Nachhaltiger Wandel auf der Genottehöhe
Aus einem Gasthaus wird ein Zuhause
- Claudia und Gernot Ludescher (l.) gemeinsam mit Claudis Eltern.
- Foto: MeinBezirk.at/Chiara Kresse
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Wo früher Gäste ein und aus gingen, entstehen acht Wohnungen. Doch die Geschichte der Genottehöhe ist weit mehr als die eines umgebauten Gasthauses. Sie erzählt von drei Generationen, die gemeinsam angepackt haben, von Erinnerungen, die in alten Ziegeln weiterleben, und von einer Familie, die ihr Stück Heimat bewahren möchte. Claudia und Gernot Ludescher haben mit ihren fünf Kindern und Claudias Eltern ein neues Kapitel aufgeschlagen – und dabei etwas geschaffen, das weit über das Gebäude hinausgeht.
VILLACH. Es gibt Orte, die sind mehr als Mauern, Dach und Grundstück. Sie sind mit Menschen, Erinnerungen und Familiengeschichten verbunden. Die Genottehöhe ist so ein Ort. Über viele Jahre war das Gasthaus Teil des Familienlebens. Nun sind aus dem ehemaligen Wirtshaus acht Wohnungen geworden. Doch wer Claudia und Gernot Ludescher zuhört, merkt schnell: Hier geht es um weit mehr als ein Bauprojekt. Es geht um Zusammenhalt, Verantwortung und die Frage, was man mit einem Ort macht, der schon so lange zur eigenen Familie gehört.
Eine Entscheidung, die Zeit brauchte
Im Sommer 2024 zeichnete sich ab, dass das Gasthaus vor einem Wendepunkt stand. Kurt und Christa Schoffnegger, die das Haus als Pächter geführt hatten, wollten aufhören. Im Guten, wie die Ludeschers betonen. Damit stellte sich die Frage: Wie soll es mit der Genottehöhe weitergehen? Das Gasthaus war immer in Familienbesitz gewesen. Doch das Gebäude war in die Jahre gekommen und hätte Investitionen gebraucht. Einen neuen Pächter zu finden, erschien wenig realistisch. Selbst in die Gastronomie einzusteigen, kam für Claudia und Gernot nicht infrage. „Früher war das alles leichter als heute“, erklärt Gernot mit Blick auf die veränderten Anforderungen in der Gastronomie. Auch die Erfahrungen des bisherigen Pächterpaares hätten ihnen gezeigt, vor welchen Herausforderungen sie selbst stehen könnten.
Eine Idee wurde verworfen
Im Herbst 2024 überlegte die Familie gemeinsam, welche Möglichkeiten es gab. Eine Zeit lang stand sogar im Raum, einen Teil des Hauses gastronomisch zu nutzen und den Rest in Wohnungen umzubauen. Doch Claudias Vater war davon wenig begeistert. Ein Café im Erdgeschoss und Wohnungen darüber – das konnte er sich nicht recht vorstellen. Schließlich reifte die Idee, das Gasthaus in Wohnraum umzuwandeln. Eine Lösung, die dem Ort eine Zukunft geben sollte, ohne den Familiengrund aufzugeben.
Drei Generationen, ein gemeinsames Ziel
Claudia und Gernot leben mit ihren fünf Kindern in unmittelbarer Nähe zur Genottehöhe. Auch Claudias Eltern wohnen gleich daneben. Die Verbindung zum Haus war deshalb nie nur eine geschäftliche, sondern immer auch eine persönliche. „Wir wollten das in der Familie behalten“, lautet einer der Gedanken, die sich durch das gesamte Projekt ziehen. Verkaufen kam für die Ludeschers nicht infrage. Sie wollten etwas schaffen, das bleibt – für sich selbst, ihre Kinder und kommende Generationen. Dass sie diesen Weg gemeinsam gehen konnten, war entscheidend. Claudia und Gernot hatten den Rückhalt ihrer Eltern, die Kinder waren von Anfang an eingebunden. Aus einer Idee wurde ein Familienprojekt, zu dem jede Generation ihren Teil beitrug. Natürlich waren auch Fachleute und Handwerksbetriebe unverzichtbar. Doch die Familie wollte selbst mit anpacken und mitgestalten.
Alte Ziegel, neue Zukunft
Im August 2025 lag die Baubewilligung vor. Bevor die Handwerker richtig loslegten, war zunächst die Familie gefragt. Ausräumen, sortieren, abtragen und brauchbares Material sichern: Claudia, Gernot und die Kinder packten gemeinsam an und arbeiteten sich bis hinauf unters Dach. Was nach einer Sanierung des alten Gasthauses aussieht, war baulich weitgehend ein Neubau, in den Teile des Bestands integriert wurden. Besonders die alten Ziegel sollten dabei eine zweite Chance bekommen. Statt alles zu entsorgen und neu zu kaufen, entschieden sich die Ludeschers, möglichst viel vom vorhandenen Material wiederzuverwenden.
Wichtige Details
Der Aufwand dahinter war beträchtlich: Eine der Töchter zog eigenhändig mehr als tausend Nägel aus dem alten Dachstuhl. Nagel für Nagel wurde so aus vermeintlichem Abfall wieder brauchbares Baumaterial. Es ist ein Detail, das viel über den Einsatz der Familie erzählt. Die Kinder haben nicht einfach zugesehen, wie etwas Neues entsteht. Sie haben selbst mitgearbeitet und erlebt, wie viel Zeit und Mühe in einem solchen Projekt stecken.
Ein Haus mit Geschichte
Dass die Genottehöhe für die Familie mehr ist als ein Gebäude, zeigt sich auch heute im Alltag. Claudias Vater schaut gerne vorbei, sucht den Kontakt und freut sich darüber, was aus dem alten Gasthaus geworden ist. „Wenn Arbeiter auf der Baustelle waren, wurden sie auch einmal zum Essen eingeladen – und Mama sorgte dafür, dass niemand hungrig blieb“, erzählt Claudia. Solche Gesten gehören für die Familie selbstverständlich dazu. Unterstützung bedeutet nicht nur, bei großen Entscheidungen zusammenzuhalten, sondern auch, im Alltag füreinander da zu sein.
Mehr als ein Gebäude
Die Genottehöhe hat sich verändert. Wo früher Gäste bewirtet wurden, werden heute Menschen wohnen. Das alte Gasthaus wird nicht in seiner ursprünglichen Form weitergeführt, doch es verschwindet auch nicht einfach aus der Familiengeschichte. Die Ludeschers haben sich bewusst dafür entschieden, den Grund nicht zu verkaufen, sondern ihn in der Familie zu halten. Sie haben gemeinsam überlegt, diskutiert, angepackt, alte Materialien gerettet und mit Unterstützung von Fachleuten etwas Neues geschaffen. Jede Generation hatte dabei ihre eigene Rolle: die Eltern, die den Ort über Jahre mitgetragen haben; Claudia und Gernot, die Verantwortung übernommen haben; und die fünf Kinder, die erlebt haben, was es bedeutet, gemeinsam etwas zu schaffen. Manchmal entsteht aus einem alten Haus etwas Neues. Und manchmal zeigt sich gerade dabei, was eine Familie zusammenhält.
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