Interview mit Cyber-Experte und Buchautor Cem Karakaya
Das sind die Gefahren im Internet

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Die Internetkriminalität ist auch 2018 in Österreich gestiegen. Wie gefährlich ist die Digitalisierung?

WIEN. Cyberkriminalist und Buchautor Cem Karakaya über die größten Gefahren im Netz, die Leichtsinnigkeit der User und darüber, wie man Hackern das Leben schwer machen kann.

Was sind denn die größten Gefahren im Internet?

CEM KARAKAYA: Die größte Gefahr sitzt nur 50 Zentimeter vom Bildschirm entfernt. Der Computer rechnet mit allem, aber nicht mit seinem Benutzer.

Wie kann ich mich schützen?

Das Wichtigste ist, Aktualisierungen von Soft- und Hardware so schnell wie möglich durchzuführen. Würde das jeder Mensch weltweit machen, würde die Internetkriminalität um 70 Prozent sinken.

Ist sichere Kommunikation im Netz überhaupt möglich?

Wenn man die richtigen Maßnahmen trifft, durchaus. Viren und Trojaner verhalten sich wie Einbrecher. Sie stoßen auf ein System, überprüfen, ob Maßnahmen getroffen wurden, wenn nicht, sind sie drauf. Wenn doch, gehen sie weiter. Denn Trojaner suchen sich leichte Opfer und wollen nicht entdeckt werden.

Sie halten auch Vorträge an Schulen. Wie sicher sind Kinder im Umgang mit dem Internet?
Technisch gesehen, kennen sie sich gut aus. Aber sie haben keine Ahnung, was sie tun. Sie schicken Nacktfotos von sich herum – sogenannte Sexting-Bilder – und wissen nicht, dass sie sich damit wegen Erstellung und Verbreitung von Kinderpornografie im Internet strafbar machen. Sie glauben, das Internet sei ein rechtsfreier Raum – übrigens viele Erwachsene auch. Aber das ist falsch. Auch das Mobben, Bedrohen und Beleidigen in sozialen Netzwerken oder über WhatsApp sind strafbar.

Sollte man Ihrer Meinung nach die sozialen Netzwerke abschaffen?
Wenn Sie mir die Befugnis geben würden, würde ich das sehr gerne tun.

Mangelt es an der richtigen Schulung?

Definitiv. Kinder sollten in der Schule nicht nur lernen, wie man eine Powerpoint-Präsentation erstellt, sondern auch, wie man sicher im Internet surft und warum kostenlose Apps sehr teuer sind – weil man mit seinen persönlichen Daten bezahlt. Das Stichwort lautet Medienkompetenz.

Haben Sie selbst Kinder?

Ja, eine achtjährige Tochter.

Wird sie ein Smartphone bekommen?
Erst mit 16 Jahren. Das hat auch einen medizinischen Hintergrund. Denn erst mit 16 kann man zu 100 Prozent zwischen Realität und Virtualität unterscheiden. Früher ist das nicht möglich.

Besitzen Sie ein Smartphone?
Ja. Aber ich habe meine Maßnahmen getroffen. Ich habe von meinem Anti-Viren-Programm fünf Sicherheitsapps drauf. Meine Passwörter sind mindestens 30-stellig und ich ändere sie jeden Monat.

Welche gängige App findet man nicht auf Ihrem Handy?

WhatsApp und alle sozialen Netzwerke.

Kaufen Sie online ein?

Nein. Meine Kontonummer kennen nur mein Arbeitgeber und das Finanzamt.

Das Internet: Fluch oder Segen?
Eigentlich beides. Leider haben sich die Menschen selbst zu Sklaven gemacht. Sie glauben, die Digitalisierung würde ihnen Arbeit abnehmen. Aber Fakt ist, wir benutzen Onlinebanking und scannen unsere Einkäufe an den Supermarktkassen selbst. Wir machen den Job anderer, ohne dafür bezahlt zu werden – und sind auch noch fasziniert davon.

Cyber-Experte Cem Karakaya kommt nach Wien und wird exklusiv für unsere Leser einen Vortrag halten. Am Donnerstag, 13. Juni, wird er um 17.30 Uhr im Cine Center (1., Fleischmarkt 6) über Gefahren im Internet aufklären und unseren Lesern Rede und Antwort stehen. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung erforderlich!

Hier zum Vortrag anmelden!

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