Silver Pines Test
Ein düsterer Horror-Trip in die 90er
- Mit Silver Pines von Team17 haben wir den zweiten Anwärter für das Spiel des Jahres erhalten. Warum das so ist, erzählen wir euch in unserem Test.
- Foto: Wych Elm /Team17
- hochgeladen von Iris Wilke
Nach der Demo von Silver Pines war klar: Hier handelt es sich um eines der Spiele, die nicht nur auf den ersten Blick interessant erscheinen. Das düstere Setting rund um die Suche des Detektivs Red Walker nach dem Musiker Eddie Velvet – verpackt in ein Silent Hill-artiges Metroidvania-Gewand – ist eines der Games, die man diesen Herbst gespielt haben muss.
In Silver Pines schlüpft man in die Rolle des Privatdetektivs Red Walker, der in der gleichnamigen Kleinstadt einen Auftrag zu erledigen hat: Der Musiker Eddie Velvet ist spurlos verschwunden, und Walker soll ihn zurückbringen. Das Spiel beginnt mit Walkers Erwachen an einem Tisch im hiesigen Kleinstadt-Diner.
Während anfangs noch nicht recht klar ist, warum sich Walker überhaupt in Silver Pines befindet, bringt das Aufheben der Autoschlüssel und das Verlassen des Diners schnell Licht ins Dunkel. Wir befinden uns mitten in einer Vermisstensuche. Warum genau Eddie Velvet Gegenstand von Walkers Auftrag ist, bleibt zunächst unklar. Wir wissen nur eines: Der Auftraggeber will ihn gefunden haben, und wir müssen die Beine in die Hand nehmen, um diesen Job zu erledigen.
Die Spielwelt: Zwischen Erkundung und Linearität
Außerhalb des Diners offenbart sich eine wundervoll gestaltete Spielwelt. Man bewegt sich im Stile klassischer Metroidvania-Games von links nach rechts, kann aber an bestimmten Punkten auch die Straßenseite wechseln oder einen anderen Weg einschlagen. Die Spielwelt lässt sich zwar einerseits frei erkunden, ist andererseits aber modular linear aufgebaut: Man kann nicht einfach irgendwohin abbiegen oder Orte durchsuchen, die rein gar nichts mit dem Auftrag zu tun haben.
- Foto: Wych Elm /Team17
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Man steuert Walker durch die Straßen, untersucht Gebäude, öffnet Kofferräume, steigt in die Kanalisation hinab und spricht mit den wenigen Personen, die sich nach und nach zeigen. Das Setting ist durchweg düster: Ein gewaltiger Sturm fegt über die Stadt hinweg und die Straßen wirken völlig verwaist. Angeblich handelt es sich um den Sturm des Jahrhunderts – was die Suche nach Eddie nicht gerade einfacher macht.
Überlebenskampf und Inventar-Management
Schön langsam werden die Spielerinnen und Spieler in die Mechaniken von Silver Pines eingeführt. Im Stil eines klassischen Survival-Horror-Games erwarten uns enorm viel Spannung, eng kalkulierte Ressourcen und diverse Monster. Die Kreaturen selbst zeigen sich als schemenhafte Gestalten auf den Straßen. Fast geisterhaft bewegen sie sich auf einen zu – mal schneller, mal langsamer. Viele lassen sich mit einigen kräftigen Hieben oder Messerstichen ausschalten, andere erfordern deutlich mehr Durchschlagskraft in Form einer Schrotflinte.
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Was sofort auffällt: Silent Hill lässt grüßen. Wie in einem der bekanntesten Horror-Vorbilder verpackt man in Silver Pines seine Gegenstände in festen Inventar-Slots – und diese sind knapp bemessen. Man muss umschichten, nicht benötigte Dinge in Lagerkisten verstauen oder einfach ablegen. Mit der Zeit findet man Taschen, die das eigene Inventar erweitern. Natürlich lassen sich auch grüne, rote und weiße Kräuter pflücken, die in Flaschen gemischt zu Heiltränken werden.
