100 Jahre Sportschuld
Niederösterreicher löst Versprechen in Monte Carlo endlich ein
- "Bei der Zielankunft könnte man auf die Uhr sehen und sagen: Rückstand 100 Jahre", so Robert Krickl.
- Foto: Robert Krickl
- hochgeladen von Tanja Handlfinger
Robert Krickl im MeinBezirk-Interview: 100 Jahre Sportschuld wird eingelöst.
ZENTRALRAUM/ST. PÖLTEN. Robert Krickl hat etwas Großes vor: Mit dem Oldtimer "Avis" Type 3 - Made in Niederösterreich, gebaut in den "Avis"-Werken in Brunn am Gebirge - macht er sich am 25. August um 9.30 Uhr vom Museum Niederösterreich auf den Weg nach Monaco. Im Interview mit MeinBezirk erzählt er, warum er die 120 Kilometer weite Fahrt auf sich nimmt.
Warum ist diese Fahrt nach 100 Jahren eine „offene Sportschuld"?
1926 trat unter großem Aufsehen erstmals ein Werksteam aus Österreich zur berühmten Rallye Monte Carlo an. Das war genau mit einem solchen Fahrzeug, wie wir es jetzt erstmals in diesem Jahrtausend fahrtauglich gemacht haben. Aufgrund meterhoch aufgetürmten Schnees in den Alpen mussten sie damals aufgeben. Das Versprechen, einen "Avis" nach Monte Carlo zu bringen, wurde 100 Jahre nicht eingelöst. Es geht um die nationale Ehre - und Österreicher halten ihr Versprechen.
Was bedeutet das für Sie?
Es ist wohl das größte Abenteuer meines Lebens, wobei ich mich sehr freue, es gemeinsam mit meiner Familie in Angriff zu nehmen. Bei mir persönlich steht dabei ganz das Andenken an die zu Unrecht vergessenen heimischen Pioniere der Technik-Geschichte, der hohe Symbolwert und die damit verbundenen Botschaften im Vordergrund. Auch die damit verbundene Forschung, technische Machbarkeitsstudien und die Sammlung und Archivierung von Zeitzeugnissen sind wichtige Anliegen.
Was ist die größte Herausforderung mit einem 100 Jahre alten Auto?
Die Organisationsarbeit ist enorm. Technisch ist das Temperaturmanagement wahrscheinlich am heikelsten - aber wir hoffen, mit einem guten Plan das im Griff zu haben. Der herausforderndste Teil der Strecke liegt gleich am Anfang: der Anstieg zum Semmering-Pass. Dort wird es dann auch eine Station mit der offiziellen Verabschiedung aus NÖ geben.
Wie bereiten Sie den „Avis" auf die lange Reise vor?
Es musste viel gearbeitet, erprobt und kontrolliert werden. Wir haben versucht, so viele Testkilometer wie möglich abzuspulen, auch unter "Stressbedingungen", wie bei den Temperaturen dieses Sommers. Bisher hatten wir mit modernen Apps von überwachenden Sensoren größere Probleme als mit 100 Jahre alter Mechanik.
Was sollen die Menschen von dieser Reise mitnehmen?
Bei der "Mission Monte Carlo 26" geht es mir nicht um das Abenteuer, sondern um die Wissensvermittlung. Auf der Strecke wird regelmäßig Halt gemacht, um die Öffentlichkeit zur Information und Interaktion einzuladen. Es wird ein "rollendes Pop-up-Museum", bei dem man über historische Mobilität und Heimatgeschichte lernen kann. Zudem steht die Mission unter dem Leitmotiv Frieden. Dies passt zum Namen der Automarke "Avis" - das lateinische Wort für Vogel. Als internationales Symbol des Friedens werden wir auf der Strecke mit Besucher Origami-Kraniche falten - am Ende soll daraus eine künstlerische Installation entstehen, auf der man sich verewigen kann. Wir freuen uns über möglichst viele Eintragungen ins Logbuch der Mission, das bei jedem Stopp aufliegt. Nach dem Projekt wird es einer Langzeitarchivierung zugeführt und so hoffentlich möglichst viele wertvolle Zeitzeugnisse für die Zukunft überliefern.
Wird der „Avis" die historische Ziellinie der Rallye Monte Carlo besuchen?
Ja, tatsächlich wird er am 9. September genau dort sein. Es gibt einen Empfang durch den Automobile Club de Monaco. Dabei wird er auch auf den Straßen des Formel1-Kurses fahren. Wie wir gerade erfahren haben, ist es uns eine riesengroße Ehre, dass das Automobilmuseum ersten Weltrangs La Collection de S.A.S. le Prince de Monaco das Fahrzeug während seines Aufenthalts in Monaco ausstellen wird - zwischen dem Auto von Grace Kelly und Formel1-Boliden wird es auch hier einem internationalen Publikum von Niederösterreich und der reichen heimischen Geschichte erzählen.
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