Blood of the Dawnwalker - Test
Eine zahnlose Geschichte oder ein Erlebnis mit Biss?

Beginnt eine neue Saga? Die Zeichen dafür stehen gut, denn The Blood of Dawnwalker hat nicht nur uns überzeugt. | Foto: Rebel Wolves / Bandai Namco
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  • Beginnt eine neue Saga? Die Zeichen dafür stehen gut, denn The Blood of Dawnwalker hat nicht nur uns überzeugt.
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Zwei Witcher-Veteranen, die in die Welt hinauszogen, um die Spielewelt mit einem neuen Titel zu erobern. The Blood of Dawnwalker beruht auf den Grundzutaten der Witcher-Reihe, wartet aber mit neuen Charakteren und einer neuen Geschichte auf. Ob uns diese in den Bann gezogen hat und wie es uns dabei ergangen ist, wollen wir euch in diesem Test erzählen.

Wir schreiben das Jahr 1347. Das idyllische Sangora Tal in den Karpaten wird von Skender Dragosti mit eiserner Hand regiert und zugleich von der Pest heimgesucht. Wer von der Pest infiziert ist, wird getötet – so will es Skender Dragosti. Während das Tal von der Pest geschwächt ist und Chaos Einzug gehalten hat, hat im Hintergrund ein anderer geschickt die Gunst der Stunde genutzt, um die Macht an sich zu reißen. Während einer Säuberungsaktion, bei der Coens kleine Schwester Lunka aufgrund der Pest umgebracht werden soll, taucht Brencis wie aus dem Nichts auf und tötet Skender und seine Mannen und heilt Lunka von der Pest, indem er ihr von seinem Blut zu trinken gibt.

Mit Skenders Tod steigt Brencis zum Herrscher des Tals auf, der zwar die Pest gebannt hat, aber dafür einen hohen Tribut von der ansässigen Bevölkerung einhebt. Einmal im Monat findet die sogenannte Blutmesse statt, bei der die Menschen Fürst Brencis ihr Blut geben müssen und im Gegenzug sein Blut erhalten, um gesund zu bleiben. Wobei es aber einen Haken gibt: Wer schwach ist, wird getötet. Und hier setzt Coens Geschichte an, denn Coens Mutter ist geschwächt. Sie verweigert die Nahrung, ist von Albträumen geplagt und zu schwach, um den Alltag noch selbstständig zu meistern. Da am Abend die Blutmesse ansteht, schickt Coens Vater Pieter ihn folglich zur örtlichen Heilerin Anca, um stärkere Kräuter für seine kranke Mutter zu besorgen, damit diese die Blutmesse übersteht.

Startpunkt Laslea

Mit dieser ersten Quest wird Coen sanft in die Spielwelt integriert, in der er die Dorfgemeinschaft und Blutwachen kennenlernt sowie auch gleich mit zusätzlichen Quests in Berührung kommt. Was zu Beginn auffällt, ist der Balken, der rechts oben am Bildschirm den Zeitfortschritt anzeigt. Genau dieser nimmt im Spiel eine tragende Rolle ein und beeinflusst unseren Spielfortschritt und die damit verbundenen Entscheidungen maßgeblich. Noch befindet sich Coen gerade am Beginn seiner Reise. Schon bei den ersten Aufgaben wird relativ schnell klar: Quests verbrauchen Zeit. Wie viel Zeit dabei vergeht, wird rechts immer mit einer Zahl vor der Sanduhr angezeigt. Manche der Aufgaben besitzen auch eine Dringlichkeit und wenn man dieser nicht nachgeht, weist das System einen darauf hin, dass die Quest fehlgeschlagen ist.

Coen steht aber schon zu Beginn unter Zeitdruck. Am Abend findet die Blutmesse statt und bis dahin muss er die Kräuter für seine Mutter von Anca besorgt haben. Trödeln ist also nicht drin. Da sich im Dorf Quests förmlich anbieten, muss man sich schon vorab entscheiden, welchen man nachgehen kann und welchen nicht – Konsequenzen inklusive. Die ersten paar Level gehen schnell von der Hand und können dann an Bildstöcken zum Verteilen der Skillpunkte genutzt werden. Allerdings verbraucht auch das Verteilen der Skillpunkte Zeit und so bleibt wiederum weniger Zeit, um Quests zu machen. Der Tag und die Nacht sind streng durchgetaktet – einfach nach Lust und Laune jede Quest zu machen, ist nicht drin.

