Massive Ernteausfälle wegen Rekord-Dürre
"Der Boden zerfällt bei der Bearbeitung zu Staub"

Totalausfall: Vielerorts hat der Mais wegen der Rekord-Dürre gar keine oder nur verkümmerte Kolben ausgebildet. | Foto: Privat/Lehner
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  • Totalausfall: Vielerorts hat der Mais wegen der Rekord-Dürre gar keine oder nur verkümmerte Kolben ausgebildet.
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Ein Niederschlagsdefizit wie seit Beginn der Aufzeichnungen vor 176 Jahren nicht, Böden, die bei der Bearbeitung zu Staub zerfallen, und stellenweise Totalausfälle bei der Ernte: Die anhaltende Rekord-Dürre setzt der Landwirtschaft in der Region schwer zu.

WELS-LAND. 42 Prozent weniger Regen als im Mittel der vergangenen 35 Jahre sind heuer laut GeoSphere Austria bisher in Oberösterreich gefallen. Besonders hart trifft die Rekorddürre die wenig speicherfähigen Schotterböden der Welser Heide.

Mais: vielerorts Totalausfall

Beim Körnermais – der flächenstärksten Kultur Oberösterreichs – rechnet Pflanzbauexperte Martin Bäck von der Landwirtschaftskammer dort mit Ernteausfällen von 80 bis 100 Prozent.

"Oft haben die Pflanzen nicht einmal Kolben ausgebildet", sagt Bäck.

Totalausfall: Vielerorts hat der Mais wegen der Rekord-Dürre gar keine oder nur verkümmerte Kolben ausgebildet. | Foto: Privat/Lehner
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Manche Landwirte haben den eigentlich für die Körnermaisernte vorgesehenen Bestand noch rasch als Silomais genutzt. Dabei wird die gesamte Pflanze verwertet. Wirtschaftlich sei diese Notlösung allerdings "nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", so Bäck.

Ein Drittel weniger Soja

Auch beim Soja, der viertgrößten Kultur nach Anbaufläche in Oberösterreich, sind die Aussichten vor allem auf den Schotterböden schlecht. Selbst ausreichend Regen ab jetzt könne daran kaum noch etwas ändern. „Wir rechnen mit deutlichen Ertragsrückgängen von mindestens einem Drittel“, sagt Bäck. Das verschärft zugleich die Situation bei den Schweinebauern: Ihnen fehlt Futter, das nun zugekauft werden muss. Auch bei den Zuckerrüben wird die Ernte unterdurchschnittlich ausfallen. Hier könnte ausreichend Regen das Ergebnis allerdings noch vor dem allerschlimmsten bewahren.

Getreide mit blauem Auge davongekommen

Etwas weniger dramatisch sei die Situation beim Wintergetreide. Oberösterreich und auch der Bezirk Wels-Land seien hier einigermaßen mit einem blauen Auge davongekommen. "Es wird kein Konsument hungern", betont Bäck. Brotgetreide sei in ausreichender Menge und Qualität vorhanden. Problematisch sie aber, dass die Getreidepreise nicht angezogen haben.

50 bis 60 Prozent weniger Kürbisse

Selbst für den an Trockenheit gewöhnten Kürbis war es heuer zu viel. | Foto: Privat/Lehner
  • Selbst für den an Trockenheit gewöhnten Kürbis war es heuer zu viel.
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Wie massiv die Trockenheit einzelne Betriebe trifft, zeigt das Beispiel des Holzhausener Landwirts August Lehner. Er bewirtschaftet neben seinen Flächen auf schweren Böden in Holzhausen, wo die Ertragseinbußen verkraftbar blieben, auch mehrere Pachtflächen in der Heide. Beim Mais gab es dort praktisch einen Totalausfall. Auch seine knapp sechs Hektar Ölkürbisse im Raum Marchtrenk hat es schwer getroffen. "Ich rechne mit 50 bis 60 Prozent weniger Ertrag", sagt Lehner. Dabei kommen Kürbisse grundsätzlich gut mit den trockenen Schotterböden zurecht und bereits eine Maßnahme um sich an prinzipiell trockenere Gegebenheiten anzupassen. "Heuer war es aber sogar dafür viel zu trocken."

Versicherung deckt nur einen Teil

Besonders bitter: Ölkürbisse können in der Region nicht gegen Ernteausfälle versichert werden. Aber auch bei versicherbaren Kulturen wie Getreide und Mais deckt die Hagelversicherung nur einen Teil des Schadens. Die Auszahlungen sind mit maximal 750 Euro pro Hektar begrenzt. Im Vergleich zu guten Erntejahren fehlen damit bis zu zwei Drittel der Einnahmen. Gleichzeitig steigen die Versicherungsprämien im Folgejahr. Ohnehin bereits hohe Dünger- und Dieselkosten verschärfen die Belastung zusätzlich.

Böden kaum zu bearbeiten 

Lehner blickt deshalb mit Sorge auf die kommende Saison. "Jetzt muss einmal das Bodenwasser gut aufgefüllt werden, damit wir Ende September das Wintergetreide anbauen können.“ Davon ist die Heide derzeit noch weit entfernt: "Bei der Bearbeitung zerfallen die Böden regelrecht zu Staub."  Von der Politik wünscht er sich bessere Rahmenbedingungen und weniger Auflagen. Die Umstände seine mit den schwierigen Witterungsbedingung bereits schwierig genug.

Totalausfall: Vielerorts hat der Mais wegen der Rekord-Dürre gar keine oder nur verkümmerte Kolben ausgebildet. | Foto: Privat/Lehner
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