Blühende Baumscheiben für Straßenbäume
Wiener Baumscheiben im Wandel
- hochgeladen von Gaby H.
Ein Blick auf die Baumscheiben entlang von Straßen zeigt, wie sich der Umgang mit Straßenbäumen verändert hat. Wo früher Asphalt oder Pflaster bis direkt an den Stamm reichten, wachsen heute u.a. Stauden, Gräser und Wildblumen. Diese kleinen Grünflächen verschönern nicht nur das Stadtbild, sondern verbessern auch die Lebensbedingungen von Bäumen, Wildtieren und letztlich uns Menschen.
Straßenbäume sind unverzichtbar für das Stadtklima
Straßenbäume sind weit mehr als Gestaltungselemente. Sie filtern Feinstaub und Schadstoffe aus der Luft, binden Kohlendioxid, produzieren Sauerstoff und kühlen ihre Umgebung durch Schatten und Verdunstung. Angesichts zunehmender Hitzewellen gewinnen sie für das Stadtklima immer mehr an Bedeutung. Diese wichtigen Aufgaben können jedoch nur gesunde Bäume erfüllen.
Leben unter schwierigen Bedingungen
Straßenbäume im urbanen Raum leben unter extremen Bedingungen. Unter der Erde begrenzen Leitungen ihren Wurzelraum, oberirdisch verhindern versiegelte Flächen oft das Versickern von Regenwasser. Hinzu kommen Bodenverdichtung, Streusalz, Luftschadstoffe, Hundeurin, Trockenheit und hohe Sommertemperaturen. Auch immer wieder durchgeführte Kronenrückschnitte für das Lichtraumprofil bedeuten zusätzlichen Stress. Damit sich ein Baum gesund entwickeln kann, braucht er ober- und unterirdisch genügend Platz. Eine ausreichend große Baumscheibe ist dafür eine wichtige Voraussetzung und sollte bereits bei Neupflanzungen angelegt werden.
Kleine Flächen mit großer Wirkung
Die Gestaltung der Baumscheiben hat sich im Laufe der Jahre deutlich verändert. Waren die Flächen rund um den Stamm früher häufig versiegelt, sorgten später Schutzbügel vor Beschädigungen durch Fahrzeuge und wasserdurchlässige Pflasterungen für bessere Bedingungen. Heute prägen vielerorts begrünte Baumscheiben mit Stauden, Gräsern und Blühpflanzen das Straßenbild. Ausgangspunkt dieser Entwicklung war eine Bürgerinitiative im 2. Bezirk. Aus einer regionalen Begrünungsaktion engagierter NachbarInnen entstand ein stadtweites Programm der Stadt Wien. Heute können AnrainerInnen Baumscheiben selbst bepflanzen und pflegen und so kleine Grünoasen vor der Haustür schaffen. Damit die Begrünung dauerhaft gelingt, sind einige Regeln zu beachten: Die Sicht im Straßenverkehr muss frei bleiben, und der Baum darf weder durch Kletterpflanzen noch durch Nägel, Draht oder Schnüre beschädigt werden. Zur Unterpflanzung eigenen sich heimische, mehrjährige Stauden, die zahlreichen Insekten Nahrung bieten. Beim Pflanzen sollte der Boden nur oberflächlich gelockert und rund um den Stamm ein kleiner Bereich freigehalten werden. Eine natürliche Düngung mit Hornspänen sowie eine Mulchschicht aus Grasschnitt oder Holzhäckseln verbessern zusätzlich die Bodenqualität. Wer möchte, kann die Baumscheibe mit einem kleinen Hinweisschild, einem Insektenhotel oder einem Nistkasten ergänzen. Regelmäßiges Gießen und ein Rückschnitt der Stauden im Frühjahr sichern den langfristigen Erfolg.
Mehr Artenvielfalt mitten in der Stadt
Blühende Baumscheiben bieten Nahrung und Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen sowie zahlreiche weitere Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen. Davon profitieren wiederum Vögel und Fledermäuse. Je mehr dieser kleinen Grünflächen entstehen und miteinander vernetzt sind, desto besser können sich Wildtiere im Siedlungsraum ausbreiten. Auch für den Baum bringt die Bepflanzung Vorteile, sie beschattet den Boden, verringert die Verdunstung, verbessert die Bodenstruktur und erleichtert das Versickern von Regenwasser.
Für die Zukunft
Zunehmend kommt bei Neupflanzungen von Straßenbäumen das Schwammstadt-Konzept zum Einsatz. Dabei wird Regenwasser im Untergrund gespeichert und den Bäumen in Trockenzeiten wieder zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig erhalten die Wurzeln mehr Platz. Der Klimawandel macht deutlich, dass Städte künftig mehr gesunde Bäume benötigen. Gleichzeitig fördert das europäische Renaturierungsgesetz den Ausbau von Grünflächen, eine Baumüberschirmung und Neupflanzungen. Dabei ist für die Biodiversität und das ökologische Gleichgewicht entscheidend klimaresistente und heimische Baumarten auszuwählen.
Die Fotos zeigen den Umgang mit Baumscheiben in Wien, es gibt viele Varianten. Sie reichen von versiegelten Flächen und zweckentfremdeten Fahrradabstellplätzen über geschützte Baumscheiben im Baustellenbereich bis hin zu liebevoll gepflegten oder fachgerecht mit blühenden Stauden bepflanzte Baumscheiben.
Die Beispiele verdeutlichen, wie wichtig Schutz, Pflege und eine gute Versorgung unserer Stadtbäume sind – besonders bei älteren Bäumen. Schon einfache Maßnahmen können die Lebensbedingungen von Stadtbäumen verbessern. Schutz, Pflege und ausreichend durchwurzelbarer Boden sollten daher selbstverständlich sein. Das stärkt nicht nur die Bäume selbst, sondern auch die Artenvielfalt und die Lebensqualität in unserer Stadt.
Foto (C) Gaby H.
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