Stadtteilreportage Auen und Perau
Vom sozialen Brennpunkt zur beliebten Wohngegend
- Karl Ilgenfritz ist schon sein ganzes Leben im Stadtteil Villach-Auen verwurzelt.
- Foto: Privat
- hochgeladen von Chiara Kresse
Der Stadtteil Villach-Auen im Südosten von Villach ist heute eine typische Vorstadt mit Wohnhäusern, Geschäften sowie Gewerbe und Industrie und auch die Infineon Technologies Austria hat hier ihren Firmensitz. Im Laufe der Jahre hat sich der Stadtteil erheblich verändert. Die WOCHE hat dazu mit Karl Ilgenfritz sen. gesprochen und einiges über den Stadtteil Villach-Auen von früher erfahren dürfen.
VILLACH/ AUEN. Karl Ilgenfritz sen. übernahm im Jahr 1972 die bekannte Fleischerei Ilgenfritz in den Auen von seinem Vater und leitete diese bis vor sechs Jahren. Nach der Übergabe an seinen Sohn, suchte er sich ein neues Projekt und eröffnete die Genuss-Schule Stanbauer. Wo sich einst ein Stall befand, ist jetzt eine urige Schauküche in der regionale Produkte verarbeitet werden. Von seinem Stadtteil Auen konnte sich Ilgenfritz sen. nie trennen, den auch der „Stanbauer“ befindet sich auf Auener-Boden.
WOCHE: Wie hat der Stadtteil Villach-Auen früher ausgesehen?
Karl Ilgenfritz sen.: Damals gab es viele Holzbaracken und auch die alte Muldensiedlung bestand aus kleinen, länglichen Häusern mit je zwei Zimmern. Mittlerweile wurden diese abgerissen und Platz für moderne Wohnblöcke gemacht. Als ich noch jung war, sah alles sowieso ganz anders aus. Im Jahr 1950 gründete mein Vater die Fleischerei Ilgenfritz in den Auen. Zu dieser Zeit gab es dort eine Trafik, zwei Lebensmittelgeschäfte, eine Molkerei und uns. Kaum zu glauben, wie sich das alles bis heute verändert hat.
Die Infineon Technologies Austria ist heute der größte Arbeitgeber der Stadt. Wie sah das Gebiet damals aus?
Dort wo heute die Infineon steht war damals unter anderem ein Fußballplatz. Im Stadtteil Auen gab es damals keine Feuerwehr und auch keinen Fußballverein. Daher haben wir uns mit dem Ort Tschinowitsch zusammengeschlossen. Wir spielten zwar im Verein der Tschinowitscher, aber der Fußballplatz war dort, wo heute die Infineon ist.
Stimmt es, dass der Stadtteil Auen damals keinen guten Ruf hatte?
Ja so kann man das schon sagen. Früher galt der Ort als sozialer Brennpunkt und das ließ man uns auch spüren. Da es damals keine Hauptschule in den Auen gab, besuchte ich die Schule im Stadtteil Völkendorf. Wenn die anderen Mitschüler mitbekamen woher man kam, wurde man schnell abgestempelt. Das war schon schwierig und man musste sich auch immer wieder gegen die Vorurteile der anderen wehren. Mittlerweile hat sich der Stadtteil zum Guten entwickelt. Die Auen sind gewaltig gewachsen und mittlerweile sind Wohnungen und Baugründe sehr beliebt und daher schwer zu bekommen.
An welche Situation von früher können Sie sich noch genau erinnern?
Ich habe in meinen jungen Jahren schon ein paar Hochwasser in Villach mitbekommen, aber ein Mal war es wirklich schlimm. Ich kann mich noch erinnern, wie die Boote auf den Straßen gefahren sind und überall nur Wasser war. Damals ist der Hungerbach übergegangen und hat das Wasser b is zur Muldensiedlung gebracht. Da die Gail damals auch noch nicht verbaut war, ging auch diese in weiterer Folge über und dann konnte man sich nur mehr mit den Booten fortbewegen. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen.
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