"Waren auf Krieg nicht vorbereitet"

Foto: Privatarchiv Brunnthaler
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BEZIRK. "Man hat nicht gewusst, wie es weitergeht. Die jahrhundertealte Monarchie ist zerfallen. Einen Kaiser gibt es nicht mehr. Tausende Männer sind im Krieg gefallen. Es gab keine Perspektiven", sagt der Steyrer Heimatforscher Wolfgang Hack. In der Gesellschaft hatte sich das Bild der Familien gedreht. Vor dem Krieg mussten Frauen nicht arbeiten. Während des Weltkriegs aber schon. Die Kinder wuchsen großteils selbstständig auf und wurden für Sammlungen oder zur Krankenpflege eingespannt. "Als die Männer vom Krieg heimkamen, fanden sie eine neue Situation vor. Frau und Kinder waren selbstständig und er ist eigentlich der Verlierer. Dazu kam, dass viele Soldaten Alkoholiker waren. Das war eine sehr schwierige soziale Situation", so Hack.

Aus für Waffenproduktion

Lebensmittel wurden rationiert oder es wurde auf Ersatznahrung wie Zichorienkaffee zurückgegriffen. Wohnungsnot und mangelnde Hygiene standen damals an der Tagesordnung. Gebadet wurde nur einmal in der Woche. Eine Familie wohnte mit zehn Kindern in zwei Räumen. Hinzu kamen Krankheiten, wie im Winter 1918 die spanische Grippe und Tuberkulose. Das Kriegsende traf die Steyr Werke besonders hart. Mit dem Frieden von Saint Germain 1919 wurde in Österreich die Waffenproduktion verboten. Während des Weltkriegs stieg die Zahl der Arbeiter auf 14.000 an. Bis zu 4000 Gewehre, Gewehrbestandteile und Maschinengewehre wurden am Tag erzeugt. Mit Ende des Krieges stand die Fabrik praktisch still. "Schon 1916 hat man in den Steyr Werken begonnen, als Ersatz für die Waffen, Fahrzeuge zu produzieren. Nur konnte sich ein Auto damals keiner leisten", erklärt Hack.

Alles für die Front

"Die Stimmung war ziemlich schlecht. Die Versorgunglage katastrophal. Die Bevölkerung hat schon lange an Hunger gelitten", beschreibt Adolf Brunnthaler, Lehrer aus Weyer die Situation im Ennstal. Es gab Lebensmittel- und Brotkarten. Aber das reichte hinten und vorne nicht aus. "Die Leute hatten zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel". Aber auch an Arbeitskraft fehlt es hinten und vorne. "Alle Männer waren eingerückt. Speziell in der Landwirtschaft fehlte es an Arbeitern. Das mussten die Frauen übernehmen", so Brunnthaler.

Zerstörte Persönlichkeit

Kriegsgefangene gab es zwar, die konnten aber nicht zur Arbeit eingesetzt werden. "Im Hintergebirge gab es zu der Zeit eine große Menge an Holz, das nicht aufgearbeitet werden konnte. Holzarbeit ist sehr schwer und das schafften sie nicht. Über eine Million Festmeter an Holz konnte nicht aufgearbeitet werden. Hinzu kam dann noch eine Borkenkäferplage. Das war der Anlass zum Bau der Waldbahn, vorerst von Reichraming nach Brunnbach".
Österreichische Kriegsgefangene, die nur langsam nach Hause kamen, waren psychisch schwerst geschädigt. "Sogenannte Kriegszitterer waren damals keine Seltenheit", so Brunnthaler. Die Folgen: Verhärtete Persönlichkeitsbilder und zerstörte Persönlichkeiten. "Sie waren auf diesen Krieg nicht vorbereitet. Die Soldaten an der Front hatten keine ordentliche Ausstattung. Die Männer sind beispielsweise mit normalen Kapperln in den Krieg gezogen. Einen Stahlhelm gab es erst viel später".

Foto: Privatarchiv Brunnthaler
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