Test Directive 8020
So gut ist Supermassive Games neues Grusel-Abenteuer
- Directive 8020 setzt die "The Dark Picture Anthology" diesmal im Weltall fort. Was die Spielerinnen und Spieler erwartet, klären wir in unserem Test.
- Foto: Supermassive Games / Bandai Namco
- hochgeladen von Iris Wilke
„Im Weltraum hört dich niemand schreien" – wer Alien gesehen hat, dem wird dieser Satz ein Begriff sein, der auch seine Gültigkeit in Directive 8020 nicht verliert. Der neue Teil der The Dark Pictures Anthology-Reihe verlegt diesmal seinen Schauplatz auf das Raumschiff Cassiopeia, das sich auf dem Weg zu Tau Ceti f befindet. Für geraume Zeit haben auch wir einen Platz in der Crew eingenommen. Welche Erfahrungen wir dabei gemacht haben und wie wir diese Zeit erlebt haben, erfahrt ihr in unserem Logbuch.
Der Traum der Menschheit, die Weiten des Weltalls zu erkunden, neue bewohnbare, erdähnliche Planeten zu finden und dabei auf außerirdische Lebensformen zu stoßen, bleibt in der Realität wohl auch weiterhin einer. Nicht nur, dass unsere Antriebstechnik noch nicht so weit ist, sondern auch, weil die Distanzen im Universum so unendlich groß sind, dass eine Reise durch das Weltall auch in weiter Ferne wohl eher Weltraumteleskopen wie James Webb, Kepler oder TESS vorbehalten bleibt.
Der Planet Tau Ceti f ist keiner, der einer kreativen Idee entstanden ist. Bei Tau Ceti f handelt es sich um eine Super-Erde im Sternbild Walfisch, die von der Erde zwölf Lichtjahre entfernt ist und sich in einer potenziell habitablen Zone befindet. Würde man diesen Planeten wie unsere Kollegen auf dem Raumschiff Cassiopeia in nur vier Jahren Reisezeit erreichen wollen, müsste die Antriebstechnik 95% bis 98% der Lichtgeschwindigkeit erreichen.
Mission: Tau Ceti f
Was derzeit noch nicht technisch realisierbar ist, hat das Raumschiff Cassiopeia schon gemeistert. Sie befindet sich mit einer 10-köpfigen Crew auf einer vier Jahre dauernden Reise zum Planeten Tau Ceti f. Da die Erde im Sterben liegt, soll mit dieser Mission ein neuer Planet gefunden werden, auf dem die Menschheit eine Kolonie gründen und durch Terraforming bewohnbar machen kann. Während sich acht Crewmitglieder im Tiefschlaf befinden, bleiben Tomas Carter und Pari Simms wach, um die Kryoschlafkammern der anderen Crewmitglieder zu überwachen und die ordnungsgemäße Funktion der Systeme zu überprüfen.
Während die Tage der beiden von einer gewissen Monotonie geprägt sind, ändert sich das schlagartig, als das KI-System Orakel einen Meteoreinschlag meldet.
- Die Entscheidungsmöglichkeiten in Directive 8020 laden zu mehreren Spieldurchgängen ein, vorausgesetzt, man verzichtet in den Einstellungen auf die Rückspul-Funktion.
- Foto: Supermassive Games / Bandai Namco
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Und schon wird man als Spieler vor die erste Entscheidung gestellt: Orakel konsultieren oder die Schäden selbst untersuchen. Wir haben uns für letztere Option entschieden und Simms und Carter nach draußen geschickt. Dort entdecken wir ein großes Einschlagsloch und eine seltsame Substanz, die Simms als Flüssigkeitsleckage abtut. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein zeigt, denn bei der ominösen Flüssigkeit handelt es sich um eine außerirdische Masse, die leider nichts Gutes im Schilde führt und uns für den Rest des Spiels ordentlich auf Trab halten wird.
We are S(crew)ed
Nachdem Orakel die Schiffsarchitektin Laura Eisele aus dem Tiefschlaf holt, ist diese verwirrt, denn eigentlich hätte sie von Carter oder Simms geweckt werden sollen. Nach und nach werden die restlichen Teammitglieder aus dem Hyperschlaf geweckt und man lernt die unterschiedlichen Persönlichkeiten und ihre Aufgabengebiete kennen. Jeder im Team ist handverlesen für die Mission ausgewählt und trainiert worden. Animositäten kann man sich nicht leisten und in kritischen Situationen muss Ruhe gewahrt werden. Dafür sorgt auch der kommandierende Offizier Nolan Stafford, der eine spezielle Bindung zu Brianna Young, der Pilotin, hat. Als zweiten Piloten lernen wir Noah Mitchell kennen, der gemeinsam mit Young das Raumschiff manövriert.
- Irgendwas läuft nicht ganz rund auf der Cassiopeia.
- Foto: Supermassive Games / Bandai Namco
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Mit an Bord der Cassiopeia ist auch Dr. Samantha Cooper, zuständig für die medizinische Versorgung der Crew. Sie hat einen sehr guten Draht zur Wissenschaftstechnikerin Zoe Anders. Beiden ist der Finanzier und CEO von Corinth, LaMarcus Williams, nicht ganz geheuer. Als einziger Charakter auf dem Raumschiff nimmt LaMarcus Williams eine undurchsichtige Rolle ein, bei der man nicht genau weiß, was man von diesem Charakter halten soll – ein Mann, der Wissenschaft und Geld über Moral und Gewissen stellt. Und dann wäre da noch Josef Cernan, der technische Ingenieur und Mann fürs Grobe, der ausrückt, wenn es etwas zu reparieren gibt. Im Laufe des Spiels wechselt man immer wieder zwischen den Charakteren, um beispielsweise Ventile zu schließen oder Treibstoff umzufüllen.
