Aliens in St. Pölten gelandet

Irmgard Schnederle inmitten von Drüsigem Springkraut.
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ST. PÖLTEN (bt). Japanischer Staudenknöterich, indisches Springkraut oder amerikanische Goldrute. Viele eingeschleppte Pflanzenarten vermehren sich explosionsartig und verdrängen heimische Arten. Die Bezirksblätter haben sich im Bezirk St. Pölten umgesehen, wo die Aliens schon gelandet sind und was dagegen unternommen wird.

Neophyten sind überall

Bei einem Spaziergang entlang der Traisen oder an den Seen besticht die Pflanzenwelt mit ihrer Vielfalt, Schönheit und Farbenpracht. Doch was da für den Laien so schön leuchtet, ist Pflanzenkundlern ein Dorn im Auge. Viele Gewächse, die hier so prächtig gedeihen, sind sogenannte Neophyten. Also Arten, die bei uns ursprünglich nicht heimisch waren. Ihre Ausbreitung ist "flächendeckend", so Bezirksförster Josef Kimmeswenger. "Die verschiedenen Neophyten sind unterschiedlich zu bewerten und zu behandeln", meint Ingrid Leutgeb-Born, Leiterin der Abteilung Umweltschutz – Lebensraum der Stadt St. Pölten.

Heimische Arten in Gefahr

Fünf der sieben eingeschleppten Pflanzen, die in St. Pölten Stadt und Land schon entdeckt wurden, gefährden "nur" einheimische Arten. "Knöterich und Springkraut breiten sich entlang Bachläufen am meisten aus. Wenn wir jetzt eine Aufforstung machen, pflanzen wir einen Baum mit 15 Zentimeter. Der Knöterich daneben wird aber drei Meter hoch. Dann haben wir große Probleme das nachgepflanzte Bäumchen fortzubringen", erklärt Bezirksförster Kimmeswenger die Problematik. Das Springkraut bedroht konkret Fichte, Tanne und Lärche.
Die Goldrute hingegen bevorzugt eher trockenere Standorte in den Auen und breitet sich auch entlang von Verkehrswegen, Straßen und Schienen aus.
 

Aliens belasten auch uns Menschen

"Staudenknöterich, Drüsiges Springkraut und Goldrute haben sich in den letzten Jahren zwar flächenmäßig ausgebreitet, haben aber für Menschen keine unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen wie zum Beispiel der Riesen-Bärenklau und das Beifußblättrige Traubenkraut oder Ragweed", sagt Ingrid Leutgeb-Born.
"Der Ragweed produziert eines der stärksten Allergene für den Menschen. Das fängt jetzt an und geht bis in den Oktober", ergänzt Kimmeswenger. Zu finden ist die Pionierpflanze auch auf schlechten Böden.

Riesen-Bärenklau bei Tageslicht gefährlich

Eine besondere Gefahr ist der Riesen-Bärenklau, denn sein Pflanzensaft kann in Verbindung mit Sonnenlicht Hautschädigungen verursachen. "Die Verletzungen schauen schirch aus. Das sind so Blasen, die sehen aus wie eine ganz schlimme Verbrennung", mahnt der Bezirksförster zur Vorsicht. "Entfernung idealerweise vor der Blüte und nicht bei Sonnenschein und mit Schutzkleidung", appelliert auch Abteilungsleiterin Leutgeb-Born. Dazu muss die Knolle zu 2/3 ausgestochen werden. Einzelpflanzen im Stadtgebiet mussten in den vergangenen Jahren vom Traisenwasserverband, vom Gärtnereibetrieb der Stadt St. Pölten und von der Jägerschaft entfernt werden.

Götterbaum nährt Schmetterling

Die Aliens unter den Bäumen heißen Robinie und Götterbaum. Die Robinie reichert den Boden mit Stickstoff an und ist besonders in selten gewordenen Halbtrocken- und Trockenrasen ein Problem, weil sie die Artenzusammensetzung ändert.
Götterbäume breiten sich am Hang von Viehofen bis Unterradlberg aus, dort wo der bisherige Baumbestand im Wald geschlägert wurde. Er keimt aber auch im Stadtgebiet in Mauer und Pflasterritzen und kann dadurch Schäden hervorrufen. "Aber ohne Götterbaum kein Ailanthus Spinner", so Leutgeb-Born, denn der große exotisch aussehende Schmetterling ernährt sich von den Blättern des Götterbaums.
Einzelne Bäume können durch „unvollständiges Ringeln“ bekämpft werden.

"Ausweglose Situation"

"Der Zug ist schon lange abgefahren", gesteht Kimmeswenger. Nur mit massivstem Aufwand können die Neophyten noch bekämpft werden, doch den Behörden fehle die gesetzliche Handhabe.
Wenn die nicht bald etwas unternehmen und sehen, wie gefährlich diese Pflanzen sind, etwa für die Brennnessel, die wir dringend brauchen, dann frage ich mich, für was die Leute bezahlt werden", ärgert sich die St. Pöltnerin Irmgard Schnederle. Sie berichtet von vom Knöterich überwucherten Wiesen, freut sich aber auch über kleine Erfolge: "Bei meinen Radtouren entlang am Traisenweg und an unseren Seen sowie auch am Donauradweg hat man dem Springkraut den Kampf angesagt."

Zur Sache: Tipps zur Bekämpfung

- Pflanzen vor der Blüte entfernen
- Keine Gartenabfälle in naturnahe Bereiche wie Wiesen, Waldränder, Auen und Uferböschungen von Gewässern bringen - Samen verbreiten sich explosionsartig und schwimmen kilometerweit
- Vermeidung offener Böden
- Bepflanzung mit heimischen Arten
- Regelmäßige Kontrollen
- Bei Erstauftritt sofort Bekämpfungsmaßnahmen setzen
- Kontrolle und Reinigung von Werkzeug und Reifenprofilen wegen Gefahr der Verschleppung
- Herkunft von Erdmaterialien nachfragen
- Ausbreitungstendenzen von neuen Gartenpflanzen beobachten
- Erdtransporte im Zuge von Bautätigkeiten tragen zur Verbreitung von Neophyten bei.
- Offene Böden nach Baustellen erleichtern die Ansiedlung von Neophyten
- Falls Sie Riesen-Bärenklau oder Ragweed im Stadtgebiet St. Pöltens entdecken, können Sie den genauen Standort unter umweltschutz@st-poelten.gv.at melden

Autor:

Bettina Talkner aus Gmünd

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