01.12.2017, 16:03 Uhr

„Wenn ich nicht weiter weiß, frag ich die Kapuziner“

Bruder Marek Król (li) bei gemeinsamen Aktivitäten mit einem jungen Ehrenamtlichen. Bild: (c) Kapuziner/ Klaus Prokop (Foto: (c) Kapuziner/ Klaus Prokop)
Wiener Neustadt: Kapuzinerkloster |

In Wr. Neustadt begleiten Ordensbrüder junge Erwachsene bei Berufs- und Lebensentscheidungen

„Wenn ich irgendwo nicht weiter weiß, rufe ich Bruder Marek an!“ Das erzählt Theresa F. (20) „Er weiß Rat.“ Theresa teilt ihre Erfahrung mit vielen anderen jungen Ehrenamtlichen im Kapuzinerkloster Wiener Neustadt. „Ich kann mit allem kommen“, meint etwa Christoph S. (29). Für die beiden jungen Leute ist das Kloster seit Jahren ein Stück Heimat und Lebensraum. Auch ihrer persönlichen Erfahrung planen sie nun gemeinsam mit den Kapuzinerbrüdern einen Tag, in dem es speziell um diese Übergangs- und Entscheidungszeiten geht. Am 9. Dezember ist es soweit: „Franziskanischer Lebenstraum“ ist das Motto dieses Tages. Geplant ist eine Mischung aus Impulsen, Austausch, Stille und Gemeinschafts-Elementen wie dem gemeinsamen Kochen und Essen.


Franziskanischer Lebenstraum

Der Wunsch nach einem gelingenden Leben ist allen Menschen gemeinsam, der Weg dorthin für jeden Menschen ein anderer und sehr persönlicher. Theresa studiert heute Mathematik. Das war aber nicht immer klar. „In der Zeit zwischen Matura und Studium, als ich nicht so genau wusste, wohin es geht, war die Unterstützung und Begleitung durch die Kapuziner besonders wichtig,“ erzählt sie. „Da stellen sich alle möglichen Fragen, die oft auf den ersten Blick gar nichts mit Religion zu tun haben.“ Genau hier setzt das Angebot „Franziskanischer Lebenstraum“ an: Austausch und Impulse für den jeweils eigenen Weg vor dem Hintergrund franziskanischer Spiritualität. Theresa und Christoph helfen mit bei der Vorbereitung dieses Tages für andere junge Erwachsene. Christoph: „Was ich selbst bekommen habe, das möchte ich auch weitergeben.“


Berufung: Der jeweils eigene Weg

„Die Wirklichkeit, die Gott für jeden von uns als Weg vorgegeben hat, das ist für mich Berufung!“ so Bruder Marek Król. „Leben gelingt, wo Menschen ihre jeweils eigene Berufung entdecken.“ Der Kapuziner aus Wr. Neustadt wurde im Juni zum Vertreter des Ordensoberen für ganz Österreich und Südtirol gewählt. Zusätzlich koordiniert er für diesen Bereich die Angebote für junge Leute. In seinem eigenen Kloster bietet er schon seit vielen Jahren gemeinsam mit den Mitbrüdern Impulse, Kurse und „einfach einen Ort zum Leben“ für Familien, Jugendliche und junge Erwachsene an. „Der Kurs „Franziskanischer Lebenstraum ist zustande gekommen, weil junge Leute wie Theresa und Christoph auf uns zugekommen sind und gesagt haben: So etwas hätten wir gern“, erzählt er. „Diese Veranstaltung ist nun speziell für die Altersgruppe 18+, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen. Berufs- und Lebensentscheidungen brauchen eine besondere Aufmerksamkeit.“ Dieser Tag ist nicht das einzige Angebot der Kapuziner für junge Erwachsene. Im Laufe der letzten Monate wurde bei den Kapuzinern intensiv an einer Neukonzeption entsprechender Angebote gearbeitet, die bei Berufs- Lebens- und Berufungsfindung helfen sollen. Gemeinsam mit anderen franziskanischen Ordensgemeinschaften organisieren sie etwa ein franziskanisches Berufungsjahr, in der sich junge Leute über ein Jahr in mehreren Treffen begleiten lassen können. Auch am freiwilligen Ordensjahr beteiligen sich die Kapuziner.


Papst Franziskus: Jugend unterstützen im Jahr der Jugendsynode

Unterstützung für die Neukonzeption zahlreicher Angebote kommt von niemand geringerem als Papst Franziskus. „Im Grunde kommt der Aufruf vom Papst selbst. Er ermutigt uns speziell in diesem Jahr vor der Jugendsynode, Angebote zu Berufungsfindung zu machen!“ so Bruder Marek Król. Der Hintergrund franziskanischer Spiritualität stelle dabei einen optimalen Rahmen dar. „Wir erleben tagtäglich, wie verschieden Menschen sind, auch bei uns Kapuzinern“, erzählt er schmunzelnd. „Es gibt bei uns Mitbrüder, die Randgruppen-Seelsorge betreiben und Gefängnis-Seelsorger, in anderen Klöstern sind zahlreiche Gebetskreise im herkömmlichen Sinn beheimatet.“ Aus der Erfahrung der eigenen Vielfalt wollen die Brüder junge Leute dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden. Neben den bereits genannten Veranstaltungen gibt es auch zahlreiche weitere sehr breit ausgerichtete Angebote, wie etwa eine Fußwallfahrt nach Assisi, Silvester im Kloster oder die Möglichkeit eines freiwilligen Auslandseinsatzes.

Kapuziner: Stille, Gemeinschaft und soziales Wirken

Die Ordensgemeinschaft der Kapuziner stellt neben Franziskanern und Minoriten den jüngsten Zweig der franziskanischen Männerorden dar, die auf den Hl. Franziskus von Assisi zurückgehen. Das Leben eines Kapuziners beruht auf Leben aus dem Gebet und der Stille, sozialem Wirken bei Bedürftigen und Gemeinschaft untereinander und mit den Menschen. Die Ordensgemeinschaft entstanden Anfang des 16. Jahrhunderts in Italien und wurde 1528 anerkannt. Heute gibt es weltweit etwa 10.500 Kapuziner in 106 Ländern. Als Kapuziner tritt man in eine Ordensprovinz und nicht etwa in ein Kloster an einem bestimmten Standort ein. In der hiesigen Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol leben ca. 100 Brüder in 17 Standorten zusammen. Das Kloster Wiener. Neustadt hingegen wurde bereits Mitte des 13. Jahrhunderts, ursprünglich als Minoritenkloster erbaut – wenige Jahre nach dem Tod des Ordensgründers Franz von Assisi 1228. Die erste verlässliche urkundliche Erwähnung stammt aus 1267. Grundsteinlegung für den Umbau zum Kapuzinerkloster erfolgte 1623. Seitdem leben und arbeiten Kapuziner in Wr. Neustadt.

Mehr Informationen:

Website der Kapuziner
Kapuziner auf Facebook
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