"Beim Essen kemmen die Leit zamm" – Grenzenlos gschmackig

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WIPPTAL (cia). Viel mehr als ein Kochbuch ist "Beim Essen kemmen die Leit zåmm", das am 29. November um 17 Uhr im „Lager“ vinothek Nagele öffentlich vorgestellt wird. Es verbindet Literatur und Fotokunst, Kochen und Integration. In stimmungsvollen Bildern unterstreicht Lisa Wöss die Texte von Thomas Schafferer zu den einzelnen KöchInnen und Rezepten. So wird der Genuss im Wipptal zum Gesamtkunstwerk – ein interkulturelles Lese-Foto-Koch-Buch.

Ideen- und HerausgeberInnen des Buchs sind die Jugendplattform Next um Patrick Geir und Victoria Hörtnagl und die Genussspechte Wipptal um Haubenköchin Gabi Gatscher. Der Titel des Buches "Beim Essen kemmen die Leit zamm" ist Programm. Denn beim gemeinsamen Essen lernt man sich näher kennen. Genau deshalb stammen von den 28 Rezepten von 28 im Wipptal lebenden Personen die Hälfte von Zuwanderern aus der ganzen Welt. Chile und Australien sind dabei ebenso vertreten wie Serbien oder der Libanon.

Entstanden ist das Projekt in mehreren Gesprächen, die Next-Initiator Patrick Geir geführt hat. So wurden die Ideen, die bei der Flüchtlingsausstellung im Haus St. Michael, bei diversen Essen und Treffen gewälzt wurden, immer mehr zu einem Gesamtbild. Neben dem integrativen soll es auch einen weiteren guten Zweck erfüllen: der gesamte Gewinn, der aus dem Verkauf der 1500 Bücher erzielt wird, soll an den Wipptalfonds des Sozialsprengels gehen.

Mit freundlicher Genehmigung dürfen die BEZIRKSBLÄTTER exklusiv zwei Rezepte und deren Begleittexte veröffentlichen:

Gabi Gatscher

Aus dem Trentino kam er. Der Vater. Starb als sie zehn war. Als sie fünfzehn war die Mutter. In Gries. Hauste sie dann allein. Ihre Schwestern waren schon ausgezogen. Von der Waisenrente ging sich nicht viel aus. Manchmal eine Pizza. Grillwurst mit Pommes. In der Mitte des Monats nur mehr Brot mit Senf. Weil kein Geld mehr da war. Und sie nicht kochen konnte. Obwohl sie es wollte. So sehr wollte. Versuchte ein Kotelett aufzutauen. Im Nylonsackerl an Schuhlitzen. Über Wasserdampf. Als sie es zu klopfen begann, brach das Brett. Da das Fleisch noch gefroren war. Sie briet es zu Tode. Gab Kapern und Maresi dazu. Und fand es widerlich. Reichte es dem Hund, der es auch verschmähte. Doch wollte so gerne kochen können. Eines Tages. Nahm Gabi ein Kochbuch und begann. Kochte einfach. Immer mehr. Auch für Gäste. Brachte Menschen an einen Tisch. Die miteinander aßen, tranken, sprachen. Die sie verwöhnte. Als Gasthauskind. Hatte sie das Gespür. Die Intuition dafür. Doch machte beruflich andere Dinge. Hunderttausende. Bevor sie endlich hineintappte. Vor fünfzehn Jahren. In die Pumafalle. Um sich zu entfalten. Experimentierfreudig als Querkocherin. Hochwertig, regional, saisonal. Alles verwertend. „Schafln“, die nur „Berggrasln“ kauen. Und Wiesenblumen. Um lukullische Gemälde zu malen. Kreativ den Gaumen zu inspirieren. Um einzuladen. Gemeinsam über den Kochtopfrand hinaus zu blicken.

