28.11.2016, 23:53 Uhr

Initiative gegen Online-Hass: Jetzt werden Opfer gesucht

Zu einem Roundtable zum Thema "Gegen Hass im Netz" lud Staatssekretärin Muna Duzdar (3. von rechts) den Organisator der Bürgerinitiative Richard Pichler (rechts) ein. (Foto: BKA)

Zwei Monate nach Start findet die Bürgerinitiative "Fakten gegen Hetze" des Schärdingers Richard Pichler im Bundeskanzleramt Gehör.

SCHÄRDING (juk). Die Bürgerinitiative des Schärdingers Richard Pichler nimmt Fahrt auf: Im September startete er die Unterschriftenaktion gegen unseriöse Berichterstattung in den Medien. Bereits am 19. Oktober konnte er eine Liste mit 850 Unterschriften an Michael Bernhard (Neos), den Vorsitzenden des parlamentarischen Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen, übergeben. Damit nimmt sich dieser Ausschuss im kommenden Jahr diesem Thema an.
Richard Pichler will vor allem der Verbreitung von Hetz-Artikeln einen Riegel vorschieben, wie er im September zur BezirksRundschau sagte.

Die Staatssekretärin für Digitalisierung, Muna Duzdar (SPÖ), hat Pichler im November an den Roundtable zum Projekt "#GegenHassimNetz" eingeladen. In kleiner Runde mit anderen Engagierten sei das Thema und was man gegen Hass im Netz tun könnte, besprochen worden. Unter anderem war eine Online-Meldestelle für Hasspostings im Gespräch. Auch an einem Vernetzungstag mit der Staatssekretärin nahm Pichler vor kurzem teil. Auf Anfrage der BezirksRundschau bekräftigte Duzdar ihre Unterstützung für die Bürgerinitiative in einem Statement: "Falschmeldungen im Internet und das damit einhergehende Schüren von Ängsten und Verunsicherung stellen eine Gefahr für die Demokratie dar. Und der Hass, der sich in sozialen Netzwerken entwickelt, hat auch negative Auswirkungen in der realen Welt, wie man an vielen Mobbingfällen erkennt. (...) Dafür braucht es die Politik, vor allem aber auch die engagierte Zivilgesellschaft." Im neuen Jahr wird sich schließlich ein Ausschuss des Nationalrates mit dem Thema beschäftigen. Eine Online-Petition kann bis dahin noch unterstützt werden.

Doch nicht nur auf politischer Ebene treibt Richard Pichler sein Herzensprojekt voran. Er sucht den Zusammenschluss mit Organisationen wie dem Roten Kreuz und der Caritas, die immer wieder unter Falschberichterstattung leiden, sowie den Kontakt zu anderen Gruppen, die sich gegen Online-Hass wehren. "Immer weiter Likes zu sammeln, bringt nix, wir wollen eine breite Diskussion anstoßen.", so der Schärdinger. Im Zusammenschluss könne man besser agieren, Argumente und aktuelle Fälle austauschen. Geplant sind deshalb auch Podiumsdiskussionen, die erste davon findet am 1. Dezember in Neos Lab in Wien statt, unter anderem mit Peter Parcycek (Uni Krems), Claudia Garad (Geschäftsführerin Open Data Oberösterreich). Eine weitere Veranstaltung soll im April im Sankt Franziskushaus in Ried folgen.

Pichler selbst auf der Anklagebank


Zudem wurde neben der Bürgerinitiative ein Verein "Fakten statt Hetze" gegründet. Er soll die BI begleiten und Opfern von Hass-Postings rechtlichen Beistand bei Klagen ermöglichen. Beistand wie ihn Pichler selbst auch braucht - er ist aufgrund seiner Aktivitäten in einen Rechtsstreit verwickelt. Ein Medienverlag hat ihn verklagt, weil man sich dort zu Unrecht mit dem Vorwurf häufiger Falschberichterstattung konfrontiert sieht. Mitte Dezember muss Pichler zu einem nächsten Termin nach Ried.
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