Trockener Wienerwald
Experte zeigt, wie die Dürre den Anzbach und die Fische bedroht
- Gewässerökologe Martin Mühlbauer zeigt MeinBezirk den ausgetrockneten Anzbach und was das für das Ökosystem bedeutet.
- Foto: Lauren Fahrenberger / MeinBezirk
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Diesen Sommer trafen extrem hohe Temperaturen auf extrem wenig Regen. Hier kam es zu Aufzeichnungen, wie man sie noch nie gemessen hat. Gewässerökologe Martin Mühlbauer steigt mit MeinBezirk in den Anzbach und zeigt, seinen katastrophalen Zustand.
MARIA ANZBACH. Ein kleiner Fischschwarm schwimmt verzweifelt in einem seichten, kleinen Becken auf und ab. Es ist eine der wenigen Stellen, wo der Anzbach noch nicht ausgetrocknet ist. Die Elritzen sind eingeschlossen. Sollte Temperatur und Trockenheit länger anhalten, blüht ihnen dasselbe Schicksal, wie tausenden Fischen im Wienerwald: der Tod auf einer trockenen Sandbank.
Der Kampf der Überlebenden
Der Elritzen-Schwarm hat Glück, dass Martin Mühlbauer vorbeigekommen ist. Gemeinsam mit der MeinBezirk-Redakteurin gräbt er eine Verbindung zu einem tieferen Wasserbecken, das gleich daneben liegt. Wenn sie den Weg finden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fische überleben.
- Das Wasser fließt, hoffentlich finden die Fische in die tiefere Wasserstelle.
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Wir gehen weiter. Durch einen Abschnitt vertrocknetem Bachbett. Immer wieder sichten wir tote Krebse oder Fische. Überall, wo keine Bäume wachsen, aber noch etwas Wasser steht, haben sich dicke Algenbetten gebildet.
- Ist das Wasser zu warm und nährstoffreich bilden sich Algen, die allerdings in der Nacht dem Gewässer Sauerstoff entnehmen.
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Das Problem mit den Algen: Sie sind ein Indikator dafür, dass der Fluss von der Sonne zu sehr aufgeheizt wird und viele Nährstoffe im Wasser sind, erklärt Mühlbauer. Untertags produzieren sie zwar Sauerstoff, aber in der Nacht entnehmen sie ihn wieder. Je kleiner, das Becken, desto verheerender für die Bewohner. Denn Krebse, Insektenlarven und Fische können so über Nacht ersticken.
Ursachen für die Trockenheit
Die extreme Trockenheit im Wienerwald ist darauf zurückzuführen, dass wir keine feuchte Atlantikluft mehr nach Österreich bekommen, erklärt der Ökologe. Denn der sogenannte Jetstream, eine Luftströmung, die für unser Klima verantwortlich ist, hat sich in die nördlichen Breitengrade verzogen. Ebenso der Golfstrom im Atlantik, wie er umgangssprachlich genannt wird, verlangsamt sich. Deutliche Folgen des Klimawandels. Das Ergebnis: Die Hitzetage haben sich verzehnfacht, im Vergleich zu den 1980er Jahren.
- Durch Klimawandel und tiefem Grundwasserstand trocknen Wienerwalds Bäche immer öfter aus.
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Lokal gesehen, ist die steigende Entnahme des Grundwassers ein großes Problem. Die vielen Brunnen in der Umgebung sorgen indirekt dafür, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Wodurch der Bach keinen Zufluss mehr bekommt und austrocknet.
Lösungsvorschläge
Durch den Klimawandel werden solche Extremwetterereignisse nicht seltener werden, weiß der Ökologe. Im Gegenteil. Lange Trockenheit, Hochwasser im Herbst und eiskalte Winter werden häufiger. Höchste Zeit, Maßnahmen zu setzen. Um dem Anzbach und seinen Flusskollegen eine Überlebenschance zu geben, ist es wichtig, wieder einen natürlichen Flusslauf herzustellen. Das heißt, Furten, Kiesbänke und Buhnen im Fluss bauen oder entstehen lassen.
