04.07.2017, 08:21 Uhr

„Kuhfreies“ Wandern: Gar nicht so einfach!

Mit dem Hund auf den Berg: Die Tourenwahl will gut überlegt sein.
Neustift im Stubaital: bergwege |

Die TIROLER BEZIRKSBLÄTTER haben sich rechtzeitig zu Sommerbeginn schlau gemacht, wo Wanderungen auf Almen, Hütten und Gipfel „ohne Kuhberührung“ möglich sind. Kein leichtes Unterfangen! In Teil 1 steht das Stubaital im Fokus.

Eine steigende Zahl an Kuhattacken hält Tirol und seine Gäste in Atem. Vor allem die Kombination Wanderer mit Hund und Weidevieh liefert der Problematik leider laufend neuen Zündstoff. Nun ist es aber so, dass Almen nun mal für gewöhnlich nicht „kuhfrei“ sind. Zumindest nicht völlig.

STUBAI (tk). Das bestätigt auch einer, der es wissen muss. Eustachius Ragg ist seit 15 Jahren als Wanderführer in den Stubaier Bergen unterwegs. Er kennt die Region und weiß: „Es gibt de facto gibt es auch in unserem Gebiet keine einzige Tour, für die man garantieren könnte, dass es zu keinem Zusammentreffen mit einer Kuh kommt. Man wird fast immer irgendwo - wenigstens auf einem kurzen Teilstück - Weidevieh begegnen.“

Vielfältige Störfaktoren

Freilich sei die Frequenz an Kühen da und dort verschieden, räumt der Fulpmer ein. Seiner Meinung macht es zudem ein Unterschied, ob man dem Vieh auf einem breiten (Forst-)Weg oder auf einem schmalen Steig begegnet. „Ist es eng, ist es gefährlicher, weil sich die Tiere schneller bedrängt fühlen können.“ Was Ragg außerdem bestätigt ist, dass dort, wo Hirten regelmäßig nach dem Vieh schauen und auch dort, wo keine Mountainbiker unterwegs sind, selbiges deutlich ruhiger ist.
Der 66-Jährige kam selbst noch nie in eine brenzlige Situation, genauso wenig, wie seine Gäste. „Es sind ja lange nicht alle Rinder von Haus aus aggressiv! Ich habe noch nie eine Kuh gesehen, die über einen Zaun gesprungen wäre. Sicher gibt es Anlassfälle, aber meiner Meinung nach wird die Problematik auch ein bisschen hochgespielt. Und ganz generell sind es schon meist die Wanderer, die sich dem Vieh gegenüber nicht richtig verhalten - Zäune nicht respektieren, Selfies machen etc.“

Wie passiere ich eine Herde richtig?

Gerade in Verbindung mit Hunden ein „Rezept“ für das sichere Passieren einer Herde zu formulieren, ist schwierig bis unmöglich. Die einen bestehen auf die Einhaltung der Leinenpflicht, die anderen sprechen von Lebensgefahr und Fahrlässigkeit, „bindet man den Hund an sich“. Einleuchtender erscheint wirklich, den vierbeinigen Freund kurz abzuhängen, wenn freilaufende Kühe in der Nähe sind. Das raten auch Experten – etwa seitens der Landwirtschaftskammer oder des Alpenvereins. So zieht man nämlich nicht die Aufmerksamkeit der ganzen Herde auf sich und der Vierbeiner selbst wird ohnedies immer schneller sein, als jede Kuh. Auf keinen Fall jedoch, sollte man sein Haustier auf den Arm nehmen! Die jüngsten Ereignisse bestätigen das. Das gilt übrigens auch für das Vorbeigehen an Pferden, die speziell, wenn sie Fohlen dabei haben, ebenfalls mit Vorsicht zu genießen sind.

Sicherheitsabstand einhalten!

Mag. Ing. Bruno Berloffa, stellvertretender Landesleiter der Tiroler Bergrettung, hat dazu folgenden Ratschlag parat: „Am wichtigsten und einfachsten ist es - vor allem mit Hund - weit weg von den Kühen zu bleiben und die Tiere so gut es geht in Ruhe zu lassen. Das da oben ist nun mal kein Streichelzoo!“
Hundebesitzer, die ganz auf Nummer sicher gehen wollen, sollten mit ihren Gefährten vielleicht erst gar nicht ganz so weit den Berg hinauf! Zwar wäre oben dann wirklich kein Vieh mehr, für den Weg dorthin, müsste man aber in jedem Fall über die ein oder andere Alm. In Tallagen findet man im Sommer (nicht aber im Frühjahr und Herbst!) tatsächlich einige kuhfreie Wege.

Wanderungen selten frei von Weidetieren

Für jene, die dennoch höher hinaus wollen (am besten mit Seilbahnunterstützung), hier einige Tipps. Aber Achtung: Wie eingangs schon erwähnt, ist auf diesen Touren lediglich mit weniger „Kuhberührung“ zu rechnen, als andernorts!
* Medraz – Wildeben, Gehzeit ca. 2,5 h
* Medraz – Sonnenstein, Gehzeit ca. 1,5 h
* Talwanderweg Stubaital, Streckenlänge und Dauer können beliebig variiert werden
* Telfer Wiesen – Stockerhof (hin & retour ca. 2 h); evt. über den Bundesforstweg – nicht über die Abkürzung! - noch weiter bis zur Kreither Alm (hin & retour zusätzliche 2 h); alternativ kann von der Kreither Alm auch nach Kreith abgestiegen und mit der Stubaitalbahn wieder nach Telfes gefahren werden.
* Bergstation Elferlifte – Elferhütte – Elferspitze und retour (ca. 3 h), oder vielleicht noch weiter zur Zwölferspitze bzw. hinunter auf die Autenalm und zurück zur Bergstation, Gehzeit gesamt ca. 5 h
* Kreuzjoch – Sennjoch – Starkenburger Hütte und retour, Gehzeit gesamt ca. 4 h; bei Variante über den Niederen Burgstall ca. 4,5 h
* WildeWasserWeg vom Parkplatz Nürnberger Hütte bis zum Grawa-Wasserfall, Gehzeit ca. 1,5 h

Und damit im Gespräch mit den Bauern keine Missverständnisse aufkommen, hier noch ein paar wissenswerte Ausdrücke rund um die Tiere auf den Almen:

Dialekt/Hochdeutsch

Kuah = Melkkuh
Kalbele = Kalb, männlich oder weiblich
Kolbele = Kalbin, also ein weibliches Jungtier, das mindestens ein Jahr alt ist; dabei sind sich Wanderer meist nicht bewusst, dass diese „Kolbelen“ nicht Kälber sind, sondern Jungrinder, die meist schon fast die Größe einer ausgewachsenen Kuh haben
Galtling, Galtviech = Galtvieh – das sind alle Rinder, die keine Milch geben – egal ob Jung oder Alt
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