16.11.2016, 08:41 Uhr

Zoofachhändler fror lebende Mäuse ein

Verteidiger Christian Függer (Foto: Probst)

Kratzspuren an der Plastikbox zeugen davon, dass die Mäuse keinesfalls behutsam eingeschlafen sein können.

ST. PÖLTEN (ip). Es muss für die Mäuse ein besonders qualvoller Tod gewesen sein, meinte der St. Pöltner Staatsanwalt Karl Fischer. Kratzspuren an der Plastikbox, in der sich die lebenden Tiere befanden, seien ein Zeichen dafür, dass die Mäuse beim Einfrieren keinesfalls behutsam eingeschlafen seien, wie die Betreiber des Geschäfts im Mostviertel ihren Angestellten weisgemacht haben sollen.

Freund führte Austrag aus

„Ich hab mir gedacht, dass man den Tieren so was nicht antun kann“, erklärte eine ehemalige Angestellte der Tierhandlung. Die 22-Jährige hatte Angst um ihren Job und bat daher ihren Freund, der ebenfalls dort beschäftigt war, ihren Auftrag auszuführen.

Annahme: "Übliche Art des Tötens"

„Sie waren also der Meinung, Männer bringen das leichter übers Herz als Frauen“, resümierte Richter Markus Grünberger. „Ja“, erwiderte die Beschuldigte und meinte, dass die Mäuse schon sehr schwach, möglicherweise auch krank gewesen seien.
„Ich war der Annahme, dass die Filiale streng nach den Gesetzen arbeite“, gab der mitangeklagte Freund zu Protokoll. Von den Vorgesetzten habe er gehört, dass diese Art des Tötens durchaus üblich und schmerzfrei sei, verteidigte sich der 20-Jährige.

Nachfrage an gefrorenen Futtertieren

Es habe eine Nachfrage nach eingefrorenen Mäusen gegeben, sagte schließlich eine weitere Angestellte. Ein Kunde habe behauptet, dass eine Maus seine Schlange angeknabbert habe, weshalb er keine Lebendtiere mehr füttere.
Verteidiger Christian Függer erklärte zur Aussage seiner Mandantin, dass diese niemals selbst auf die Idee gekommen wäre, von den Betreibern, denen der Prozess noch bevorsteht, aber ebenfalls auf die besonders behutsame Tötungsart hingewiesen worden sei.
„Ich gehe bei Ihnen nicht von einer schweren Schuld aus“, erklärte Grünberger und bot den drei Beschuldigten eine Diversion in Form einer einjährigen Probezeit an. Danach werde das Verfahren gänzlich eingestellt. Zur Erleichterung des Trios war auch der Staatsanwalt mit dieser Lösung einverstanden.
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