„Bauernbratl vom Gschnitzer Berglamm“

Zutaten
Lammfleisch (vorzugsweise vom Schlögel und pro Person ca. 20 Deka), Erdäpfel, Karotten, Sellerie (pro Person ca. 10 Deka), Senf (vorzugsweise Dijon-Senf), Thymian, Salz, Pfeffer, Knoblauch (nicht sparen), 1 Liter Weißwein oder Prosecco

Zubereitung
Fleisch mit Gewürzen einreiben. Erdäpfel, Karotten und Sellerie schälen und in ca. 1 cm große Würfel oder längliche Schiffchen schneiden. Fleisch in der Pfanne gut anbraten (nicht zu heiß, damit der Knoblauch nicht verbrennt und bitter schmeckt) – Gemüse dazugeben, etwas durchrösten und anschließend mit etwas Suppenwürze und Weißwein aufgießen. In einen Bräter geben und im Rohr bei ca. 200 Grad 2,5 bis 3 Stunden langsam schmoren lassen. Das Fleisch sollte auf dem Gemüse liegen und das Gemüse schön im Saft garen.

Tipp: Übriggebliebenes Lammfleisch eignet sich besonders gut für ein Gröstl, dann allerdings mit Thymian und Knoblauch verfeinern.

Emine Roth

Fünfunddreißig Grad Celsius. Die Sonne. Der Sommer. Am ägäischen Meer. Der riesige Hafen. Die drittgrößte Stadt der Türkei. Beton und Hektik. Unzählige Menschen. Drei, vier Millionen. Der Lärm. Asphalt und Verkehr. Emine geht zur Schule. In Izmir. Und der Imam ist in Ohnmacht gefallen. Dem Vorbeter hat ein Melanzani-Gericht dermaßen gut geschmeckt, dass er aus den Schuhen gekippt ist. In der Zeit des Osmanischen Reiches. Zumindest der Legende nach. Und schon ihre griechische Großmutter kochte es. Auch Emine lernte die Zubereitung. Sobald sie Löffel und Messer halten konnte. Diese gefüllte, geschmorte Speise. Dieses kulinarische Gefühl des Zuhauseseins. Als die Familie zusammenkam. Gemeinsam kochte und aß. Sich das Neueste des Tages erzählte. Nicht nur in Izmir. Auch in Jenbach. Wo die Familie lebte. Vorher. Bis Emine vier Jahre alt war. Und nachher. Als sie dort Deutsch zu lernen begann. Mit sechzehn. Auf eigene Faust, um sich wehren zu können. Im Gastgewerbe. Als sie auszog, um ihren eigenen Weg zu gehen. Zu snowboarden. Zu wandern auf die Berge. In ihre geliebte Natur. Über blühende Wiesen. An kleine Teiche, um Libellen zu beobachten. In den Wald, um Pilze zu sammeln. Im Wipptal. Ihrem neuen Zuhause. Wohin es sie verschlagen hatte. Vor dreizehn Jahren. Durch Zufall. Den es vielleicht gar nicht gibt.

„Imam Bayildi (Der ohnmächtige Imam)“

Zutaten
4 Auberginen, 250g Hackfleisch, Olivenöl, 4 Tomaten, 4 Zwiebeln, 6 Knoblauch-Zehen, 50g Pinienkerne, 2 Peperoni, Zucker, Salz, Pfeffer, Oregano, Rosmarin, Thymian, Petersilie

Zubereitung
Hackfleisch in etwas Olivenöl scharf anbraten. Zwiebel, Peperoni und Knoblauch zugeben und kurz mit anschwitzen, dann mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken. Anschließend die Tomaten hinzufügen und 10 Minuten köcheln lassen, damit die Flüssigkeit verdampft. Am Ende noch Petersilie, Oregano, Rosmarin, Thymian, geröstete Pinienkerne zufügen. Auberginen waschen und streifig abschälen, halbieren und auf der Schnittseite ein paar Mal der Länge nach einritzen. In Olivenöl goldbraun braten und mit Salz und Pfeffer würzen. Auberginen ins Backblech legen, mit der Mischung füllen und mit Olivenöl beträufeln. Im Backofen bei 200 Grad ca. 30 Minuten überbacken.

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