- Hier ist das Bachbett ausgeschwemmt durch die Buhne und die Fische haben einen letzten Rückzugsort.
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Drei solcher Buhnen zeigt uns Mühlbauer im Anzbach. Die hat der berechtigte Fischer künstlich errichten lassen – mit großen Steinen, Höhlen und viel Geäst. Darunter finden Fische Schutz vor Sonne, Fischreiher und Otter. Bei Hochwasser führen die Steine dazu, dass der Bachlauf ausgeschwemmt wird – also wieder tiefere Stellen entstehen.
- Werden Bäume wie diese abgeschnitten, wird verhindert, dass sich sogenannte Kolke bilden. Denn Hochwasser schwemmt unter überhängenden Stämmen einen Graben aus, der bei Niederwasser das Überleben sichert. Der Baum engt somit zwar den Hochwasserquerschnitt ein, der tiefe Kolkgraben gleicht das aber wieder aus. Es entsteht also keine Verschlechterung für den Hochwasserschutz.
- Foto: Mühlbauer
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Zusätzlich braucht es Bäume am Flussufer, die aber aktuell wegen der Gefahr der Verklausung lieber gerodet werden. Mühlbauer stellt hier die Sinnhaftigkeit infrage. Denn es werden immer irgendwo Äste ins Wasser fallen und sich verhaken. Besser ist es, die Bäume stehenzulassen, damit sie dem Fluss Schatten spenden. Und somit die Sonne die Gewässer weniger aufheizen kann.
- Sie haben die Trockenheit und die Hitze nicht überlebt.
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Um den Grundwasserspiegel zu schonen, schlägt der Wissenschaftler vor, das Wasser nur dort zu entnehmen, wo es nicht so gravierend ist. Etwa bei den Donau-Auen. Eine Au lebt vom steigenden und fallenden Wasserspiegel. Hier könnte Renaturierung und Wirtschaftlichkeit zusammenspielen. Wobei natürlich zuvor Investitionen getätigt werden müssten, um dieses Versorgungsnetz aufzubauen.
Wer überlebt?
Bei den drei Buhnen sichten wir Schwärme an kleinen Elritzen, Bachschmerlen und Gründlinge. Auch junge Wienerwald-Forellen könnten unter ihnen sein. Diese Form der Bachforelle hat sich über Jahrtausende an das Klima hier angepasst und lebt nur hier im Wienerwald. Einmal ausgestorben, kann diese Besonderheit nicht mehr zurückgeholt werden.
- Eine der vielen Wienerwald-Forellen, die das aktuelle Klima nicht ausgehalten hat.
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Im Gegensatz zu den Kleinstfischen können sich die größeren Forellen nicht so leicht verstecken und wieder fortpflanzen. Aktuell müssten sie eigentlich Kräfte für die Laichzeit im Herbst sammeln. Dazu braucht die Wienerwald-Forelle Kiesbänke zum Laichen und eine Flussströmung. Sobald es wieder regnet, wird sich zeigen, ob sich der Bestand von der heurigen Trockenphase erholen wird.
- Die drei angelegten Buhnen im Anzbach. Sie sind die nächstbeste Lösung, um Überlebensräume für Fische und Co. zu schaffen. Sofern Bäume aus Sicht des Hochwasserschutzes im Flussbett nicht möglich sind.
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Es ist ein echter Überlebenskampf, den die Fische heuer führen müssen. Ein Indikator dafür, dass die Natur, unser Lebensraum an seine Grenzen kommt. "Die Situation war langfristig vorhersehbar, aber dass sie so schnell kommt, überrascht auch mich", sagt Martin Mühlbauer. Der Mensch muss dringend umdenken und Lösungen umsetzen, um unser aller Überleben zu sichern.
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