Sanierung in Wien
1960er-Bau wird dank neuartiger Wärmepumpe auch gekühlt
- Unter anderem Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (r.) und Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (l.) besuchten ein Wohnhaus, welches jetzt auf eine Wärmepumpe setzt.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk
- hochgeladen von Johannes Reiterits
Die Technologie ist auch im Wohnbau mittlerweile weit fortgeschritten. In einem ursprünglich aus den 1960er Jahren stammenden Mehrparteienhaus wurde jetzt eine neuartige Wärmepumpe eingebaut, welche gleichzeitig auch kühlen kann.
WIEN/WIEDEN. Auch wenn der Sommer 2025 gefühlt aus der Reihe tanzte – dank Klimaerwärmung kommen Wiens Bewohnerinnen und Bewohner immer öfter ins Schwitzen. Während mehr Bäume, Wassernebel und Co. in der Öffentlichkeit zumindest zwischendurch für Abkühlung sorgen, wälzt sich so mancher in heißen Sommernächten verschwitzt und schlaflos im Bett durch die Nacht. Der Grund: Es fehlt an Abkühlung.
In der Großen Neugasse (Wieden) wurde bis vor dem Sommer ein Wohnbau des Sozialbau-Verbundes thermisch saniert. Soweit nichts Ungewöhnliches. Doch auch eine moderne Wärmepumpe kommt jetzt dort im Einsatz. Sie kann im Winter nicht nur dafür sorgen, dass die Bewohnenden nicht zittern müssen. Sondern im Sommer gleichzeitig auch, dass die sonst heißen Wohnungen abgekühlt werden.
Eigentlich "Klimapumpe"
Am Donnerstag begutachtete eine Entourage rund um Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál (beide SPÖ) den fertig sanierten Bau. "Es gibt einige Möglichkeiten, ein Gebäude effektiv zu kühlen", erklärt Czernohorszky. Die Stadt Wien arbeitet derzeit an einer Kältestrategie, die voraussichtlich nächstes Jahr präsentiert wird. Was man jetzt schon weiß ist, dass Wärmepumpen nicht nur heizen, sondern auch kühlen können: "Eigentlich ist der Begriff Wärmepumpe lückenhaft. Mit ihr lässt sich nämlich das gesamte Raumklima regulieren, deshalb würde 'Klimapumpe' besser passen."
Klimaanlagen hingegen seien keine Ideallösung. Denn Wärmepumpen seien effizienter, nachhaltiger und sicherer. Den Nutzen dieser hat auch Alexander Keineder, Bewohner einer Dachgeschoßwohnung in dem Wohnhaus, bereits bemerkt: "Die Höchsttemperatur in meiner Wohnung lag diesen Sommer bei ca. 25 Grad. Davor kletterte das Thermometer teilweise auf über 30 Grad."
Generell sei die thermische Sanierung gelungen, versichert Wohnbaustadträtin Gaál: "Auch hier in der Großen Neugasse haben wir die thermischen Maßnahmen gefördert, also die Dämmung der Fassaden, des Dachs sowie der Decke und auch den Einbau von Wärmeschutzfenstern. Das ist bei einer geförderten Sanierung der erste und wichtigste Schritt, um den Energieverbrauch zu senken und das neue Heizsystem effizient und kostensparend zu gestalten."
85 Millionen Euro bereits ausgeschüttet
Am besten ist es, wenn Gebäude so verändert werden, dass der Kühlbedarf reduziert wird“, so Czernohorszky. Im Fachjargon nennt man das "thermische Sanierung". Gaál ergänzt: "Genau deshalb steht eine neue Dämmung auch bei unseren Förderleistungen an oberster Stelle. Allein 2024 schütten wir 85 Millionen Euro an Förderungen für thermische Sanierung in 5.800 Wohneinheiten aus – zielgerichtet dort, wo das Energiespar-Potenzial am höchsten ist."
- Wärmepumpen können nicht nur wärmen, sondern auch kühlen.
- Foto: Andreas Pölzl/MeinBezirk
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Die Stadt Wien verfolgt dabei ein dreistufiges Modell: Zuerst kommt die thermische Verbesserung der Gebäudehülle, reicht die nicht aus oder ist diese nicht möglich, kommt das Thema Kühlung ins Spiel – und die ist zunächst „passiv“. Das heißt beispielsweise durch außenliegenden Sonnenschutz oder Deckenventilatoren. Diese Form der Kühlung kann oft schon ausreichen, um ein komfortables Raumklima auch bei längeren Hitzewellen im Sommer zu gewährleisten.
Sind auch diese Maßnahmen nicht genug, kommt die aktive Kühlung ins Spiel. Und auch die soll klimafreundlich sein. Wenn in Kombination mit einer Wärmepumpe noch eine PV-Anlage auf dem Dach installiert ist, sei dies die beste Variante laut Stadt. Denn im Sommer laufen die PV-Anlagen auf Hochtouren und produzieren günstigen Strom, der in die Wärmepumpen fließt und zur Kühlung der Wohnung eingesetzt werden kann. Damit sinken die Stromkosten für den Kühlbetrieb signifikant.
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