17.08.2017, 23:51 Uhr

FH St. Pölten beim Ars-Electronica-Festival

Matthias Zeppelzauer, leitender Forscher der Gruppe Media Computing. (Foto: FH St. Pölten / Kraus)

Projekt SoniControl zeigt, wie ungewolltes Audiotracking durch Smartphones funktioniert und geblockt werden kann.

ST. PÖLTEN (red). Die permanente Vernetzung mobiler Endgeräte kann die Privatsphäre der Benutzer gefährden und zu neuen Formen der Überwachung führen. Zum Beispiel kann ein Fernseher während eines Werbespots unhörbare akustische Signale („akustische Cookies“) aussenden. Mobile Endgeräte in der Umgebung nehmen diese Signale auf, dekodieren sie und senden über das Internet Informationen an den Sender des Signals zurück. So lässt sich feststellen, dass der Fernseher und das Mobilgerät derselben Person gehören und welche Werbung gerade gesehen wird. Dies ermöglicht das Erfassen von User-Verhalten, ähnlich wie es mit Cookies im Webbereich seit Langem betrieben wird, jedoch über mehrere Geräte hinweg und ohne das Wissen der Nutzer.
„Mit dem Projekt SoniControl wollen wir Bewusstsein für akustisches Tracking schaffen und die Privatsphäre durch Erkennen und Filtern von akustischen Cookies gezielt schützen“, sagt Matthias Zeppelzauer, Senior Researcher der Forschungsgruppe Media Computing am Institut für Creative\Media/Technologies der FH St. Pölten.

Maskieren mit Störgeräuschen

Im Projekt SoniControl entwickelt Zeppelzauer mit den Kollegen Peter Kopciak, Kevin Pirner Florian Taurer und Alexis Ringot eine mobile Anwendung, die akustische Cookies aufspürt, Nutzer darauf aufmerksam macht und auf Wunsch das Tracking blockiert.
„Wir nutzen Signalverarbeitungsmethoden zum Erkennen akustischer Cookies. Zur Maskierung werden Störsignale über den Lautsprecher des Mobilgeräts gesendet. So könnten akustische Cookies effektiv und mit hoher Verlässlichkeit neutralisiert werden, bevor das Betriebssystem oder mobile Applikationen darauf zugreifen können“, erklärt Zeppelzauer. Das ermöglicht Benutzer, Cookies selektiv zu blockieren ohne die Funktionsweise des Smartphones zu beeinträchtigen.
Die für Menschen unhörbare Maskierung der Cookies erfolgt mittels Ultraschall. „Es gibt derzeit keine Technologie am Markt, die akustische Cookies erkennen und blockieren kann. Die in diesem Projekt entwickelte Applikation repräsentiert den ersten Ansatz, Menschen die Kontrolle über diese Art des Trackings und über die Nutzung dieses neuen Informationskanals zu geben. Wir möchten ein stärkeres Bewusstsein für diese Technologie bei den Nutzern schaffen und damit den Grundstein für einen verantwortungsvollen Umgang mit dieser neuen Technologie legen“, sagt Zeppelzauer.

Forschung Open Source

Sämtliche Projektergebnisse und die Applikation werden nach Abschluss des geförderten Projekts öffentlich zur Verfügung gestellt. Das System ist somit für jeden direkt nutzbar und erweiterbar. Die Applikation soll auch im Google Play Store zur Verfügung gestellt werden. Sämtliche Projektergebnisse werden unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht.

Zur Sache

Begriffserklärungen: Tracking - Bearbeitungschritte zur Verfolgung von (beweglichen) Objekten; Applikation - Anwendungssoftware/Computerprogramm; Cookies - kurze Texinformationen die von Websiten gespeichert werden; Senior Researcher - leitender Forscher;

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