Museums-Depot: Ein Streifzug durch die Industrie des Waldviertels

Heinrich Hetzer zeigt eine Jaquard-Maschine. Diese steuerten die Webstühle mit Hilfe von Lochkarten.
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WAIDHOFEN. Was wurde in jüngster Vergangenheit nicht alles über das Depot des Stadtmuseums gestritten. Dieses sei zu teuer und ohnehin handelt es sich nur um altes Gerümpel, so die Argumentation im Waidhofner Stadtparlament.

Der Hintergrund: Durch die Sanierung des Bauhofes mussten auch die dort gelagerten Museumsstücke weichen. Die Zahl geht in die tausende, aber wohin nur mit den historischen Stücken? Daraufhin mietete die Stadt ein Depot in der Heidenreichsteiner Straße an, was zu heftigen politischen Debatten führte. Man solle sich das Geld sparen und stattdessen ausmisten oder die Exponate an die ursprünglichen Besitzer zurückgeben, wurde von der Opposition gefordert.

Doch was steckt wirklich dahinter? Wir haben uns im Depot des Museum umgesehen. Heinrich Hetzer ist Experte für die Webkunst und die Textilindustrie im Waldviertel und im Museum für diese Bereiche zuständig. Ihn ärgert die politische Debatte: "Wir haben hier eine österreichweit einzigartige Sammlung, die man so heute unmöglich noch einmal zusammenstellen könnte".

Der Computer des 19. Jahrhunderts

Konkret meint Hetzer so genannte Jaquard-Maschinen. Dabei handelt es sich um Geräte, die in der Textilindustrie zum Einsatz kamen und die Webstühle per Lochkarte steuerten - die Computer des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. "Die Textilindustrie war schon immer modern. Früher waren es Jaquard-Maschinen, heute sind es Roboter", berichtet der Profi. 35 dieser Geräte besitzt das Stadtmuseum, teils aus Holz, teils modernere Exemplare aus Metall. "Das ist mehr als je in einem der Textilbetriebe zum Einsatz kamen. Das ist ein Stück Industriegeschichte des Waldviertels", so Hetzer. Dazu kommen noch regalweise Ersatzteile und Handbücher für die Geräte, denn viele von den Maschinen laufen heute noch.

Industriegeschichte des Waldviertels

Dazu kommen noch Webmuster, die vor 150 Jahren mit Aquarellfarbe auf eng kariertem Papier handgemalt wurden. Eine frühe Form der Digitalisierung, denn die komplexen Muster wurden in einzelne Bildpunkte gemalt, erklärt der ausgebildete Textilingenieur. Besonders stolz ist Hetzer auf die alten Webmuster im Wiener Art Deco-Stil aus der Zwischenkriegszeit. Die Stücke finden auch in der Lehre Interesse. So sind regelmäßig Studenten der Universität für angewandte Kunst zu Gast und sogar Besuch von Textil-Experten aus China wurde schon empfangen. Dazu kommen noch Chroniken und Hauptbücher der Stadt oder aus Unternehmen, die Originalgemälde aus der Zwiebelkapelle, ein historischer Wirtshaustisch mit Kegelspiel und eine mysteriöse Maschine, deren Zweck selbst mit Spezialisten des technischen Museums Wien nicht herausgefunden werden konnte.

"Soetwas ist heute eine Rarität. Das alles wegzuschmeißen wäre ewig schade. Wir bereichern uns ja nicht daran, sondern bewahren diese Geschichte für kommende Generationen", so Hetzer.

Das Depot ist nicht ständig geöffnet, aber für die Bezirksblätter-Leser würde Hetzer gerne Führungen für Gruppen nach Anmeldung im Museum unter 02842/53401 anbieten.

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