Unscheinbare Grätzl
"Stadträume" als Reiseführer für ortskundige Wiener
- Herausgeber der "Stadträume" Florian Bettel und Korinna Lindinger erklären die Besonderheit an ihrem Reiseführer.
- Foto: Scheiber/MeinBezirk
- hochgeladen von Philipp Scheiber
Aus einem Unikurs der Angewandten ist der Reiseführer "Stadträume" entstanden. Auf über 200 Seiten werden übersehene Orte und Plätze in Wien durch nahbare und einfallsreiche Blickwinkel beleuchtet.
WIEN. Stephansplatz, Karlsplatz oder doch der Reumannplatz. An diese Orte wandern wohl die meisten Gedanken der Wienerinnen und Wiener, wenn man über "Plätze" in ihrer Stadt redet.
Abseits der Touristenpfade finden sich jedoch Orte, die vor Leben, Unterschieden und Geschichte nur so strotzen, die allerdings nur die Grätzlbewohner kennen – geschweige denn wertschätzen.
Die Universität für angewandte Kunst machte es sich zur Aufgabe, genau diese versteckten Plätze unter die Lupe zu nehmen. Die einzelnen Geschichten wurden im Buch "Stadträume" zusammengetragen. "Dieses fugiert als Reiseführer für Personen, die in ihrer Stadt neue Perspektiven suchen", erklären die Herausgeber Florian Bettel und Korinna Lindinger.
Mehr als eine Seminararbeit
Im unauffälligen Taschenbuch versteckt hinter einem braunen Einband, finden sich fünf Reisen auf unscheinbare Plätze Wiens. Die Geschichten wurden von Illustrationen abgetrennt, die das Wesen der Hauptstadt beschreiben. Entstanden ist das Projekt im Zuge der Lehrveranstaltung Kunst- und Kulturwissenschaften. Manche Studentinnen und Studenten gaben sich allerdings mit der Erfüllung ihres Kurses nicht zufrieden und strebten eine Publikation an.
In diesem nun veröffentlichten Band wurden "eigentlich langweilige Plätze in Wien beschrieben", erklärt Lindinger. In den Beiträgen wurde aber auf eine ungeahnte Art und Weise aufgegriffen, was einen Platz zu einem guten Platz macht und so konnte ihre einstige Befürchtung gestillt werden. Den Geschichten wurden durch Besichtigung der Plätze, Gesprächen mit den Personen vor Ort oder auch Vergangenheits-Recherchen in den Bezirksmuseen Leben eingehaucht.
Was die Wiener anspricht
Zusammengefasst soll es sich bei "Stadträume" um einen Reiseführer handeln, der sich wie ein Buch "wegliest". "Es geht einfach darum, diese Vielstimmigkeit von Wien in Geschichten einzufangen. Die sind durchwegs amüsant zu lesen und man kann den Autorinnen und Autoren sehr gut folgen", führt Bettel aus.
- In über 200 Seiten werden unscheinbare Orte in Wien entdeckt.
- Foto: FB
- hochgeladen von Philipp Scheiber
Es werden unterschiedliche Geschichten von den Plätzen erzählt, die Vergangenheit, Gegenwart und manchmal auch die Zukunft beleuchtet. Beispielsweise wird aufgegriffen, warum es interessant sein kann, sich am Asperner Heldenplatz neben einer achtspurigen Straße aufzuhalten oder ausgegraben, wer eigentlich Hannah Arendt ist. "Ich finde, dass sich herausliest, dass alle Autorinnen ihre Plätze wirklich auf unterschiedliche Arten und Weisen zu schätzen begonnen haben", so Lindinger.
Bettel fügt darüber hinaus an, dass die Texte nichts beschönigen: "Die Beiträge sind nicht unnötig aufgehübscht. Es geht nicht darum, Leute von diesen Plätzen zu überzeugen. Die Ecken und Kanten werden nicht versteckt."
Mit ihrer Heimat versöhnt
Dem Interview mit MeinBezirk beiwohnte Lisa Heuschober, Verfasserin von "Transit(t)raum Elterleinplatz". Aufgewachsen in der Nähe des Elterleinplatz, flüchtete sie für das Studium aus dem 17. Bezirk und blickt nun, Jahre später, auf ihren einst verhassten Platz zurück. "Heute habe ich mich mit meinem Jugendnostalgieort versöhnt, bin sogar ein Fan geworden", so die Autorin.
- Autorin Heuschober auf einer Besichtigungs-Tour am Elterleinplatz.
- Foto: FB
- hochgeladen von Philipp Scheiber
In ihrer 22 Seiten langen Reise in und über den Elterleinplatz nahm sich Heuschober den "wahnsinnig lauten Platz" an. Sie kam nach und nach zur Realisation, dass der Platz trotz des Verkehrs, aufgrund der sozialen Ader, ein wirkliches Highlight ist. "Also wie ließe sich das vereinigen? Das ist so die Frage, mit der ich ausgestiegen bin", so Heuschober.
Das Buch ist sowohl im Wien Museum am Karlsplatz 8 in der als auch im MUSA in der Felderstraße 6–8 erhältlich. Der 236 Seiten lange Band kostet 19 Euro.
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