassers nimmt nach Norden hin ab.

Die erstmals untersuchte Sonde 16 weist extrem hohe Messwerte auf und im Zusammenhang mit den Messergebnissen der anderen Sonden im Umfeld der Deponie Asamer, die auch von anderen Laboratorien (Vergleichsmessungen) bestätigt wurden, konnte die mögliche Eintragsstelle der Pestizide auf die Deponie zurückgeführt werden. Bei der letzten Beprobungsreihe im Rahmen des Grundwassermonitorings wurde bei der Sonde 16 der Firma Asamer eine sehr hohe Belastung des Grundwassers mit Pestiziden festgestellt. Konkret wurden Metribuzin (15 µg/l), Clomazon (17 µg/l) und Clopyralid (260 µg/l), sowie diverse andere Pestizide in geringeren Konzentrationen nachgewiesen.

Am 20.10.2014 wurde zur Verifizierung dieses Messergebnisses eine weitere Beprobung der Sonde 16 durchgeführt. Das Ergebnis zeigt eine deutlich geringere aber noch immer sehr hohe Belastung des Grundwassers. Konkret wurde Metribuzin (2,4 µg/l), Clomazon (5,3 µg/l) und Clopyralid (56 µg/l) festgestellt.

Diese Ergebnisse wurden auch durch eine Analyse einer Parallelprobe im Labor von Professor Wruss bestätigt, der zusätzlich noch den Parameter Thiamethoxam (1,9 µg/l) und mehrere Metaboliten dieses Wirkstoffs bestimmte.

Trotz dieser Konzentrationsunterschiede können die extrem hohen Messergebnisse als bestätigt betrachtet werden. Auch die Leitfähigkeit des Grundwassers zeigt einen deutlichen Unterschied. Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse ist mit einem unmittelbaren Ansprechen der Beweissicherungssonden (Sonde 15,16 und 17) auf Versickerungen von Deponiersickerwasser zu rechnen, wodurch die festgestellten raschen Änderungen in der Pestizidkonzentration und in der Leitfähigkeit plausibel sind.

Untersuchungsergebnisse Deponie-Sickerwässer

Das Sickerwasser von drei der fünf Sickerwasserstränge aus dem Abschnitt 1 der Baurestmassendeponie weist nach Angaben der Betreiberin zum Teil sehr hohe Belastungen mit Clopyralid auf, die damit die festgestellten Belastungen im Grundwasser erklären. Seitens des Landes werden zur Zeit nähere Analysen der Sickerwässer durchgeführt.

Weitere Messergebnisse und mögliche Entwicklungen

Rechtsufrig der Traun (Gemeinde Laakirchen) wurden nur wenige Grundwasseraufschlüsse gefunden, die eine sinnvolle Untersuchung zulassen. Die Brunnen der Wasserversorgung Laakirchen sind unbelastet, in den Uferfiltratbrunnen der UPM (Papierfabrik) wurden Belastungen im einstelligen µg-Bereich gemessen. Nördlich der Autobahn in der Gemeinde Roitham finden sich mehrere Belastungspunkte, die bisher nördlichste Fundstelle ist der Nutzwasserbrunnen der Firma Ruttnigg (0,21 µg/l Clopyralid).

Wenn der Nachschub an Schadstoffen aus der Deponie ausbleibt, ist auf jeden Fall mit einer Verbesserung in den grundwasserstromabwärts gelegenen Messstellen zu rechnen. Allerdings kann man derzeit nicht ausschließen, dass weitere Eintragsstellen im Bereich der Betriebsstätte Asamer Ohlsdorf-Nord vorhanden sind. Diesbezüglich werden noch weitere Untersuchungen und eine hydrogeologische Erkundung durchgeführt. Diese Untersuchungen sollen auch Erkenntnisse darüber bringen, ob die Errichtung und der Betrieb eines Sperrbrunnens in diesem Bereich eine sinnvolle Sicherungsmaßnahme darstellt. Ein Sperrbrunnenbetrieb im Bereich der Betriebstätte Ohlsdorf-Süd scheint aufgrund der in Vorbereitung befindlichen Sofortmaßnahmen nicht zweckmäßig.

Chronologie der Baurestmassendeponie

Vor ca. zwei Wochen wurde durch Untersuchungen nachgewiesen, dass die seit einiger Zeit im Grundwasser gemessenen Pflanzenschutzmittel durch eine Versickerung von Deponiesickerwässern aus der Baurestmassendeponie Ohlsdorf II in das Grundwasser gelangt sind. Die Versickerung dieser Pflanzenschutzmittel ist nicht von der für die Versickerung der Deponiesickerwässer bestehenden Genehmigung umfasst. Am Freitag, 24. Oktober 2014, fand ein Lokalaugenschein durch die Behörde auf der Deponie statt, Proben der abgelagerten Abfälle wurden aus der Deponie entnommen und zur Analyse an das Landeslabor übergeben (Ergebnisse sind noch nicht vorhanden).

Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen

Es wurden folgende Maßnahmen getroffen:
Es wurde jede weitere Versickerung der kontaminierten Deponiesickerwässer bescheidmäßig untersagt und eine befristete Genehmigung zur Rückverrieselung der Deponiesickerwässer auf der Baurestmassendeponie erteilt, um das Speichervolumen kurzfristig zu erhöhen.
Gleichzeitig wurde aufgetragen, eine geordnete Reinigung bzw. Entsorgung der gesammelten kontaminierten Deponiesickerwässer unverzüglich in die Wege zu leiten.

Am Montag, den 27. Oktober 2014, fand abermals eine Besprechung bei der Firma Asamer statt, um die weitere Vorgangsweise zur möglichsten Schadensminimierung und Sanierung in die Wege zu leiten. Dabei wurden folgende Aufträge erteilt:
Erstellung eines Schadensbildes (zeitlich, räumlich, kontaminationsmäßig) bis 7. November 2014
Weitere Untersuchung der Ablagerungen und der Deponiesickerwässer
Aufbauend auf den vorstehenden Punkten – rasche Planung von Sanierungsmaßnahmen

Aktuelle Maßnahmen des Betreibers mit Zustimmung der Behörde:
Vornahme einer provisorischen Abdeckung der Baurestmassendeponie Ohlsdorf II um den Sickerwasseranfall durch Eindringen weiterer Niederschläge in die Deponie zu verringern.
Erhöhung des Speichervolumens durch Heranziehen eines weiteren Speicherbeckens.

Schließlich wurden Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Reinigung von verunreinigtem Deponiesickerwasser vor Ort mittels einer mobilen Anlage durchführen zu können.

Autor:

Kerstin Müller aus Salzkammergut

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