Windpark Mislkopf
Navis stimmt ab – Sind Windräder im Wipptal wirklich unerwünscht?
- Die Betreiber sehen in der Windkraft auch "eine Chance für die Gemeinde und die Region".
- Foto: Müller
- hochgeladen von Michaela Müller
Wie es aussieht, wird es zur angekündigten Volksbefragung kommen. Im Vorfeld ist ein Bürgerdialog mit der Gemeinde Navis geplant.
NAVIS. Nicht alle Wipptaler Bürgermeister sind grundlegend gegen (lukrative) Windkraftanlagen in ihren Gemeinden. So wie der Naviser Bgm. Lukas Peer. Im nördlichen Wipptal ist das Projekt in seiner Gemeinde aktuell am konkretesten: Im Bereich Mislkopf könnten neun Windräder entstehen. Seit einigen Monaten laufen dort Windmessungen auf Privatgrund. "Die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend und bilden eine erste Grundlage für die weitere Potenzialeinschätzung des Standorts. Neben den Windbedingungen ist die Beurteilung der technischen, ökologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen auch hier grundsätzlich positive Voraussetzungen. Auf dieser Basis werden wir die mögliche Nutzung der Windenergie am Mislkopf weiter vertiefen", informiert Projektenwickler Philipp Lamprecht von der Windkraft Simonsfeld AG mit Sitz in Ernstbrunn (NÖ).
Projekt geht in nächste Runde
Die Windräder würden auf besagtem Privatgrund und Grund der Naviser Gemeindegutsagrargemeinschaft errichtet. "Alle Flächen befinden sich außerhalb von Schutzgebieten, der Bau der Zufahrtswege etc. wäre relativ einfach und die Gemeinde hätte zusätzliche Einnahmen von rund 180.000 Euro pro Jahr. Die Bevölkerung würde von günstigeren Strompreisen profitieren und vielleicht gäbe es noch weitere Zuckerln für die Einheimischen", präzisiert Peer. Die Windkraft Simonsfeld AG bestätigt das: "Entscheidend ist für uns, dass ein möglicher Nutzen auch vor Ort wirksam wird." Bis zur Umsetzung ist es freilich noch ein langer Weg – und das Vorhaben wird vermutlich auch auf Kritik stoßen. Daher möchten der Ortschef und der Stromversorger die Naviser aktiv in die Entscheidungsfindung miteinbinden.
Volksbefragung kommt
Im ersten Schritt sollen die Information und der Dialog mit der Bevölkerung ausgeweitet werden: "Gemeinsam mit der Gemeinde Navis und der Energieagentur Tirol bereiten wir einen Bürgerdialog vor", so Lamprecht. In weiterer Folge soll es dann laut Peer zur bereits in Aussicht gestellten Volksbefragung kommen. Wann diese stattfinden könnte, ist noch unklar. Unklar ist auch, ob die Naviser Gemeindeführung deren Ergebnis als bindend ansieht – was sie rein rechtlich nicht muss. Dazu will sich der Ortschef auch noch nicht festlegen: "Ein klares Votum würde ich als bindend erachten. Wenn es aber ganz knapp hergeht, müssen wir schauen." Die potenziellen Betreiber abschließend: "Ob und in welcher Form am Mislkopf künftig Windenergie zur Stromerzeugung genutzt werden kann, sollen die weiteren Untersuchungen und Gespräche zeigen."
Zur Sache
Im Frühjahr 2025 fasste der Wipptaler Planungsverband den einstimmigen Beschluss, den Ausbau der Wasserkraft jenem der Windkraft vorzuziehen. Mit anderen Worten seien Windräder in der Region "unerwünscht", hieß es damals (wir berichteten). Das hält potenzielle Betreiber aber freilich nicht davon ab, Verschiedenes zu versuchen. Während Bgm. Lukas Peer meint, jede Gemeinde solle selbst über mögliche Projekte entscheiden, vertritt Planungsverbandsobmann Florian Riedl die Ansicht, dass "solche Themen generell auch im Planungsverband vorgebracht werden sollten": "Der Bau von Windrädern betrifft ja auch andere Gemeinden." Im Naviser Fall wäre es tatsächlich so, dass die Windräder von fast überall her besser gesehen würden, als vom Navistal aus. Dem Vernehmen nach regt sich daher sowohl in mancher benachbarten Kommune als auch beim TVB Wipptal schon Unmut wegen der Pläne. Andererseits ist die Gemeinde Navis gerade dabei, ein neues Kraftwerk am Klammbach einzureichen, was aber aufgrund der geltenden Bestimmungen (Naturschutz etc.) nicht ganz einfach ist.
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