Geister auf der Alm
Unheimliche Sagen um den „Putz“ - So spukt es in Kematen

DIe Kemater Alm ist Schauplatz zahlreicher Sagen um einen Putz.  | Foto: Kemater Alm
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Zwischen Almputz und Geisterglauben ranken sich in Kematen bis heute alte Sagen über unheimliche Nächte, mutige Menschen und rätselhafte Begegnungen auf der Alm.

KEMATEN. Nebelschwaden über den Wiesen, knarrende Holzhütten und dunkle Nächte auf der Alm. In Kematen erzählen sich die Menschen seit Generationen Geschichten, die irgendwo zwischen Angst, Glauben und Fantasie liegen. MeinBezirk hat sich in die Sagenwelt der Gemeinde begeben und wurde mit Hilfe der Webseite SAGEN.at fündig.

Nächtlicher Spuk

Früher galt die Alm oberhalb von Kematen nicht nur als Arbeitsplatz, sondern auch als Ort voller Geheimnisse. Sobald die Senner im Herbst ins Tal zurückkehrten, sollte dort der sogenannte „Putz“ sein Unwesen treiben. In den Tiroler Sagen taucht diese Gestalt immer wieder auf. Mal als Poltergeist, mal als unheimliches Wesen, das Menschen erschreckt oder prüft.

Besonders bekannt ist die Erzählung eines Viehdoktors, der nicht an Geister glauben wollte. Als er eines Tages auf die Alm gerufen wurde und dort übernachtete, soll sich seine Meinung geändert haben. In der Nacht habe plötzlich ein gewaltiger Lärm begonnen. Geschirr krachte, Pfannen polterten und aus dem Stall drang wildes Getrampel. Als der Viehdoktor gemeinsam mit den Sennen schließlich nach dem Rechten sah, standen die Tiere jedoch ruhig an ihrem Platz. Seither habe der Doktor nie wieder über den Glauben an Geister gespottet.

Die Aplenwelt ist durchaus geheimnisvoll.  | Foto: zeitungsfoto.at
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Eine mutige Frau

Eine weitere Sage aus Kematen dreht sich um Mut, Armut und eine ungewöhnliche Wette. Bei einem Hoangart am Martinsabend soll ein Bauer behauptet haben, niemand würde sich nachts in die verlassene Alphütte wagen. Als Einsatz versprach er seine schönste Kuh.
Eine junge Frau nahm die Wette an. Ihre Mutter war krank, die Familie arm, die Kuh hätte vieles verändert. Gemeinsam mit einem Hund machte sie sich auf den Weg zur Hütte. Dort begegnete sie schließlich dem gefürchteten Almputz. Statt eines Angriffs bereitete das Wesen jedoch ein seltsames Essen aus Wasser und Asche zu und forderte die junge Frau auf, davon zu essen. Misstrauisch und Ängstlich verspeiste sie allerdings nicht alles. Der Putz sprach darufhin folgende Worte: „Hatest's gonze Muas gess'n, war i d'rleaßt; ober hatest nit s'Beißende und s'Reißende bei dir, aft derriß i di wia d'n Stab in d'r Sunnen.“ Es war also klar, hätte die Junge Frau alles aufgegessen wäre der Putz erlöst gewesen. So blieb er allerdings auf der Kemater Alm und Teil jener Geschichten, die sich in Kematen bis heute gehalten haben.

Mit den Geschichten versuchten sich die Menschen unerklärliche Dinge begreifbar machen.  | Foto: Daniel Mautner
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Ein Stück Dorfgeschichte

Auch wenn heute kaum noch jemand an Geister auf den Almen glaubt, erzählen die Sagen viel über das frühere Leben in den Bergen. Über einsame Nächte, harte Arbeit und die Vorstellung, dass es zwischen Himmel und Erde Dinge gibt, die sich nicht erklären lassen. Festgehalten wurden die Kemater Sagen bereits Ende des 19. Jahrhunderts vom Volkskundler Adolf Ferdinand Dörler. Dadurch blieben jene Erzählungen erhalten, die früher vor allem mündlich weitergegeben wurden und in Kematen bis heute nachhallen.

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