Blasmusik im Festspielhaus Niederösterreich
Die Wahrnehmung hat sich verändert
- Viel Jubel und Applaus gab es im Festspielhaus für die Thomas Gansch Blasmusik Supergroup.
- Foto: Lukas Beck
- hochgeladen von Petra Ortner
St. Pölten. Thomas Gansch gastierte am 26. April im Festpielhaus Niederösterreich mit seiner Blasmusik Supergroup und begeisterte das ausverkaufte Haus.
In seiner Blasmusik Supergroup vereint er das Who Is Who der Blasmusikszene. Das derzeitige Programm setzt sich zusammen aus Eigenkompositionen, traditioneller Blasmusik und Filmmusik. Der Auftritt im Festspielhaus sorgte beim altersmäßig gut durchmischten Publikum für viel Jubel und Applaus.
Trompete: Jörg Brohm, Peter Fliecher, Christoph Moschberger
Flügelhorn: Thomas Gansch, Christoph Haider-Kroiss, Sebastian Höglauer, Franz Tröster
Klarinette: Fidelis Edelmann, Michael Gruber, Johann Hindler
Posaune: Bernhard Holl, Philipp Fellner, Gerhard Füßl
Tenorhorn: Carsten Ebbinghaus, Alois Eberl, Dominik Stöger, Thomas Zsivkovits
Tuba: Stefan Huber, Albert Wieder
Schlagzeug: Holger Müller
Vor dem Auftritt konnte Petra Ortner noch mit Thomas Gansch über seine aktuelle Gruppe, das Programm und die Schwierigkeiten, die es zu meistern gibt, sprechen.
Wann hattest du die Idee die Blasmusik Supergroup zu gründen und wie hast du deine Mitmusiker gefunden?
Die Idee habe ich immer schon mit mir herumgeschleppt, weil mein Vater ein irrsinniger Blasmusik-Nerd war. Also genau die Musiktradition, von der ausgehend wir arbeiten. Und ich habe immer schon den Traum gehabt, mir einmal die bestmögliche Partie zusammenzustellen, um genau so eine Musik zu spielen. Ich habe die Leute dann einfach angerufen und mit Albert, dem Tuba-Spieler, darüber beraten, wer für welche Besetzung der Beste ist.
Kann man die Gruppe als eine Art von „back to the roots“-Projekt bezeichnen? Oder sehe ich das falsch?
Ich weiß nicht, ob es „back to the roots“ ist, aber es ist einfach Blasmusik. Mit allen ihren Nebeneffekten. Ein interessanter Aspekt ist es, dass mein Manager jetzt ganz glücklich ist, weil die ganzen Blechbläser Menschen sind, die selbständig lebensfähig sind. (lacht) Wo er in anderen Besetzungen oft sehr viele, sagen wir einmal, „begleiten“ musste. Wir haben dann wieder andere chaotische Momente, aber es ist sehr bodenständig und unkompliziert. Würde ich sagen.
Das Programm heißt „Blasmusik goes Hollywood“, oder spielt ihr bereits etwas anderes?
Nein, aber es ändert sich immer wieder ein wenig. Wir haben einen Schwerpunkt auf Filmmusik im Programm drinnen. Der Titel wird wahrscheinlich nächstes Jahr verschwinden und einen anderen Schwerpunkt einbauen. Aber Filmmusik kommt schon immer ein wenig dazu, weil das auch so eine Leidenschaft von mir ist.
Gibt es Stücke, die da besonders herausfordernd sind und welche zum Beispiel?
Ja, alle! (lachen) Also die ganzen Star Wars-Sachen. Das ist einfach extrem schwer, sehr anspruchsvoll. Das ist ein ziemliches Himmelfahrtskommando teilweise. Da haut man sich halt irgendwie durch. Es macht aber auch großen Spaß. Das Asteroidenfeld von Star Wars, zum Beispiel, ist eine heftige Nummer.
Das Programm beinhaltet also auch klassische Blasmusik. Was darf man noch erwarten?
Es gibt klassische Blasmusik, es gibt ein wenig Filmmusik und Eigenkompositionen. Daraus setzt sich ein sehr guter, homogener Abend zusammen. Wie oft haben wir jetzt gespielt? Fünf, sechs Mal? Und es war eigentlich immer super. Hat immer großen Spaß gemacht.
Im ersten Teil ist der Focus eher auf der Blasmusik, auf der traditionellen. Und im zweiten eher auf der Filmmusik.
Traditionelle Blasmusik und Volksmusik erleben jetzt wieder einen Boom, sind wieder „am Kommen“. Was denkst du, was dahintersteckt?
