Scharfe Kritik an Tierabnahme
Landwirt aus Steinerkirchen verliert seine Schafe
- Landwirt Roland Scheinecker verliert seine 50 Schafe – die BH Wels-Land habe Verstöße gegen das Tierwohl finden können. Die Aktion Stößt auf Kritik.
- Foto: MeinBezirk
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Landwirt Roland Scheinecker aus Steinerkirchen wurden 50 Schafe wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierwohl behördlich abgenommen. Die Entscheidung stößt nicht nur dem Besitzer sauer auf, auch drei Tierärzte zeigen kein Verständnis für die Aktion. Im Zentrum der Kritik stehen eine Amtstierärztin und eine Juristin der Bezirksverwaltungsbehörde Wels-Land.
STEINERKIRCHEN AN DER TRAUN. Blökende Schafe, ein kleines Lämmchen, das im Tumult seine Mutter sucht und dabei fast zu Tode getrampelt wird – sichtlich aufgebrachte Tiere – eines fällt um, bleibt liegen. Stress, der den rund 50 Schafen auf einem Hof in Steinerkirchen vielleicht erspart hätte werden können, obwohl sich die Pfotenhilfe sichtlich alle Mühe beim Verladen gab. Die Helfer fühlen sich von der Behörde alleine gelassen.
Mittendrin: Zwei junge Frauen in grüner Schutzmontur. Eine Amtstierärztin und eine Juristin der Bezirkshauptmannschaft Wels-Land dokumentieren die Tiernummern und geben Anweisungen. Auch zwei Polizisten sind anwesend. Manche Tiere werden aus den Stallungen herausgehoben, um die Trächtigkeit festzustellen und den Geburtstermin zu schätzen, bevor sie wieder hineingesetzt werden. Es wird entschieden, dass ein paar Tiere an Ort und Stelle bleiben.
Alte Mäh-Schafe
Die Schafe gehören Roland Scheinecker. Der 41-Jährige, selbst bei der Abnahme nicht anwesend, hält auch Ziegen, Schweine und Pferde, sein Hauptertrag kommt von den Rindern. Der Stall wirkt sauber und gepflegt. "Ich habe Besuch von der Amtstierärztin und einer Juristin bekommen", erzählt Scheinecker gegenüber MeinBezirk: "Sie haben ein totes Schaf gefunden." Das Tier sei eines natürlichen Todes gestorben, denn: Seine Schafe würden nicht zur Mast gehalten, sondern für das natürliche Mähen. "Darum werden die Tiere bei mir auch so alt, über die Hälfte sind acht bis zwölf Jahre, außerdem mag sie mein Sohn."
Vorwürfe gegen Behörde
Es sei auch bemängelt worden, dass vereinzelte Tiere unterernährt wären – die behördliche Abnahme erfolgte im März – erst sechs Wochen später wurden die Schafe nun abgeholt, obendrein folgte das Tierhalteverbot. "Hier geschieht großes Unrecht", erklärt Rechtsbeistand Benjamin Biberhofer von der Kanzlei Zahradnik: "Mein Mandant hatte keine Möglichkeit, sich zu äußern – ein Ermittlungsverfahren bezüglich eines Halteverbots hat es nicht gegeben." Der Jurist sieht Ungereimtheiten: "Warum werden ihm, der angeblich keine Tiere versorgen kann, die Schafe noch Wochen überlassen? Das ergibt keinen Sinn."
- Amtsärztin und Juristin der BH Wels-Land dokumentieren und überwachen die Abnahme der Schafe in Steinerkirchen.
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Scharfe Kritik kommt auch von drei Tierärzten, zwei davon unabhängige Spezialisten, die das Tierwohl als gegeben ansehen. Einer ist Raphael Höller, der die Schafe im Zuge der Kontrolle der Rinder untersucht habe. "Die Tiere sind in einem ordnungsgemäßen Zustand", so der Fachmann: "Mir ist weder etwas an der Haltung noch an der Versorgung aufgefallen, was nicht passen könnte – von Tierleid sind wir weit entfernt."
- Rechtsvertreter Benjamin Biberhofer bei der Abnahme.
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Eine bakterielle Infektion der Tiere, die nach der Anordnung auffällig wurde, sei bei Schafen dieses Alters nichts Ungewöhnliches. "Er macht mit den Tieren ja keinen Gewinn." Zwei weitere Kollegen von Höller unterstützen die Meinung des Tierarztes gegenüber MeinBezirk. Auch andere befragte Tierhalter in der Region erheben Kritik an der Aktion.
Rechtsstreit um Tiere
"Dass die Schafe nach der Gefahr in Verzug-Maßnahme weiterhin vom Tierhalter versorgt wurden, ist falsch", erklärt Bezirkshauptfrau Elisabeth Schwetz (FPÖ): Die Behörde hat sich stets zu bemühen, dass schnellstmöglich eine Lösung für die adäquate Versorgung gefunden wird – manchmal für einige Zeit noch vor Ort." Ebenso sei es nicht richtig, dass die Behörde ein Tierhalteverbot ohne Möglichkeit zur Stellungnahme ausspricht. "Die Objektivität und Verhältnismäßigkeit der Amtstierärzte stehen für mich in diesem Fall außer Frage." Scheinecker will nun alle Rechtsmittel ausschöpfen. "Für ihn ist das Vorgehen der Behörde ruinös", erklärt Biberhofer.
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