Pflege–Entlohnungssystem muss zurück an den Start
Gesetzesreparatur in der Pflege

v.l.: Franz Webhofer(ARGE Tiroler Altenheime), Gertrud Geisler–Devich, Thomas Strickner(beide AMP) und Robert Kaufmann(´ s zenzi Zirl).
  • v.l.: Franz Webhofer(ARGE Tiroler Altenheime), Gertrud Geisler–Devich, Thomas Strickner(beide AMP) und Robert Kaufmann(´ s zenzi Zirl).
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TIROL. In Tirol gab es in den letzten Wochen viel Wirbel um das Thema Pflege. Nicht zuletzt wegen dem steigenden Bedarf an Pflegekräften und dem großen Wirbel um das neue Gehaltsschema in den Pflegeheimen. Aus diesem Grund lud die ARGE der Tiroler Altenheime und die ARGE der mobilen Pflege Tiroler am 14.01.2020 zur Pressekonferenz ein, um die derzeitige Situation zu schildern.
 

Nicht alle profitieren

Das ursprüngliche Ziel des Landes war, die Bezahlung für Pflegemitarbeiter nach dem Motto „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ zu vereinheitlichen. Man will Jobs in Tiroler Pflegeheimen durch bessere Bezahlung wieder attraktiver machen und den negativen Trend aufhalten. Dieser Versuch, eine bessere und gerechtere Bezahlung für alle Pflegebedienstete zu erreichen, ging aber nach hinten los. Bei genauer Betrachtung der neuen Tarifkalkulation die ab 01.01.2020 gilt, stellt man fest, dass nur diplomierte Pflegekräfte profitieren. Da die Zahl der nicht diplomierten Pflegekräfte in Tirol jedoch bei 75% liegt, entschloss man sich, ebenfalls eine Zusatzzahlung in Höhe von max. 200€ durch die jeweilige Gemeinde zu ermöglichen. Da viele Gemeinden in Tirol jedoch finanziell nicht stabil genug aufgestellt sind, um diese Summe zu stemmen, würde es viele Pflegebedienstete geben, die im neuen System weniger verdienen. Das Ziel wurde also deutlich verfehlt und das hatte seine Konsequenzen.

Tilg macht Rückzieher

Über 4000 Unterschriften von Pflegebediensteten wurden gesammelt, die sich gegen das neue System aussprechen. So blieb dem zuständigen LR Bernhard Tilg nun nichts anderes mehr übrig, als seinen Fehler einzugestehen. Das Land wird nun eine Arbeitsgruppe einrichten, die das umstrittene Entlohnungsschema noch einmal von A bis Z durchleuchten soll. Wenn dann im Laufe der nächsten Wochen ein neues Tarifsystem steht, können sich auch Mitarbeiter, die schon in einen neuen Vertrag optiert sind, noch einmal entscheiden, ob sie ihren alten Vertrag beibehalten möchten oder nicht. Vor dem 01.01.2020 hatten sich bereits 1600 Pflegebedienstete beraten lassen, welche Entscheidung in ihrem Fall die bessere wäre.


Viele leere Betten

Zurzeit stehen in den Tiroler Altenheimen rund 200 Betten leer, weil nicht genügend Pflegepersonal vorhanden ist. Das liegt vorm allem an der schlechten Bezahlung. Ziel der angesetzten Arbeitsgespräche wird es sein, diesem negativen Trend entgegenzuwirken. Denn auch die Tirol Kliniken und Krankenhäuser sind mittlerweile von den Folgen des Personalmangels betroffen. Patienten müssen länger auf den Stationen verweilen oder zu Hause von Angehörigen gepflegt werden, bis ein Platz in einem Altersheim frei wird. Beide Fälle sind auch finanziell schwer tragbar und belasten alle Beteiligten enorm. Es kann derzeit vier bis fünf Monate dauern bis ein Platz in einem Altersheim frei wird.

Normkostenmodell schwer umzusetzen

Seit drei Jahren wird mittlerweile versucht, eine Qualitätsoptimierung durchzuführen und eine Gleichstellung mit den Tirol Kliniken zu erzielen. Nach gutem Start geht der Trend nun aber wieder in die falsche Richtung und die Pflege in Tirol steht vor einem großen Problem.

„Es ist generell schwierig, ein Normkostenmodell umzusetzen, aufgrund der verschiedenen Größe der Heime, die zwischen 15 und 200 Bewohner beherbergen. Auch das Alter der Häuser spielt aufgrund der Instandhaltungskosten eine Rolle“

, so Franz Webhofer, Vorstand der ARGE Tiroler Altenheime.
Ebenfalls hätte die Nachtdienstzulage in der Pflege, die zurzeit bei durchschnittlich 41€ liegt, abgeschafft werden sollen. Da bei einem Nachtdienst aber oftmals eine Pflegekraft für 30 Bewohner zuständig ist und eine große Verantwortung trägt, kam ein großer Aufschrei seitens der Pflegebediensteten bei dieser Entscheidung. Nun soll die Nachtdienstzulage, die bislang oft schwarz ausgezahlt wurde, auch in das Gesetz und das neue Gehaltsschema aufgenommen werden.

Situation droht zu kippen

Tirol galt in den vergangenen Jahren als einer der Vorreiter in Österreich, wenn es um die Pflege ging, doch die Situation scheint laut Franz Webhofer zu kippen. Bis 2030 braucht Österreich laut Prognosen 76000 zusätzliche neue Pflegekräfte. 2016 wurden in Österreich 5755 neue Fachkräfte ausgebildet und diese werden jährlich weniger statt mehr. Eine Lösung ist nicht wirklich in Sicht, obwohl diese prekäre Situation durchaus seit geraumer Zeit bekannt ist. Der Ernst der Personalsituation wird unterschätzt. Robert Kaufmann, Leiter des Sozialsprengels ´s zenzi in Zirl:

„Der Mangel an Personal ist in jedem Bereich der Pflege angekommen. Wir hoffen dass die politischen Verantwortlichen wieder auf die Gesprächsstraße zurückkommen. Es braucht ein konstruktives Miteinander.“

Autor:

Nicolas Lair aus Telfs

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