Bildstöcke nehmen eine wichtige Funktion im Spiel ein. Wir können hier unsere Fähigkeiten verbessern, sie als Truhe verwenden, die Zeit vorspulen oder bequem von einem Ort zum anderen reisen. | Foto: Rebel Wolves / Bandai Namco
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Zu Beginn seiner Reise ist Coen noch menschlich. Er weiß um die Unterdrückung und Angst der Menschen und den Blutzoll, den sie regelmäßig entrichten müssen. Wer ausschert, nicht gesund ist oder den Fürsten enttäuscht hat, bezahlt einen hohen Preis. Diese untragbaren Umstände führen dazu, dass sich im Untergrund eine Widerstandsgruppe gebildet hat, die dagegen aufbegehrt. Auch Coens Vater schließt sich dieser Gruppe an, mit dem hehren Ziel, die Herrschaft der Vrakhiri zu beenden. Statt dem erhofften Sieg wird Coens Familie als Strafe gefangen genommen und Coen wird verwandelt. Wie sich aber herausstellt, nicht als vollwertiger Vampir, sondern als ein Mischwesen, das auch Dämmerblut genannt wird. Als Dämmerblut ist er tagsüber ein Mensch und wird erst mit Einbruch der Nacht zum Vampir.

Hier ticken die Uhren anders

Von diesem Zeitpunkt an bleibt Coen genau 30 Tage Zeit, um seine Familie zu retten, und wie wir zu Beginn angemerkt haben, spielt Zeit eine große Rolle. Coen ist als Charakter, wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Er ist ein unbeschriebenes Blatt, das keine besonderen Fähigkeiten noch Erfahrungen mit sich bringt. Und um sich Brencis stellen zu können, muss er erst einmal seine Fähigkeiten aufbauen. Diese teilen sich in Zauber, Schwertkampf und Vampirismus auf. Während die Schwertkampffähigkeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit angewendet werden können, beschränkt sich Zauber auf den Tag und Vampirismus auf die Nacht. Wild Punkte zu verteilen, macht also wenig Sinn. Viel eher sollte man sich gut überlegen, was Sinn macht und was gebraucht wird.

Bei jeder Quest, die man annimmt, steht dabei, wie viel Zeit die Absolvierung dieser verbraucht. Zeitmanagement ist daher essenziell. | Foto: Rebel Wolves / Bandai Namco
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Fast alle Fähigkeiten besitzen mehrere Ausbaustufen. Will man alle Punkte in eine Fähigkeit investieren, muss man Bücher kaufen oder finden, die eine bestimmte Fähigkeit ausbauen können. Eine weitere Möglichkeit stellen Gegner dar, die unter anderem auch besonderen Orten auf der Karte markiert sind. Um diese Orte der Macht auf der Karte sichtbar zu machen, muss man in der Nacht Türme erklimmen – tagsüber kann Coen nämlich nicht klettern.

Zeit kostet diese Aktion nicht. Genauso wenig wie die Erkundung des Sangora Tals und die Orte der Macht. Sobald man aber eine Quest annimmt, eine bestimmte Truhe öffnet, Skillpunkte verteilt, an Bildstöcken die Zeit schneller verstreichen lässt oder mit gewissen NPCs ein Gespräch führt, vergeht Zeit in unterschiedlichem Maße. Für das Spiel bedeutet das, dass man seine Aktionen stets abwägen muss, wenn man seine Familie zeitgerecht retten will.

Der Kartograph des Sangora Tals

Obwohl die Karte des Sangora Tals übersichtlich ist, gibt es viel zu tun. Auf der Karte eingezeichnet befinden sich neben den Spähtürmen auch die Bildstöcke, die eine Schnellreise ermöglichen, sofern man sie aktiviert hat. Sie dienen zudem auch als Truhe für die Gegenstände, die man aufbewahren möchte, ermöglichen das Leveln der Fähigkeiten und man kann auch die Zeit vorspulen. Das ist insofern dienlich, weil einige Quests nur zu einer bestimmten Tageszeit gemacht werden können.