Nach Hause telefonieren
Gespeichert wird an Telefonzellen: Man wählt eine bestimmte Nummer und erreicht so den Auftraggeber – was gleichzeitig als Speicherslot dient. Das kostet allerdings Geld: genau einen Dollar pro Speicherwunsch. Daher sollte man stets etwas Kleingeld parat haben. Stirbt man nämlich, startet man am letzten Speicherpunkt – und dieser kann aus eigener Erfahrung weit zurückliegen, sodass bereits erledigte Aufgaben erneut absolviert werden müssen.
- Foto: Wych Elm /Team17
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Die im Spiel verstreuten Kaffeemaschinen sollte man unbedingt nutzen, da eine Tasse Kaffee die eigene Ausdauer dauerhaft erhöht. Außerdem lohnt es sich, jeden Winkel gründlich zu durchsuchen: An den erstaunlichsten Orten verbergen sich Mementos, die Walker bei Ausrüstung wertvolle Vorteile verschaffen.
Rätsel, Rätsel, Rätsel
... und davon gibt es in Silver Pines reichlich zu lösen. Entweder benötigt man Kombinationen für Tresore mit wichtigen Gegenständen oder es müssen bestimmte Aktionen in der richtigen Reihenfolge ausgeführt werden, um die Geschichte voranzutreiben. Dabei kommt es durchaus vor, dass man im Laufe des Spiels an bereits besuchte Orte und Gebäude zurückkehrt, da sich dort Räume befinden, die erst mit neu gewonnenen Werkzeugen geöffnet werden können. Ein gutes Beispiel sind die vorhandenen Kanaldeckel, von denen sich manche erst im späteren Spielverlauf öffnen lassen.
Schnelle Action sucht man hier vergebens. Silver Pines ist träge, düster, langsam – und genau das macht seinen besonderen Reiz aus. Man muss sich nicht hetzen, sondern wägt ab und entscheidet in Ruhe. Hektische Stresssituationen gibt es kaum; höchstens bei den Kämpfen gegen deutlich stärkere Bossgegner wird es knifflig. Denn Munition ist rar, und reines Draufhalten reicht selten aus, um den Gegner in die Knie zu zwingen. Dass die Schemen als Manifestation von Eddies Schuldgefühlen auftreten, verleiht dem Spiel eine zusätzliche Dosis Dunkelheit und Kälte, die hervorragend zum Survival-Horror passt.
Fazit: Ein nostalgischer Horrortrip
Zu viel verraten möchten wir an dieser Stelle nicht – nur so viel: Neben dem Verschwinden von Eddie Velvet geht es auch um den mysteriösen Todesfall einer Frau namens Alice und die Schuldgefühle, die Eddie quälen. Es ist das Jahr 1993: Es gibt noch Telefonzellen, alte Schlitten aus den USA, Röhrenfernseher und Mikrowellen aus dem vergangenen Jahrhundert. Das Setting, der Dauerregen, die Dunkelheit und die stimmige Soundkulisse machen Silver Pines zu einem grandiosen Erlebnis für kühle Herbstage.
Auch wenn es nicht zu einhundert Prozent ein klassisches Metroidvania ist, so ist Silver Pines doch genau in diesem Genre anzusiedeln. Es ist ein stimmungsvoller, extrem atmosphärischer Trip in die tiefsten Abgründe der 90er-Jahre. Silver Pines erfindet das Rad zwar nicht neu, schnappt sich aber die besten Zutaten klassischer Survival-Horror-Spiele und verpackt sie in ein rundum gelungenes Gewand. Wer Lust auf ein entschleunigtes, düsteres Abenteuer hat und den Vibe von Silent Hill oder Twin Peaks liebt, kommt an diesem Spiel definitiv nicht vorbei.
MeinBezirk hat "Silver Pines" von Team17 zum Testen erhalten. Der Entwicker/Publisher hatte keinen Einfluss auf den Testbericht.
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