Teppichsticker
Die letzten ihrer Art

Rudi Friedrich mit Hoagascht-Moderatorin Conny Bürgler beim Dreh für ServusTV.
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In der letzten Teppich-Stickerei werden Meisterwerke geschaffen - und eine Tradition bewahrt, die ansonsten längst vergessen wäre.

GROSS SIEGHARTS. In Groß Siegharts wird eine Kunst gepflegt, wie es sich im deutschsprachigen Raum nicht mehr gibt: Hier werden Teppiche von Hand gestickt. Längst wären die Geheiminsse dieser Kunst vergessen, wenn sie die Familie Friedrich nicht seit fast drei Jahrzehnten am Leben halten würden.

Rudolf Friedrich senior lebt für seine Teppiche. Als er mit 14 in der Teppichstickerei in Groß Siegharts anfing, da war die Textilindustrie im Bandlkramerlandl noch eine blühende Branche. Doch das änderte sich rasch, die Fabrik musste schließen, das Inventar wurde verkauft oder ausgeschlachtet. Doch ganz ließ Rudolf - der mittlerweile im öffentlichen Dienst tätig war - seine Leidenschaft nicht los. Eines Tages kaufte er die Teile der alten Stickmaschinen auf und fuhr damit nach Hause. "Meine Frau hatte keine große Freude, als ich mit dem ganzen alten Zeug ankam", so Rudolf. 1,5 Jahre tüftelten er und ein Freund an den Geräten aus den 1920ern, bis sie endlich wieder liefen. Noch mehr Bastelei, die Suche nach Ersatzteilen und die Arbeit geschickter Hände später, war tatsächlich der erste handgestickte Teppich in Eigenproduktion fertig. Dieser hängt heute noch neben den Maschinen und ist unverkäuflich.

Mit der Bettbank zum Teppichsticker

Heute schupfen Birgit und Rudolf jun. den Laden. Rudolf ist ganz der Techniker, Bastler und Meister der Improvisation. Zuhause tüftelt er oft tagelang an den Maschinen und fertigt auf der eigenen Drehbank die Ersatzteile - denn diese bekommt man schon längst nicht mehr. "Das kann man nicht einfach im Internet bestellen, da muss man selbst eine Lösung finden", so Rudi. Sein Wissen hat er von Schlossern, die damals noch in der Fabrik tätig waren. In Groß Siegharts hat man sich schon damals selbst geholfen: Sogar die Nadeln wurden selbst hergestellt.

Birgit Friedrich arbeitet an ihrem "Bleistift". Die Maschine sticht einen Faden in das Gewebe - alles andere ist reine Handarbeit.
  • Birgit Friedrich arbeitet an ihrem "Bleistift". Die Maschine sticht einen Faden in das Gewebe - alles andere ist reine Handarbeit.
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Wenn es um den kreativen Teil geht, dann übernimmt meist Birgit. Sie nimmt die Motive von Kunden entgegen und bringt sie auf die Teppiche. Das ist gar nicht so einfach, denn zuerst muss sie das Muster abpausen, vergrößern und anschließend auf den selbst gewebten Leinenstoff übertragen, bevor die Stickmaschine überhaupt zum ersten Mal läuft. Da passieren die wildesten Geschichten: Dass die Kunden Fliesen von zuhause mitbringen, ist da noch harmlos. "Einmal kam jemand mit seiner Nachtkastltür, weil er die Bauernmalerei darauf auf einem Teppich haben wollte." Aber es geht noch wilder: "Ein Kunde wollte mir ein Muster zeigen. Ich sag: Kein Problem, schauen wir uns an. Sagt er drauf: Da musst mir aber tragen helfen. Er hat die ganze Bettbank im Auto gehabt", lacht der Seniorchef.

Läuft seit 100 Jahren: Die Stickmaschine.

An kuriosen Motiven mangelt es nicht: Portraits von Hunden, Landschaften und sogar Aktbilder sind beinahe schon alltäglich."Das schwierigste war einmal ein Apfel", lacht Rudolf sen. "Hast dir schon mal einen Apfel genau angeschaut? Da sind unglaublich viele Details. Meine Entwürfe haben am Anfang ausgeschaut wie Paradeiser". 170.000 Stiche kommen auf einen Quadratmeter Teppich. Bis zu 50 Stunden Arbeit stecken in jedem einzelnen Quadratmeter. Das hat natürlich seinen Preis, aber: "So einen Teppich hast du ein Leben lang".

Zu Gast beim Dreh

Die Bezirksblätter trafen beim Besuch in Groß Siegharts ServusTV-Moderatorin Conny Bürgler beim Dreh für Hoagascht "Gstickt und Gossn": "Mir taugt die Vielfalt, dass hier jeder mit einer Zeichnung kommen kann, ist einfach beeindruckend." Welcher Teppich für sie in Frage kommt? "Natürlich ein Bergmotiv" so Bürgler, die sich ein wenig ins Waldviertel verliebt hat: "Auch als Bergbewohnerin kann man es hier ganz gut aushalten". Das dürfte einer der Gründe sein, warum sich eine der kommenden Heimatleuchten-Folgen um den Kamp drehen wird. Die komplette Folge wird am 2. August um 19.45 Uhr bei ServusTV ausgestrahlt.

Darin zu sehen ist übrigens auch die dritte Generation der Teppichsticker-Familie Friedrich: "Ich würde den Betrieb gerne weiterführen", so Sohn Thomas.

Mehr dazu
Waldviertler Teppichsticker
Hoagascht

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