Auf der Karte sind zunächst Quests und Bildstöcke markiert. Besondere Orte werden erst angezeigt, wenn man Spähertürme erklimt. | Foto: Rebel Wolves / Bandai Namco
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Während einige wichtige Stellen auf der Karte vorab eingezeichnet sind, muss man andere Spähtürme in der Nacht erklimmen, um diese auf der Karte aufzudecken. Erst dann finden sich auf der Karte Orte, die mit einem Fragezeichen versehen sind. In der Regel handelt es sich dabei um Orte der Macht, die mit Belohnungen winken, wenn man die Gegner besiegt.

Pimp me up

Wie auch in anderen RPG-Spielen besitzt The Blood of Dawnwalker ein umfangreiches Menü, das dem der Witcher-Reihe nicht unähnlich ist. Hier befinden sich unter anderem die aktiven Fähigkeiten, das Inventar oder auch der Reiter Herstellung. In letzterem können wir Heiltinkturen, Verstärkungstränke oder vampirische Tränke herstellen und diese in der Schnellwahl platzieren. Die Kräuter dazu können in der Welt gesammelt werden.

Heilende Verbrauchsgegenstände können jederzeit hergestellt werden, wenn man die erforderlichen Zutaten dafür hat. Während Heiltinkturen tagsüber das Mittel der Wahl sind, ist es Blut in der Nacht. | Foto: Rebel Wolves / Bandai Namco
  • Heilende Verbrauchsgegenstände können jederzeit hergestellt werden, wenn man die erforderlichen Zutaten dafür hat. Während Heiltinkturen tagsüber das Mittel der Wahl sind, ist es Blut in der Nacht.
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Während Tinkturen nur am Tag eingenommen werden können, kann sich Coen in der Nacht nur mit Blut heilen. Das geschieht entweder durch das Anzapfen von Gegnern im Kampf, dem Aussaugen von Tieren oder wenn besiegte Gegner Blutphiolen fallen lassen. Genauso wie die angelegte Rüstung sich dem Tag- und Nachtrhythmus anpasst, wechselt auch die Schnellwahl automatisch.

Das Kampfsystem & Gegner

Der Kampf in The Blood of Dawnwalker lässt sich grob als Blocken, Zuschlagen und Ausweichen beschreiben. Wer den ersten Teil von Witcher gespielt hat, wird sich noch an das Kampfsystem erinnern, in dem man auf die Beleuchtung des Mauszeigers achten musste. Es scheint so, als hätte man bei The Blood of Dawnwalker dieses System weiterentwickelt und ausgebaut. Gegner zeigen im Kampf mit Richtungspfeilen an, wie geblockt werden muss. Dabei können auch jederzeit Feinde von links und rechts angreifen, die ebenfalls geblockt werden müssen. Hat man das Kampfsystem einmal verinnerlicht, geht der Kampf recht gut von der Hand. Allerdings entpuppt es sich mit der Zeit als sehr repetitiv, weil es immer der gleiche Ablauf ist.

Durch die strikte Kampfvorgabe geht nicht nur eine gewisse Dynamik verloren, sondern auch die freie Herangehensweise an den Kampf selbst. Ob Wildschwein, Kobold, Vrakhiri oder Mensch – der Kampf läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Generell bietet die Welt von The Blood of Dawnwalker bei den Gegnern wenig Abwechslung. In der Umwelt lauern aggressive Wildschweine, Bären und Wölfe, und gelegentlich stößt man auf Kobolde. Was schade ist, denn das Sangora Tal wäre der perfekte Ort für andere mystische Wesen gewesen.

Vom Niemand zur Bedrohung 

Besonders wichtig im Bezug auf das Voranschreiten der Geschichte sind die Kämpfe gegen Brencis' Schergen. Bevor Coen Brencis entgegentreten kann, muss er sich dessen Vasallen Ambrus, Bakir und Xanthe zur Brust nehmen. Indem wir ihre Fußsoldaten ausschalten und ihre Operationen sabotieren, steigern wir nicht nur die individuelle Wutstufe der Vasallen, sondern erhöhen auch gleichzeitig unseren Ruf im Tal.

