Energie/Versorgung
Zillertal: Grundwasser als Schatz für die Zukunft
- Rupert Ebenbichler (Geschäftsführer Energieagentur Tirol), Sandra Petersmann (Projektleiterin Energieagentur Tirol), Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler, Hans Jörg Moigg (Bürgermeister Mayrhofen) und Dr. Stefan Wildt (Stellvertreter des Vorstands der Abteilung Wasserwirtschaft Land Tirol) vor der sechsten von zehn Bohrstellen in Mayrhofen.
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Das Tiroler Grundwasser ist eine zuverlässige und erneuerbare Energiequelle, ideal zum Heizen und Kühlen von Gebäuden. Das Zillertal, mit seinen reichen Grundwasservorkommen, ist ein perfekter Standort für Grundwasserwärmepumpen. In den letzten Jahren wurden bereits detaillierte Grundwasserschichtenpläne für das vordere und mittlere Zillertal erstellt.
MAYRHOFEN (red). Nun folgt das hintere Zillertal im dritten und letzten Projektabschnitt. Von April bis Juli 2025 werden zehn Grundwassersonden zwischen Zell am Ziller und Mayrhofen errichtet, um den Grundwasserstrom zu erfassen und eine einheitliche Datengrundlage für zukünftige Grundwasserwärmepumpen zu schaffen.
Hohe Energieeffizienz und geringe Betriebskosten
"Mit der Grundlagenerhebung im hinteren Zillertal bieten wir Bauleuten eine Entscheidungshilfe bei der Wahl ihres künftigen Heiz- und Kühlsystems. Die durchgehenden Grundwasserschichtenpläne zeigen schnell, ob die Nutzung des Grundwassers infrage kommt und wirtschaftlich ist. Ende 2024 waren tirolweit 1.655 Grundwasserwärmepumpen in Betrieb, davon 184 im Bezirk Schwaz und 96 in den Gemeindegebieten von Strass bis Mayrhofen", erklärt LHStv. und Energielandesrat Josef Geisler.
Grundwasserwärmepumpen bieten entscheidende Vorteile: Sie nutzen die konstanten Temperaturen des Grundwasserstroms und liefern auch im Winter zuverlässig erneuerbare Energie. Neben hoher Energieeffizienz überzeugen sie durch geringe Betriebs- und Wartungskosten und die Möglichkeit zum Kühlen. Besonders geeignet sind sie für größere Gebäude, gewerbliche Nutzung oder Mikronetze zur Versorgung mehrerer Gebäude.
Hans Jörg Moigg, Bürgermeister von Mayrhofen, freut sich, Teil dieses Vorzeigeprojekts zu sein. Mayrhofen stellt wie weitere Gemeinden und Privatpersonen Grundstücke für die Bohrungen und die Errichtung von Grundwassersonden zur Verfügung.
Datengrundlage von Zell am Ziller bis Mayrhofen
"Ziel der insgesamt 290 Bohrmeter an zehn Positionen ist es, die Tiefe des Grundwasserkörpers und die Schwankungsbreite des Grundwasserspiegels zu ermitteln. Zudem können die Grundwassertemperatur, das hydraulische Gefälle und die Quantität der Grundwasserströmung gemessen werden. Diese Daten erleichtern die Planung von Heiz- und Kühlanlagen und dienen der nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Grundwasser in Tirol", erklärt Dr. Stefan Wildt, Stellvertreter des Vorstands der Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Tirol.
"Insgesamt stehen mit den bestehenden Sonden rund 40 Messstellen zur Verfügung, die die Basis für zukünftige Messungen bilden. In Hippach wird die Energie aus dem Grundwasserstrom bereits erfolgreich genutzt: Im Sommer versorgt eine Grundwasserwärmepumpe das Freizeitzentrum, im Winter das Schulgebäude mit erneuerbarer Energie", erklärt Rupert Ebenbichler, der Geschäftsführer der Energieagentur Tirol
Von den zehn Grundwassersonden im hinteren Zillertal sind fünf fertiggestellt, in Mayrhofen laufen aktuell die Bohrungen für die sechste. Voraussichtlich im Juli werden die Bohrarbeiten abgeschlossen und die Messungen bis zum kommenden Frühjahr durchgeführt. Die Veröffentlichung der ausgewerteten Daten für das hintere Zillertal ist für 2026 geplant. Die Ergebnisse der Grundwasserbeobachtungen für das vordere und mittlere Zillertal sind bereits jetzt im Tiroler Rauminformationssystem TIRIS unter maps.tirol.gv.at im Themenbaum „Wasser“ unter „Wasserversorgung, Grundwassernutzung“ dargestellt.
Gemeinsam zur Energieautonomie
Die Nutzung von Grundwasser zum Heizen und Kühlen von Gebäuden ist nicht nur ressourcenschonend, sondern auch eine echte Alternative zu fossilen Heizsystemen. Nach der Errichtung der Anlage kann die Energie aus dem Grundwasser nachhaltig genutzt werden. Bis 2050 soll der gesamte Energiebedarf in Tirol vollständig aus heimischen und erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden. Grundwasserwärmepumpen leisten hier einen wichtigen Beitrag. Um den Einsatz von Wärmepumpen noch attraktiver zu machen, bietet das Land Tirol interessante Fördermöglichkeiten über die Wohnbauförderung und eine eigene Impulsförderung. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite der Energieagentur Tirol unter: foerderungen.energieagentur.tirol
Factbox
Ende 2024 waren tirolweit 1.655 Grundwasserwärmepumpen in Betrieb, davon 184 im Bezirk Schwaz und 96 in den Gemeindegebieten von Strass bis Mayrhofen. Der Grundwasserstrom im südlichen Gemeindegebiet von Mayrhofen befindet sich circa 40 bis 60 Meter unter dem Gelände, im nördlichen Gemeindegebiet verringert sich der Abstand auf knapp 19 Meter. Talauswärts (bis Strass) befindet er sich sogar knapp unter dem Gelände. Geringere Bohrtiefen machen die Erschließung zur thermischen Nutzung des Grundwassers nicht nur einfacher, sondern auch kostengünstiger.
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