Es gibt also nicht einen Charakter, auf den man sich fokussiert, sondern man lernt alle Teammitglieder kennen. Der Fokus auf die Crew verdeutlicht, dass sich alle in der gleichen aussichtslosen Lage befinden. Als die Cassiopeia, ausgelöst durch einen technischen Fehler, auf Tau Ceti f abstürzt, wird die Lage richtig ernst für die Besatzung. Nun geht es nicht mehr nur um den außerirdischen Eindringling, sondern darum, dem Planeten irgendwie zu entkommen – denn Tau Ceti f ist für Menschen noch weit davon entfernt, eine neue Erde zu sein.
So spielt sich Directive 8020
Wie auch bei Until Dawn, Man of Medan oder House of Ashes, um nur einige Spiele aus der „The Dark Pictures Anthology" zu nennen, bleibt Directive 8020 ein teilweise interaktiver Film, bei dem man zwischendurch selbst in Aktion treten kann. Gilt es Entscheidungen zu treffen – und diese haben alle eine Auswirkung auf den Spielverlauf. Zur Auswahl stehen drei Schwierigkeitsgrade: "Nachsichtig", "Herausfordernd" und "Tödlich". Je leichter der Spielgrad ist, desto eher werden Fehlentscheidungen verziehen. So kann man beispielsweise eine entscheidende Szene zurückspulen oder einrichten, dass man Quick-Time Events eine Vorwarnung erhält, damit man im entscheidenden Moment die richtige Taste oder den richtigen Button am Controller drückt.
- Gelegentlich finden Zeitsprünge statt, die entweder in die Vergangenheit oder in die Zukunft führen. Bei dem Zeitsprung in die Vergangenheit lernt man Staffords Beweggründe für die Teilnahme an der Mission kennen.
- Foto: Supermassive Games / Bandai Namco
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Insgesamt handelt es sich um acht spielbare Episoden, in denen sich die Handlung langsam aber stetig entfaltet. Zwischen manchen Episoden kommt es zu Zeitsprüngen, die entweder Vergangenes beleuchten oder spielerisch in die nahe Zukunft. Während man beim Zeitsprung in die Vergangenheit eine passive Rolle als Zuschauer einnimmt, gibt es beim Zeitsprung in die Zukunft die Möglichkeit aktiv in die Geschichte einzugreifen. Quasi nach dem Prinzip: Was vergangen ist, lässt sich nicht mehr ändern. Die Zukunft steht jedoch offen.
Fazit
Ein Setting im Weltraum, ein potenziell bewohnbarer Planet und eine Geschichte, die uns schon bei der Ankündigung von Directive 8020 neugierig gemacht hat. Was kann schon schiefgehen, wenn ein Entwickler wie Supermassive Games hinter dem Spiel steckt, der in der Vergangenheit ein großartiges Until Dawn veröffentlicht hat. Directive 8020 spielt sich wie seine Vorgänger. „Falsche" Entscheidungen werden je nach Schwierigkeitsgrad bestraft, Teammitglieder können versterben und man muss gewisse Aufgaben erledigen. Weiß man nicht, in welche Richtung man sich bewegen muss, kann man sich diese per Tasten- oder Knopfdruck anzeigen lassen. Will man etwa wissen, wo sich im schlecht beleuchteten Raumschiff ein Gegner befindet, kann man das über den Scanner machen. Und das braucht man auch, denn in vielen Passagen muss man unbemerkt am Gegner vorbeischleichen. Offene Kämpfe mit dem Gegner gibt es hingegen nicht. Und wer sich allein fühlt, kann mit den Teammitgliedern virtuell Kontakt aufnehmen und ihnen schreiben.
- Während man als einer der Charaktere auf dem Raumschiff unterwegs ist, kann man mit seinen Crewmitgliedern Kontakt aufnehmen.
- Foto: Supermassive Games / Bandai Namco
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Viel eher setzt das Spiel darauf, dass Spannung und Furcht durch die bedrohliche Atmosphäre und die kritische Lage der Crew geschaffen wird. Spärlich beleuchtet, streckenweise enge Passagen und ein paar wenige Schreckmomente – Directive 8020 ist sparsam bei den Jump scares. Unangenehm bleibt das Spiel aber auch ohne die Schreckmomente, denn der psychologische Aspekt rückt im Verlauf des Spiels immer weiter in den Vordergrund und je weiter das Spiel voranschreitet, nimmt auch die Handlung dramatisch an Fahrt auf. Das Misstrauen untereinander wächst entsprechend der Umstände an – von Paranoia zu sprechen, wäre aber zu viel des Guten. Die Emotionen bleiben überraschend unter Kontrolle.
Gerade hier wäre es schön gewesen, wenn wir einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere erhalten hätten. Verzweiflung, Furcht, Hilflosigkeit – all das kommt etwas zu kurz. Nach 6 bis 8 Stunden ist der Weltraum-Horror leider vorüber. So unangenehm es aus unserer Perspektive war, sich dem Horrorszenario auszusetzen, so gut waren wir auch vom Spiel unterhalten. Und das zeigt, dass Supermassive Games mit Directive 8020 sehr viel richtig gemacht hat.
MeinBezirk hat "Directive 8020" von Bandai Namco zum Testen erhalten. Der Publisher hatte keinen Einfluss auf den Testbericht bzw. auf den Veröffentlichungszeitpunkt.
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