Unter dem Reiter Hof sehen wir welche Wutstufe wir bei den Vasallen haben und wie unser Ruf im Tal ist. | Foto: Rebel Wolves / Bandai Namco
  • Unter dem Reiter Hof sehen wir welche Wutstufe wir bei den Vasallen haben und wie unser Ruf im Tal ist.
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Das zieht natürlich Konsequenzen nach sich, denn Brencis erhöht unter anderem die Sicherheitsmaßnahmen. Für Coen ist dies aber der richtige Weg, weil er ihn seinem Ziel, seine Familie zu retten, Schritt für Schritt näherbringt. Ruf und Wutstufe können jederzeit im Menü unter dem Reiter Hof nachverfolgt werden. So weiß man zu jeder Zeit, wie es um den Ruf steht und welche Aktionen man als nächstes planen möchte.

Fazit

Dass sich The Blood of Dawnwalker wie eine The-Witcher-Veröffentlichung anfühlt, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Das Setting, die Kämpfe und auch das Abenteuer bringen eben aufgrund der Vorgeschichte der Entwickler starke Vibes dieser Richtung mit. Trotzdem ist es ein eigenständiges Spiel, das mit einer neuen Welt, neuen Geschichte und neuen Charakteren aufwartet. Unser Hauptcharakter ist jung und unerfahren und muss sich den Gegebenheiten erst anpassen und vieles neu lernen. Die Welt von The Blood of Dawnwalker ist lebendig und die Charaktere und ihre Dialoge glaubwürdig. Schön, dass die deutsche Vertonung so gut gelungen ist – das ist auch nicht immer der Fall und zeigt, wie viel Leidenschaft Rebel Wolves und ihr Team in das Spiel gesteckt haben. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten.

Was nicht überall gut ankommen wird, ist das rigorose Zeitlimit. Ob es sinnvoll ist, den Spielerinnen und Spielern ein Zeitlimit zur Absolvierung der Hauptgeschichte aufzuerlegen, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass eben nicht jede Quest gemacht werden kann und bei manchen ein Stressgefühl verursachen könnte. 

Ein anderer Schattenaspekt ist das Kampfsystem. Das Kampfsystem ist zwar gelungen, aber mit der Zeit einfach zu repetitiv. Einmal erlernt, laufen alle Kämpfe gleich ab und werden nur selten verloren. Entweder hat man kurz nicht auf einen anderen Gegner aufgepasst oder die falsche Taste gedrückt. Grundsätzlich können alle Kämpfe mit genug Zeit gewonnen werden. Manche Kämpfe dauern gefühlt endlos. Wir hatten auch nicht das Gefühl, dass gerade zu Beginn das Leveln des Schwertkampfs oder eine stärkere Waffe einen wirklichen Unterschied macht.

All die vielen Wildschweine, Bären und Wölfe zu bekämpfen wird mit der Zeit mühselig, und oftmals haben wir uns dabei ertappt, ihnen aus dem Weg zu gehen. Und wenn wir schon beim Wort gehen sind: Während wir in der Nacht als Wolf sehr schnell unterwegs sein können, bleiben tagsüber so manche Gewaltmärsche nicht aus – überhaupt weil es doch einiges zu entdecken gibt und nicht jeder kaputte Bildstock repariert werden will, wenn man dafür Zeit opfern muss.

Und trotz dieser Schattenseite ist The Blood of Dawnwalker unser persönliches Spiel des Jahres geworden. Die Geschichte rund um Coen, seine Familie und das Tal hat uns in ihren Bann gezogen. Man merkt in sehr vielen Details, wie viel Liebe Rebel Wolves in das Spiel gesteckt hat. Unabhängig davon, ob man ein Witcher-Fan ist oder nicht: Wer eine mitreißende Geschichte in einer detailreichen Welt mit glaubwürdigen Charakteren erleben möchte, sollte sich The Blood of Dawnwalker nicht entgehen lassen.

MeinBezirk hat "The Blood of Dawnwalker" von Bandai Namco zum Testen erhalten. Der Publisher hatte keinen Einfluss auf den Testbericht.

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