20.04.2017, 00:00 Uhr

Babypause für den Papa: Die Männer freut's, die Chefs weniger

Georg Schreiner aus Brunnenthal war zwei Monate lang bei Sohn Lorenz daheim. "Ich würd's wieder in Väterkarenz gehen", sagt er zur BezirksRundschau. (Foto: Schreiner)

Väterkarenz. Immer mehr Männer kommen auf den Geschmack – oft zum Unmut der Arbeitgeber.

TAUFKIRCHEN, BRUNNENTHAL (ska). "Manche haben mich schief angeschaut", erzählt Georg Schreiner. Verwunderte Blicke inklusive. "Aber grundsätzlich wurde es positiv angenommen." Der junge Vater aus Brunnenthal war von Dezember bis Februar in Karenz. In diesen zwei Monaten hat er sich intensiv um Sohn Lorenz gekümmert, der zu der Zeit genau ein Jahr alt war. Mama Silvia ging Vollzeit arbeiten.

Seit 1990 ist das Väterkarenzgesetz in Kraft. Wie es aus der Arbeiterkammer heißt, steige die gesellschaftliche Akzeptanz seither stetig an. Und das bewirke, dass auch die Firmen dafür sensibilisiert werden. "Die anfängliche Ablehnung der Betriebe gegen die Väterkarenz hat zwar etwas abgenommen", sagt Wolfgang Schwarz, Leiter der Arbeiterkammer in Schärding. "Von einer Kooperationsbereitschaft sind wir aber noch weit entfernt."


Haberl: "Ich bin kein Freund davon"

Auch Schreiners Chef Thomas Haberl ist kein Freund der Väterkarenz, wie er offen zugibt. "Für einen Betrieb mit unserer Größe ist das ein Wahnsinn, vor allem im Sommer bei Baustellenbetrieb und Urlaubszeit." Elektrotechnik Haberl in Taufkirchen beschäftigt 14 Mitarbeiter. "Fehlt einer, reißt das schon eine Lücke rein", ist Haberl überzeugt. Trotzdem hat er Georg Schreiner und einem weiteren Monteur ermöglicht, in Karenz zu gehen. "Weil ich was auf meine Mitarbeiter halte", sagt er.


Zwei Waizenauer-Poliere in Karenz: "Wertschätzung langjähriger Mitarbeiter"

Dass die Väterkarenz in der Baubranche eine Herausforderung ist, weiß auch Doris Vitale, Geschäftsführerin von Waizenauer und Ing. Schummer in Taufkirchen: "Wir müssen Fachkräfte durch Leasing-Personal ersetzen, was eigentlich nicht unserer Firmenphilosophie entspricht", sagt sie. Und: Speziell in der Führungsebene sei die Väterkarenz ein Problem. "Neue Arbeitskräfte können nicht so schnell eingelernt werden", erklärt Vitale. Väterkarenz zu gewähren, sieht sie als Wertschätzung gegenüber langjährigen Mitarbeitern.

So haben zwei Waizenauer-Poliere bereits eine "Babypause" eingelegt. Einer davon ist Ernst Has aus Taufkirchen. Und er hat das Angebot auf ungewöhnliche Weise genutzt – nämlich zum Hausbauen. "2008 war ich sechs Monate in Karenz. In dieser Zeit hatten wir eine Riesen-Baustelle zu Hause", berichtet er. Der kleine Felix verbrachte die Vormittage bei der Oma. Mama Alexandra ging ihrer Arbeit als Lehrerin nach.

Beim zweiten Kind, Moritz, kam eine Karenz für Has gar nicht mehr in Frage. Vor der Vorstellung, sich allein um einen Säugling zu kümmern, hat er Respekt. "In dieser Zeit ist die Mama einfach die Nummer Eins", sagt er.

Viel Zeit fürs Papa-Sein für Georg Schreiner aus Brunnenthal

Georg Schreiner aus Brunnenthal hingegen hat das Papa-Sein während der Karenzzeit sehr genossen, wie er erzählt. Die Bindung, die zwischen seinem Sohn und ihm entstanden ist, möchte der 33-Jährige nicht missen. "Man kennt das doch: Von der Arbeit kommt man um 18 Uhr heim, isst kurz was und dann muss der Kleine schon ins Bett." Ob er auch Windeln wechseln müsse, haben Bekannte ihn gefragt. Da musste der Brunnenthaler schmunzeln: "Diese Aufgabe haben meine Frau und ich uns sowieso von Anfang an geteilt." Nur am lieben Geld hätte die Väterkarenz für Georg Schreiner scheitern können. "Die Gehälter meiner Frau und mir halten sich die Waage. Wär das nicht der Fall, hätten wir es uns sicher nochmal überlegt."

Zur Sache: Die Väterkarenz

Eine Väterkarenz kann – ebenso wie die Karenz der Mutter – bis zum Ablauf des zweiten Lebensjahres des Kindes in Anspruch genommen werden. Vater und Mutter können nicht gleichzeitig in Karenz sein. Ausnahme ist die Möglichkeit, beim Wechsel der Karenz einen Monat lang zusammen beim Kind zuhause zu sein.

Besteht der Wunsch in Karenz zu gehen, muss der Vater das seinem Arbeitgeber mitteilen. Zu beachten ist, dass die Karenz mindestens zwei Monate betragen muss. Wichtig bei Väterkarenz: Der Kündigungs- und Entlassungsschutz beginnt frühestens vier Monate vor Antritt der Karenz, nicht jedoch vor der Geburt des Kindes. Der Zeitpunkt der Mitteilung an den Arbeitgeber ist daher sorgsam zu wählen.

Seit 1. März 2017 gibt's den sogenannten Familienzeitbonus: Das ist eine Geldleistung für erwerbstätige Väter unmittelbar nach der Geburt des Kindes in der Höhe von 22,60 Euro. Dieser soll ermöglichen, dass sich die Väter in dieser Zeit ausschließlich der Familie widmen können. Er muss innerhalb von 91 Tagen ab der Geburt in Anspruch genommen werden und steht dem Vater für 28 bis 31 Tage zu. Rechtsanspruch auf den Familienzeitbonus besteht keiner. Deshalb bedarf es auch hier einer Abstimmung mit dem Arbeitgeber.
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