Suchtfrei-Kongress: "Ich will, dass mein Leben Porno ist!"

Jürgen Zahrl möchte mit seiner Online-Plattform seinen Mitmenschen aus der Abhängigkeit helfen.
  • Jürgen Zahrl möchte mit seiner Online-Plattform seinen Mitmenschen aus der Abhängigkeit helfen.
  • hochgeladen von Peter Zellinger

WAIDHOFEN. Es passiert selten, dass jemand so offen über intime Details spricht, wie Jürgen Zahrl. Der 38-Jährige Waidhofner hat in seinem Leben nicht viel ausgelassen, was Abhängigkeit betrifft. Jetzt rechnet der Webdesigner mit Alkohol, Zigaretten, Fressattacken und Internetpornos ab - und will anderen Menschen helfen selbst von ihren Süchten loszukommen.

Ein dunkles Tal durchschritt Zahrl nach einer Trennung aus einer schwierigen Beziehung. Im Trennungsschmerz zog der Waidhofner aus der gemeinsamen Wohnung aus und sein geliebter Hund starb plötzlich. Der Zigarettenkonsum wurde mehr, wie auch der Alkohol, immer mehr Zeit verbrachte er mit Online-Pornos. Aber nicht nur das: "Plötzlich hatte ich 102 Kilo bei 1,70 Meter Körpergröße", berichtet Zahrl.

"Irgendwann begann ich darüber nachzudenken, warum es mir so schlecht geht und was ich eigentlich mit meinem Verhalten betäuben möchte", so Zahrl. "Also stellte ich meine Ernährung um, nahm rund 30 Kilo ab, gab das Rauchen und Trinken auf und heute fühle ich mich wieder großartig".

Was das Geheimnis ist, von seiner Sucht loszukommen? "Man muss sich klar werden, dass man mit seinem Verhalten etwas betäubt. Und dieses "Etwas" kann man aus seinem Leben verbannen. Man muss sich klar werden, wie sehr eine Sucht das eigene Leben, die Partnerschaft einschränkt".

Online-Kongress

Deshalb startet der 38-Jährige jetzt eine weitgehend kostenlose Online-Plattform. Im "Suchtfrei-Kongress" führte Zahrl dutzende Interviews mit Suchtexperten, Therapeuten, Ex-Abhängigen oder Medizinern. Ab 3. Februar startet die erste Serie. Die Interviews sind für registrierte User einige Tage kostenlos verfügbar, nur wer dauerhaft darauf zugreifen möchte, muss eine Gebühr bezahlen.

Aber nicht nur für Abhängige, sei es jetzt Alkohol, Nikotin, Drogen, Internet oder Glücksspiel möchte Zahrl etwas bieten - auch deren Umfeld soll profitierten. "Oft befinden sich die Partner ja in einer Co-Abhängigkeit, indem sie ihre Lieben decken".

Zahrl selbst legt für sich nach seiner Sucht strenge Maßstäbe an: er ernährt sich mittlerweile vegan, duscht kalt, absolviert seine Laufrunde mit nacktem Oberkörper - auch im Winter. "Aber das muss natürlich niemand machen. Ich will helfen, nicht missionieren. Das hab ich ja selbst immer gehasst, wenn mir andere ihre Lebensweise aufdrängen wollten. Und ab und zu trink ich auch heute noch ein Achterl oder ein Seidl". Außerdem könne man den Lebensstil nicht einfach schlagartig ändern. "Es funktioniert einfach nicht, wenn ich an fünf Baustellen gleichzeitig arbeite."

Das Motto: "Ich bin für mein Leben selbst verantwortlich und die kann ich auch nicht auf eine schwierige Kindheit oder eine unglückliche Beziehung abschieben. Es geht einfach darum ein bisschen aus seiner Komfortzone zu gehen, denn was man da findet ist einfach großartig." Oder einfacher: "Ich will ja nicht Porno schauen, ich will, dass mein Leben Porno ist", schmunzelt der Webdesigner.

Mehr dazu: www.suchtfreikongress.com

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