Asylwerber als Lehrlinge bei Reindl: Werden auch sie abgeschoben?

Günther Reindl (Mitte) mit den Lehrlingen Hekmatullah Haidari und Asef Salehi, Flüchtlingshelferin Anita Tossmann aus Peuerbach und Landesrat Rudi Anschober. Die beiden Asylwerber aus Afghanistan haben kürzlich einen negativen Bescheid erhalten.
  • Günther Reindl (Mitte) mit den Lehrlingen Hekmatullah Haidari und Asef Salehi, Flüchtlingshelferin Anita Tossmann aus Peuerbach und Landesrat Rudi Anschober. Die beiden Asylwerber aus Afghanistan haben kürzlich einen negativen Bescheid erhalten.
  • Foto: Land OÖ/Dedl
  • hochgeladen von Kathrin Schwendinger

ST. WILLIBALD. Zwei Polizisten haben Shamid R., Kochlehrling in der Stadlkirchner Hof in Dietach, Bezirk Steyr-Land, zur Mittagszeit am 5. November bei vollem Haus festgenommen und abgeführt. 58 Stunden später saß er bereits in einem Flugzeug und wurde außer Landes gebracht. Der junge Mann aus Pakistan hat 2015 seine Lehre als Koch in dem Gasthaus begonnen. Seine Abschiebung stößt auf Unverständnis. Nicht nur bei seiner Chefin, sondern auch bei Landesrat Rudi Anschober.

In einer Pressekonferenz am Freitag, 17. November, in Linz berichtete der Landesrat von diesem und ähnlichen Fällen. Wie er mitteilt, hat sich bereits die gesamte Flüchtlingsreferenten-Konferenz an die Bundesregierung gewandt. Die Forderung: "Abschiebungen für Menschen in Ausbildungen auszusetzen, zumindest bis zum Abschluss der Lehre oder Ausbildung", sagt Anschober. Zu den Betroffenen zählt auch die Firma Reindl in St. Willibald. Der Geschäftsführer des Bekleidungsherstellers, Günther Reindl, war ebenfalls Referent auf der Pressekonferenz. Wie er berichtet, haben die beiden afghanischen Lehrlinge, die seit April bei Reindl arbeiten, kürzlich einen negativen Asylbescheid erhalten. Sie gehen nun in die zweite Instanz. "Bis jetzt sind wir stolz, als Integrationsbetrieb aufzutreten. Jedoch hoffen wir, das nicht zu bereuen – etwa durch spontane Abschiebungen", sagt der Geschäftsführer. 

Dazu entschlossen, die beiden Lehrlinge Asef Salihi und Hekmarth Haidari aufzunehmen, hat sich Reindl nach einem Informationsabend von Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und AMS. Die Situation, dass in der Bekleidungsindustrie Lehrlinge Mangelware sind, sei bekannt. "Wir haben bis heute nicht bereut, diesen Schritt getan zu haben", sagt Reindl. Die beiden Lehrlinge aus Afghanistan leisten ihm zufolge gewissenhafte Arbeit und sind im Umgang mit größtenteils weiblichen Mitarbeiterinnen höflich. Der Geschäftsführer stellt den beiden auch eine fixe Anstellung nach Lehrabschluss in Aussicht – vorausgesetzt sie werden nicht abgeschoben.

Die Wahrscheinlichkeit für einen negativen Bescheid sei bei Afghanen höher als beispielsweise bei Syrern, weil sich die Fluchtgründe unterscheiden, weiß Landesrat Anschober. "Weil zurzeit viele afghanische Fälle aufgearbeitet werden, gibt es viele negative Bescheide", erklärt Anschober. „Der Wert der Integrationsleistung im Asylverfahren sollte klarer definiert werden", fügt er hinzu und erklärt: "Oberösterreich ist bei der Integration von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt auf einem sehr guten Weg. Dieses Engagement muss belohnt werden."

In Oberösterreich haben laut Anschober bereits 276 junge Asylwerber eine Lehre in einem Mangelberuf begonnen. Damit besetzt das Bundesland knapp die Hälfte aller Plätze Österreichs. Die meisten Stellen finden sich in er Gastronomie und Hotellerie. Aber auch Tischler, Friseure, Elektriker und Installateure sind unter den Lehrlingen mit Asylstatus. Der überwiegende Teil dieser Lehrlinge stammt aus Afghanistan (189 Lehrlinge). Auch 12 Mädchen sind unter den Lehrlingen.

Im Bezirk Schärding machen bereits 15 junge Asylwerber eine Lehre. Hier mehr dazu.

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