Gschnitz will bis zum Jahr 2025 energieautark werden!

In der kleinen Gemeinde hat man sich Großes vorgenommen: Schwerpunktprojekt ist zur Zeit die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes mit verschiedenen Energiegewinnungsmethoden samt Umsetzung. Mittels Energie aus heimischen Quellen versucht man so, langfristig autark zu werden! Bgm. Christian Felder und sein Gemeinderat schlagen dafür völlig neue Wege ein!

GSCHNITZ (tk). Es ist ein ehrgeiziges Vorhaben und bedarf größter ideeller und finanzieller Anstrengungen, aber wenn alles so läuft, wie sich das Ortschef Felder und seine Mandatare vorstellen, könnte Gschnitz in rund 15 Jahren tatsächlich schon nahe an der Energieautarkie sein!

In der jüngsten Sitzung am Mittwoch vergangener Woche beschloss der Gemeinderat jedenfalls einstimmig, „eine interkommunale Energiegenossenschaft zu gründen, die sich mit der Planung, Erstellung und dem Betreiben von Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung und den damit verbundenen Nebengeschäften beschäftigt“. Als Basis für die Arbeitsgruppen, die aus dieser Genossenschaft hervorgehen sollen, gilt ein vom Bürgermeister persönlich kreiertes Klimaschutzkonzept, das nicht nur nachhaltig das Bewusstsein der Bevölkerung schärfen und so zugleich die CO2-Emissionen mindern soll, sondern das auch die Erstellung eines zielgruppenspezifischen Maßnahmenkataloges vorsieht, um die Gemeinde irgendwann ausschließlich mit Strom und Energie aus heimischen Quellen zu versorgen.

„Wir müssen andere Wege gehen, alles andere macht keinen Sinn“

„Schritt für Schritt in Richtung Energieautarkie“ lautet die ausgegebene Devise: „Großprojekte im herkömmlichen Sinn wollen bzw. können wir als weit verstreute Gemeinde nicht umsetzen, wir versuchen deshalb, aus vielen kleinen Komponenten heraus was zu bewirken. Dabei ist es aber nicht so, dass wir Gschnitzer was neu erfinden würden, andere Gemeinden etwa im Osten Österreichs beschreiten diesen Weg schon. Und dort läuft es gut, sonst würden wir es nicht machen“, so Felder.

Ob thermische Sanierung gemeindeeigener Gebäude, Durchführung von Beratungs- und Förderaktionen für die Bürger oder Nutzung regionaler erneuerbarer Energien für die Raumwärme-, Warmwasser- und Stromversorgung im öffentlichen und privaten Bereich – dem Nachhaltigkeitsgedanken soll künftig in jeder Hinsicht mehr Aufmerksamkeit zuteil werden. Felder: „Wir haben die Chance ein Signal zu setzen, dessen positive Wirkung insbesondere auf jüngere Jahrgänge nicht zu unterschätzen ist. Einige Ideen haben wir gesammelt, ich hoffe aber, dass noch viel Input von anderen Seiten nachfolgt.“

Zugpferd Kleinwasserkraftwerk

Als „Hauptprojekt“ soll der Bau des Kleinwasserkraftwerks am Gschnitzbach forciert werden, von einer Genehmigung ist man hier allerdings noch weit entfernt. Überlegungen werden auch zum 2006 rundum erneuerten Trinkwasserkraftwerk angestellt. Hier könnte man die riesigen Restwassermengen gewinnbringend nutzen. Bei der Errichtung der Hochbehälter „Gmoas“ und „Einigeben“ wurde dieser Gedanke übrigens schon vorab berücksichtigt. Ergänzend dazu will man – stets in Nähe zu bestehender Infrastruktur – ein Pilotprojekt in Form eines Gravitationswasserwirbelkraftwerks realisieren, so genannte Wasserkraftschnecken bauen, kleine Wasser- und Windräder in „Mini-Ausführung“ aufstellen sowie für das am Ortseingang ausgewiesene Neubaugebiet die Möglichkeit schaffen, Häuser an mobile Hackgutheizungen anzuschließen.

Alles fußt auf erneuerbaren Energien

Selbige stellen eine Alternative zu herkömmlichen Anlagen dar, werden in Containern angeliefert, ins Erdreich eingeschüttet und können mehrere Haushalte versorgen. Natürlich soll auch mit Solar- und Photovoltaik gearbeitet werden: „All diese Vorhaben könnte man in die Natur einbinden, vieles sieht man gar nicht, anderes nur ein bisschen – ich denke, das wäre ökologisch gut vertretbar. Es gäbe keine Probleme mit Restwassermengen oder Fischen, dafür bewegt sich halt auch die Leistung der einzelnen Anlagen mit jeweils ca. fünf bis 20 kWh in bescheidenerem Rahmen. Ich bezeichne das immer als ganze Torte, von der wir Stück für Stück abschneiden wollen.“ Was die Amortisation der Investitionen angeht, zeigt sich der Gschnitzer Ortschef ebenfalls zuversichtlich: Würde man zum Beispiel den Strom eines Werks für die Straßenbeleuchtung oder einen Hackgutheizungs-Container für Gemeindehaus und Schule einsetzen, würde sich das bald rechnen! Als Vorteil ergibt sich auch, dass kleinere Einheiten leichter zu handhaben sind.“

Abschließend sei nocheinmal hervorgehoben, dass es sich bei diesem umfangreichen Klimaschutzprojekt um keine Einzellösung von oder für die Gemeinde handelt, sondern dass das Ganze in enger Abstimmung gemeinsam mit der örtlichen Agrargemeinschaft und ganz besonders auch in Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Gschnitz sowie in Absprache mit dem Amt der Tiroler Landesregierung verwirklicht werden soll. Der Agrarausschuss traf sich dazu übrigens Freitagabend – nach Redaktionsschluss – und sollte seine Unterstützung für diese Vorgehensweise inzwischen aber per Beschluss fixiert haben.

Autor:

Tamara Kainz aus Innsbruck

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