Also das war nie weg. Nur zu meiner Zeit, also vor 30 Jahren, hat die Welt anders ausgesehen. Auch bei uns. Da war noch ganz viel von der Volksmusik irgendwie noch sehr verstaubt. Entweder im sehr traditionalistischen Eck, oder auch im „rechten Eck“. Ich habe dann durch meine Arbeit mit Mnozil Brass sehr viel – also wir haben das – dazu beigetragen, dass sich da was tut. Die Wahrnehmung der Blasmusik hat sich im Laufe der Zeit dann verändert. Über drei Jahrzehnte. Jetzt gibt es inzwischen das „Woodstock der Blasmusik“ und solche Festivals, die einfach riesig sind. Dort geht es nur um Blasmusik – und alle feiern das ziemlich. Das hat Vor- und Nachteile. Also ich habe mich als Kind noch geschämt, wenn mich meine Schulkollegen in der „Musi-Tracht“ gesehen haben. Und ich glaube, das ist heute ganz anders. Da gibt es ein ganz anderes Selbstbewusstsein. Aber das, was wir spielen, wird eigentlich sonst nicht gespielt. Die Ausgangsmusik von meiner Band ist die Musik des Tschechischen Zentralorchester. Die Militärmusik in Prag. Das kommt aus der großen tschechischen Tradition von Smetana und Dvořák. Julius Fučík ist da so eine Figur. Und dann gibt es eine irrsinnig tolle Qualität an symphonischer Blasmusik, die aber sehr anspruchsvoll ist und deshalb kaum gespielt wird. Das findest du heutzutage bei anderen Gruppen nicht.
Du dirigierst, während du gleichzeitig auch Trompete spielst. Wie machst du es, dass du da nicht drauskommst?
Ich darf nicht zu viel trinken, dann geht es. (lacht) Also beim DOSENBIER muss man sich zurückhalten (ein Facebook-Insider-Witz der Redakteurin - Anm. d. Red.).
Im Ernst, ich bin es schon gewohnt immer wieder einmal Einsätze zu geben. Bei Mnozil Brass mach ich das immer wieder. Nur bei einer so großen Partie muss man ab und zu mit einer Hand wirklich deutlich dirigieren. Aber es geht sich ganz gut aus. Es kann dabei natürlich auch einmal was schiefgehen, aber wir kennen uns jetzt schon so gut und sind so gut zusammengespielt, dass das dann auch funktioniert.
Bis Juni 2027 sind bereits Konzerte mit dieser Formation fixiert. Gibt es da einen Ort, auf den du dich schon besonders freust?
Das hatten wir gerade. Wir haben eben in Berlin in der Philharmonie gespielt, was ein richtiger Tempel ist. Das war superschön. Auch in München in der Isar-Philharmonie haben wir gespielt. Die war voll! Das war super. Es kommen immer wieder solche Venues. Die Blasmusik, die wir da spielen, hat eine wirklich hohe Qualität – und mir ist es wichtig, dass sie in guten Konzertsälen gespielt wird. Und darum gefällt mir das so, dass das funktioniert. Das „Woodstock“ ist gut und schön, aber da sind alle verstärkt und es ist mehr so eine „Party-Partie“. Dort geht es nicht ums Zuhören. Darum taugt mir das so, dass wir diese Musik in die ehrwürdigen Hallen bringt und dass man ein wenig dieses Naserümpfen wegbringt von denen, die sonst Klassik-Veranstaltungen machen. Auch das Klassik-Publikum kann dann sehen „Ah, das ist auch was…!“
Du bist extrem viel unterwegs. Auch mit deinen anderen Formationen. Wie machst du es, dich zwischendurch zu erholen und Kraft zu tanken?
Das frage ich mich auch immer wieder. Ich versuche es irgendwie „auszujonglieren“. Es ist schwer. Aber man schaut, immer wieder Phasen einzubauen, in denen man besonders gut auf sich schaut. Wo man nichts trinkt, und viel schläft. Aber das ist in diesem Beruf ein Spießrutenlauf.
Du bist ja jeden Tag wo anders. Da muss man hinfahren, Soundcheck und so weiter.
Nun gut. Jetzt bin ich 50. Jetzt muss ich sowieso anders arbeiten. Ich kann nicht mehr Party machen und dann am nächsten Tag wieder normal funktionieren. Also diese Zeiten sind vorbei. Ich muss inzwischen darauf aufpassen rechtzeitig ins Bett zu kommen, damit ich genug Schlaf bekomme und ich am nächsten Tag wieder fit genug bin. Regeneration wird immer wichtiger. Und rechtzeitig schlafen gehen ist am gescheitesten. Wenn das nicht so schwer wäre mit dieser Band. Denn mit denen macht es so viel Spaß, das Aufbleiben. Und nachdem ich nur Sachen mache, die ich mir selbst ausgedacht habe, spiele ich nur in Sachen, die mir Spaß machen und das macht die ganze Sache schwierig.
Solang es Spaß macht, ist es ja auch ok, nicht?
Solang man feiert, weil es schön ist, ist es gut. Wenn man feiert, damit es schön wird, ist es nicht gut. Das ist die goldene Regel, die ich für mich aufgestellt habe.
Vielen Dank für das Gespräch!
Links:
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